Mit dem Rad unterwegs

Gibt es eine Helmpflicht im Ausland?

Fahrradhelm
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In Deutschland gibt es keine Helmpflicht für Radfahrer - die Debatte darüber wird hitzig geführt.
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Deutschland hat keine Helmpflicht für Radfahrer, wie sieht es im Ausland aus? So ist die Regel in Spanien, den USA, in China, den Niederlanden, in Dänemark und Italien:

Die Frage nach einer Helmpflicht für Radfahrer löst in Deutschland eine hitzige Debatte aus.  

In Spanien hat im vorigen Jahr eine Debatte über das Tragen von Fahrradhelmen eingesetzt. Die Verkehrsbehörde hatte sich für eine generelle Pflicht ausgesprochen. Dies stieß auf Proteste, so dass die Regierung die geplante Regelung abschwächte. Nach einer im vorigen Monat verabschiedeten Reform der Straßenverkehrsordnung gilt außerhalb der Städte auf den Landstraßen - wie bisher - für alle Radfahrer eine allgemeine Helmpflicht. Auf städtischem Gebiet müssen nur Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren beim Radfahren einen Helm tragen.

In den USA gibt es in 22 Bundesstaaten eine Helmpflicht für Kinder und Jugendliche. So müssen in Kalifornien alle Radler unter 18 Jahren einen Helm tragen, während das in Washington nur für unter 16-Jährige und in New York für unter 14-Jährige gilt. Verwirrend kommt hinzu, dass einzelne Bezirke eigene Regeln erlassen können. Das ist etwa in Teilen von Kalifornien, Texas und Alabama der Fall, wo die Helmpflicht für alle gilt - unabhängig vom Alter. 2011 starben auf US-Straßen 677 Fahrradfahrer.

In China - dem Reich der Fahrradfahrer - sind wenige Helme im Straßenverkehr zu sehen. Schon die Helmpflicht für Motorradfahrer wird je nach Region kaum eingehalten. Besonders in Südchina fahren oft ganze Familien - Vater, Mutter und ein, zwei kleine Kinder - ohne jeden Schutz auf dem Moped. Dass sich auch Fahrradfahrer mit einem Helm schützen sollten, wird nicht einmal diskutiert - höchstens in modernen Internetforen für Radsportler oder Outdoorfans. Insofern ist Helmpflicht für gewöhnliche Fahrradfahrer kein Thema, obwohl es mit der Einführung der schnellen Elektrobikes, die heute millionenfach auf Chinas Straßen fahren, noch einmal an Dringlichkeit gewonnen hat.

Holländer radeln lieber ohne Helm

In den Niederlanden radelt fast jeder ohne Kopfschutz. Aber immer mehr Eltern setzen ihren Kindern einen Helm auf, auch wenn er als uncool gilt: Nach einer Studie des Niederländischen Radlerverbandes würden 60 Prozent aller Radfahrer ihr „Fiets“ stehen lassen, wenn es eine Helmpflicht gäbe. Dieselbe Studie zeigt auch, dass die Zahl der Unfälle zunehmen würde. Sowohl bei Autofahrern als auch behelmten Radfahrern könne dann eine Scheinsicherheit entstehen. Man fährt oder radelt dann riskanter. Die Niederlande gelten weltweit als das sicherste Land für Radfahrer. Das liegt zum einen an der großen Zahl der Radler und zum anderen an der guten Infrastruktur. Der Radverkehr wird - soweit es geht - getrennt vom Autoverkehr.

In Dänemark trägt etwa jeder dritte Radler Helm. Bei den stilbewussten Dänen ist die Kopfbedeckung nicht nur Schutz, sondern oft auch Designobjekt. Pflicht sind Fahrradhelme im Straßenverkehr zwar nicht. Gerade in der (Fahrrad-)Hauptstadt Kopenhagen, wo das Radfahren zum Lebensgefühl gehört, sind sich viele der Gefahren aber bewusst und tragen freiwillig Helm. 2012 starben etwa zwei Dutzend Radfahrer.

In Italien, vor allem in den süditalienischen Städten, ist Radfahren wegen der fehlenden Radwege und des chaotischen Verkehrs generell weniger üblich. Auch deshalb sind verhältnismäßig viele der wenigen Radfahrer mit Helm unterwegs. Über die Einführung einer Pflicht wird nicht diskutiert. Laut den neuesten Zahlen des Statistikamtes Itsat sind in Italien im Jahr 2012 insgesamt 289 Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben gekommen.

Das sind die beliebtesten Radwege Deutschlands

Platz 1: Spitzenreiter bei den beliebtesten Radwegen ist wie schon in den Vorjahren der Elberadweg. Er beginnt in Cuxhaven und Brunsbüttel und führt auf deutscher Seite über 860 Kilometer durch sieben Bundesländer. Von der Strecke her ist er besonders geeignet für Anfänger, Freizeitfahrer und Familien mit Kindern. © ADFC/Jens Lehmkühler
Platz 2: Die Vize-Position nimmt der MainRadweg ein, der am Fluß entlang rund 550 Kilometer bis nach Mainz führt. Startpunkt der familienfreundlichen Tour ist entweder Bischofsgrün oder Creußen in Franken. Unterwegs lassen sich Städte wie Bamberg, Bayreuth oder Würzburg erkunden. © ADFC
Platz 3: Bronze geht an den Ostseeküsten-Radweg. Knapp 1.100 Kilometer lang ist die Strecke, die von Flensburg bis nach Ahlbeck auf der Insel Usedom verläuft. Bis zum Ziel ist das Meer ein ständiger Begleiter. Weiße Sandstrände, bizarre Klippen und dazwischen das maritime Leben der Küstenorte machen die Tour so reizvoll. © ADFC/Jens Lehmkühler
Platz 4: Knapp dahinter folgt der Donauradweg, der zu den brühmtesten Strecken in Europa gehört. Beginnend in Donaueschingen begleitet er die Donau durch vier Länder über Passau nach Wien, Bratislava und weiter zum Ziel Budapest. Auf den 1.400 Kilometern warten etliche Sehenswürdigkeiten auf die Radler. © DFC/Marcus Gloger
Platz 5: Der Weser-Radweg belegt die goldene Mitte. Vom Startpunkt Hann geht es in 15 Etappen durch sechs Regionen entlang der Weser hoch bis zur Nordsee (Cuxhaven). Traumhafte Flusslandschaften mit schönen Radwegen erwarten die Radler auf der Strecke. Unterwegs lässt sich u.a. Bremen erkunden. © ADFC/Karsten Klama
Platz 6: Viel zu sehen gibt es auch auf dem Rheinradweg. Von der Rheinquelle geht es via Bodensee über 1.000 Kilometer durch Deutschland, Schweiz, Frankreich und die Niederlande. Die Tour endet im kleinen Badeort Hoek van Holland – heute ein Rotterdamer Stadtteil. © ADFC/Marcus Gloger
Platz 7: Deutschlands östlichste Radroute, der Oder-Neiße-Radweg, führt durch drei Bundesländer. Entlang der Grenze zu Polen erreichen Radfahrer vom Startpunkt Zittau aus nach 465 km das Ziel Ueckermünde. Unterwegs warten historisch interessante Städte und eine landschaftlich herrliche Umgebung. © ADFC/Karsten Klama
Platz 8: Eine vergleichsweise leichte und kurze Tour bietet der Bodensee-Radweg. Von Konstanz aus führt die Strecke entlang dem See via Überlingen, Meersburg und Lindau zum Zielort Bregenz. Wer den Bodensee in all seinen Facetten erleben will, ist mit dieser Tour genau richtig. © ADFC/Karsten Klama
Platz 9: Auf dem vorletzten Rang liegt der Ruhrtal-Radweg. Zwischen dem Startpunkt Winterberg und dem Ziel Duisburg liegen rund 230 Kilometer, die etwa durch die Städte Menden, Iserlohn, Bochum, Dortmund und Essen führen. Die überwiegend flussbegleitende Strecke verläuft weitgehend autofrei auf separaten Radwegen. © ADFC/Norbert Eisele-Hein
Platz 10: Mit dem letzten Platz muss sich der Ems-Radweg zufrieden geben. Von Hövelhof in der Senne folgt die flache Strecke dem kompletten Flusslauf der Ems von den Quellen bis zur Mündung in die Nordsee. Nach 375 Kilometern erreichen die Fahrer das Ziel Emden. Unterwegs warten historische Städte und idyllische Landschaften. © ADFC/Marcus Gloger

dpa

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