Kitzbüheler Alpen

Unter Strom: Mit dem E-Rennrad unterwegs

+
Getarnte Flitzer: Die neuen E-Renner sind nur am Tempo als „Stromer“ erkennbar.

Den Anblick nahezu mühelos bergauf radelnder Mountainbiker ist man inzwischen ja fast schon gewohnt. Aber Rennradler mit elektrischer Unterstützung?

Mit dem E-Rennrad unterwegs in den Kitzbüheler Bergen.

Ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die mehr werden. Autor Norbert Eisele-Hein hat sich für uns auf den Sattel geschwungen und es auf den dünnen Reifen in den Kitzbüheler Bergen ausprobiert. Die Region Hohe Salve ist dort mit rund 1000 Kilometern Elektrofahrrad-Strecken nicht nur die größte E-Bike- Region der Welt, sondern seit zwei Jahren auch weltweit erste E-Rennrad-Region. Klack, Klack, Klack, kaum rangefahren lassen wir die Kette nach unten wandern. Kurz in den Wiegetritt und aufs magische Knöpfchen gedrückt. Schon sind wir weg ... Ganz schön fies eigentlich. Der Rennradtruppe, allesamt top ausgerüstet, in bunte Teamtrikots gewandet und sichtbar top trainiert, bleibt erst mal die Spucke weg. Der Gesichtsausdruck der Abgehängten zwischen Erstaunen, Bewunderung und Frust ist ein Anblick für Götter. Schon biegen wir in die letzte Serpentine hoch zur Tennhütte auf der Hohen Salve ein. Wir sind garantiert nicht besser trainiert, verfügen aber über 200 Watt elektrischen Rückenwind. Der Antrieb elegant im Sattelrohr versteckt, der Akku lagert fast unsichtbar im kleinen Satteltäschchen und der flotte Flitzer bleibt sogar noch unter der Zehn-Kilo-Marke. Damit gehört der Logenplatz in der Tenn natürlich uns.

Unser alkoholfreies Weißbier steht schon auf dem Tisch, als die Verfolger eintrudeln. Argwöhnisch beäugen sie unsere Räder. „Dürfen wir die mal hochheben“, frägt Martin aus Ebersberg. „Natürlich“, entgegnen wir schmunzelnd. Im Weißbierglas spiegeln sich die Kitzbüheler Alpen und gleich hinter der Schaumkrone ragen die Eisriesen der Hohen Tauern in den stahlblauen Himmel. Der perfekte Rahmen für einen lässigen Tech-Talk mit Gleichgesinnten.

Akku in der Satteltasche.

Was für ein Auftakt für unser elektrifiziertes Wochenende. Letztlich sind wir uns alle einig. E-Räder haben längst das Reha-Image abgeschüttelt. Der zusätzliche Strom in der Wade hat viele Vorteile: Leistungsunterschiede verschieden starker Partner lassen sich wunderbar ausgleichen. Senioren haben wieder mehr Spaß am Radfahren und wir Kurzurlauber können die umwerfende Schönheit der Tiroler Bergwelt viel intensiver genießen, wenn die Schläfen eben nicht ständig im Stakkato gegen den Helm hämmern. Martin und seine Freunde sind richtiggehend erleichtert, dass wir sie „nur“ elektrisch aufgemotzt abgeledert haben. Somit schmerzt die verlorene Bergwertung nicht so sehr. In den Kitzbüheler Alpen, wo im Winter Skifahrer mit der Zunge schnalzen, finden Radfahrer aller Gattungen gleich nach der Schneeschmelze ein wahres Eldorado. Die sanften grünen Hügel und die breiten Täler rings um die 1829 Meter Hohe Salve sind wie geschaffen für Stromradler. Mountainbiker schätzen die unzähligen Trails schon lange. 2013 haben die immer schon Sport-affinen Tiroler einen echten Coup gelandet und zusammen mit der Firma Gruber- Antriebe in Wörgl die erste E-Rennrad- Region der Welt ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Regionen Kitzbüheler Alpen und Wilder Kaiser bietet die Ferienregion Hohe Salve seither die größte E-Rad-Region der Welt mit 80 Verleihstationen und über 300 Rädern. Für die Ferraris der E-Räder, die Vivax-Renner mit dem Gruber- Turbo, wurden Testcenter in Wörgl oder am Angerberg eingerichtet und günstige E-Bike Wochenenden arrangiert. Respekt – was die Tiroler machen, machen sie richtig. Infos: www. hohe-salve.com, www.kitzbueheler-alpen.com

Von Norbert Eisele-Hein

E-Bikes gefragt wie nie

Das Fahrrad ist nach wie vor liebstes Freizeitsportgerät der Deutschen und cleveres, nahezu ideales Verkehrsmittel. Hohen Anteil an dieser Popularität hat das Elektrorad. Im Laufe der letzten Jahre hat diese Fahrradart ihr Reha-Image fast gänzlich abgestreift: Der Spaß am Stromern setzt sich durch. Das beweisen auch jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen 1,2 Millionen private Haushalte zum Jahresanfang 2014 mindestens ein E-Bike besaßen.

Erstmals zählten die Wiesbadener Statistiker nicht nur die Anzahl der Haushalte mit herkömmlichen Fahrrädern, sondern fragten auch gezielt nach E-Bikes. Das Ergebnis: 4,3 Prozent Elektrofahrräder kamen auf 100 Haushalte. Das entspricht laut Destatis knapp 1,6 Millionen EBikes. Laut dem ZIV (Zweirad Industrie Verband) wurden im letzten Jahr 480 000 E-Bikes verkauft (70 000 mehr als noch im Vorjahr). Höhere Verkäufe und steigende Präsenz des EBikes auf deutschen Straßen sind weiter zu erwarten und auch bei jüngeren Menschen wird das E-Bike immer beliebter. Der Electric Bikes Worldwide Report 2014 sagte für 2025 einen Verkauf von 130 Millionen E-Bikes weltweit voraus.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare