Skitourensaison

Gut vorbereitet ins Gelände

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Schritt für Schritt Genuss: Wer gut vorbereitet auf Tour geht, hat mehr davon.

In den oberen Höhenlagen gibt es Schnee, doch lässt die weiße Pracht noch auf sich warten. Viele Skitourengeher stehen seit langem in den Startlöchern. Tipps für mehr Genuss und weniger Risiko.

"Winter“ kann man das bisher ja kaum nennen. „Nur Geduld, der Schnee wird schon noch kommen und die Skitourensaison, die ja bekanntlich sowieso im Frühjahr am schönsten ist, kann dann noch sehr lange dauern“, sagt Manfred Lorenz, Chefbergführer des DAV Summit Club.

Manfred Lorenz

Er schaut aus der Ferne zu, wie sich die Camp-Teilnehmer eines Tourenvorbereitungskurses am Ortler unter professioneller Anleitung der Bergführer darin versuchen, auf dem Testfeld im Schnee das vergrabene LVS-Gerät mit dem eigenen Gerät zu orten und den richtigen Umgang mit der Sonde üben. „Wer ins Gelände geht, der muss seine LVS-Kenntnisse nicht nur auffrischen, sondern auch immer wieder üben! Man muss mit seiner Ausrüstung absolut vertraut sein. Im Notfall muss jeder Handgriff ohne zu überlegen sitzen“, erklärt Lorenz.

Gewusst wie: Auch das schnelle Auf- und Abziehen der Felle braucht Übung.

Dass die Bedienung des LVS-Gerätes sowie das schnelle Zusammenbauen der Sonde und Schaufel unter Zeitdruck gar nicht so einfach ist, merken die Teilnehmer schnell und das richtige Schaufeln zeigt sich als ganz schön anstrengend. Genauso wie die ersten Schwünge im Schnee. „Ski entstauben und herrichten, Felle, Batterien und sonstige Ausrüstung überprüfen – der Materialcheck ist eine Sache am Saisonanfang, die andere ist die körperliche Fitness und das richtige Einfahren, bevor ich mich ins anspruchsvolle Gelände wage“, macht der Allgäuer Bergführer Robert Marz seiner Gruppe deutlich und lässt sie zum Eingewöhnen einige Abfahrten mit ein paar Technikübungen auf der Piste machen. „Jede Skitour macht mehr Spaß, wenn man auch Spaß beim Abfahren hat. Skifahren im Gelände ist technisch je nach Verhältnissen extrem anspruchsvoll. Wer sich da nicht sicher ist, sollte unbedingt einen Tiefschneekurs machen.“

Ersehnte Schwünge im Tiefschnee

LVS-Check, gemeinsame Gefahrenbeurteilung des ausgewählten Hanges, dann warten endlich am Ende des ersten Übungstages die ersehnten Schwünge im Tiefschnee, bevor die Gruppe am nächsten Tag dann nach eingehender Tourenplanung erstmals die Felle aufziehen darf. Die Tourensaison beginnt bei strahlend blauem Himmel für sie.

Zehn goldene Regeln abseits der Piste

Die folgenden Empfehlungen des Alpenvereins (www.alpenverein.de) dienen dazu, Risiken im winterlichen Gebirge zu minimieren. Die Umsetzung wird am besten in Skitouren- und Lawinenkursen vermittelt.

  1. Gesund in die Berge: Gesundheit und eine gute Selbsteinschätzung sind Grundvoraussetzung für Skitouren. Vermeiden Sie Zeitdruck und steigern Sie Intensität und Umfang langsam. Achten Sie auf Kraftreserven für die Abfahrt.
  2. Sorgfältige Planung: Karten, Literatur, Internet und Experten informieren über Länge, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. Beachten Sie den Wetterbericht, da starker Wind und schlechte Sicht das Unfallrisiko stark erhöhen.
  3. Lawinenlagebericht studieren: Informieren Sie sich vor der Tour eingehend über die aktuelle Gefahrenstufe sowie über die Angaben zu den Gefahrenstellen und den Gefahrenquellen.
  4. Vollständige Ausrüstung: Passen Sie die Ausrüstung den winterlichen Verhältnissen an und achten Sie auf ein geringes Rucksackgewicht. Für den Lawinen-Notfall sind LVS-Gerät, Schaufel und Sonde Standard, ebenso Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Mobiltelefon. Ein Airbag-System erhöht die Überlebenschancen.
  5. Regelmäßige Trinkpausen: Flüssigkeit, Energie und Pausen sind notwendig, um Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Heiße isotonische Getränke sind ideale Durstlöscher. Müsliriegel, Trockenobst und Kekse stillen den kleinen Hunger unterwegs.
  6. Lawinenrisiko abwägen: Beim Erkennen der Lawinengefahr sind dem Menschen enge Grenzen gesetzt. Reduzieren Sie Entscheidungen auf strategische Methoden der Risikoeinschätzung und lernen Sie, Gefahrenzeichen im Gelände zu erkennen.
  7. Abstände einhalten: Entlastungsabstände von 10 m beim Aufstieg in Steilhängen (≥ 30°) reduzieren die Belastung auf die Schneedecke und steigern den Komfort bei Spitzkehren. Bei der Abfahrt grundsätzlich Abstände von mindestens 30 m einhalten und sehr steile Hänge (≥ 35 °) einzeln befahren.
  8. Stürze vermeiden: Stürze bei der Abfahrt sind die häufigste Unfallursache auf Skitouren. Für die Schneedecke bedeuten sie zudem eine große Zusatzbelastung. Gute Skitechnik und eine dem Können angepasste Geschwindigkeit reduzieren das Risiko. Ein Skihelm ist ratsam.
  9. Kleine Gruppen: Kleine Gruppen ermöglichen gegenseitige Hilfe und verringern das Lawinen-Auslöse-Risiko. In der Gruppe zusammen bleiben. Achtung Alleingänger: Bereits kleine Zwischenfälle können zu ernsten Notlagen führen. Daher immer vertraute Personen über Ziel, Route und Rückkehr informieren.
  10.  Respekt für die Natur: Keine Abfälle zurücklassen, Lärm vermeiden, Aufforstungsflächen nicht betreten, Schutz- und Sperrgebiete respektieren. Besondere Rücksicht auf Wildtiere im Winter! Zur Anreise Fahrgemeinschaften bilden oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Lawinen-/Sicherheitskurse

Skitouren-Einsteiger sollten nicht auf eigene Faust losziehen, sondern zunächst eine fundierte Lawinenausbildung durchlaufen. Kurse dazu und Skitourenschnupperkurse gibt es beispielsweise hier:

Zehn Grundregeln für Pistentouren

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Petra Rapp

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