Neues Imperium?

Zugspitzbahn kauft Berg-Gasthof am Hausberg

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Der Gasthof „Drehmöser 9“ am Hausberg bei Garmisch-Partenkirchen ist eine beliebte Raststation für Skifahrer.

Garmisch-Partenkirchen - Die Bayerische Zugspitzbahn erweitert ihr Geschäftsfeld und investiert in die Gastronomie. Der Appetit ist groß. 

Drei Mauern und ein Teil des Dachs – das ist alles, was von der ehemaligen Talstation der Kreuzwankl-Schlepplifte übrig geblieben ist. Drumherum haben Johannes Hilpert und Andi Demmel mit der Drehmöser 9 ihren Traum von einer Skihütte verwirklicht. „Ich hänge sehr dran“, sagt Hilpert. Warum er und sein Partner den Berg-Gasthof jetzt trotzdem verkauft haben, dazu äußert er sich nicht. Auch über den Preis schweigt er, genau wie Matthias Stauch, Kaufmännischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Dem Vernehmen nach fließt zum Ende der Wintersaison, wenn das Bergbahn-Unternehmen die Drehmöser auf dem Hausberg übernimmt, eine niedrige siebenstellige Summe.

„Entscheidend für uns war, auch im Classic-Gebiet gastronomisch einen Fuß in die Tür zu bekommen“, sagt Stauch. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, dass die BZB auch am Kreuzeckhaus interessiert gewesen sei, dort allerdings nicht zum Zug gekommen ist. Die Gelegenheit, die Skihütte an der Kreuzwankl-Talstation zu übernehmen, packte Stauch daher beim Schopf. „Das Konzept ist stimmig, da werden wir nicht viel ändern“, betont er. Auch an den beliebten Tourenabenden am Dienstag und Donnerstag, die momentan aufgrund der geringen Schneemenge noch nicht stattfinden können (wir berichteten), will er festhalten. Einige Optimierungen kann sich der Kaufmann aber vorstellen, die er nun mit seinem Gastro-Team abstimmt. Bis zu 70 Mitarbeiter, darunter an die 15 Köche, umfasst die Abteilung der BZB. Auf der Zugspitze und im Café Kandahar würden bislang „fast vier Millionen Euro Umsatz mit der Gastronomie gemacht“, erklärt Stauch. Ein Geschäftszweig, den er ausbauen möchte. „Wenn sich die Gelegenheit bietet, würden wir auch weitere Restaurants im Skigebiet übernehmen.“ Inwieweit für den Betrieb der Drehmöser 9 in der Saison 2013/14 neues Personal eingestellt werden muss, ist eine Frage, die Stauch noch klären muss. „Bisher steht nicht fest, ob wir jemanden übernehmen. Wir werden aber noch mit allen das Gespräch suchen.“

Das Gebäude, das Hilpert und Demmel mit viel Herzblut errichtet haben, kauft die BZB. Der Grund, auf dem es steht, gehört weiter den Gemeindewerken, die 100 Prozent der BZB-Aktien halten. „Wir haben einen langfristigen Pachtvertrag mit den Betreibern der Drehmöser, den übernimmt jetzt die Zugspitzbahn“, erklärt Werke-Vorstand Wotan Lichtmeß. Das Geschäft auf gut 1300 Metern Höhe laufe gut, weiß er. Deshalb steige das Bergbahn-Unternehmen auch ein.

Den Schritt, sich ein Restaurant im Classic-Gebiet zu sichern, kann auch Tourismus-Direktor Peter Nagel nachvollziehen. „Wichtig ist, dass die Drehmöser, die eine Bereicherung fürs Skigebiet ist, erhalten bleibt.“ Daran will Stauch keinesfalls rütteln. Er überlegt vielmehr, ob er die Hütte auch im Sommer, wenn die Bahn nicht fährt, für Veranstaltungen nutzt. „Dafür liegen schon etliche Anfragen vor.“

Zunächst hoffen aber er sowie Hilpert und Demmel auf Schnee. Schließlich sollen möglichst viele Wintersportler die Pisten und Einkehrmöglichkeiten am Hausberg nutzen. Das Miteinander beschreibt Hilpert in seinem siebten Winter in der Drehmöser als „sehr harmonisch“. Mit der BZB bietet er heuer sogar die „Morgenlatte“, einen Brunch in Verbindung mit dem Skipass, an. „Es macht Spaß da heroben“, versichert Hilpert.

Besonders stolz ist er darauf, dass er und sein Geschäftspartner die Skihütte allen Unkenrufen und Neidern zum Trotz in ein Erfolgsmodell verwandelt haben. „Für mich war das ein Lebenstraum.“ Von dem verabschiedet er sich nach diesem Winter – und das mit schwerem Herzen.

Tanja Brinkmann

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