Ab Sommer steigende Bezüge

2,1 Prozent mehr: Was bringt die Rentenerhöhung?

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Ein Grund zum Feiern: Die Rente steigt in Westdeutschland um 2,1 Prozent, im Osten um 2,5 Prozent.

München - Die tz erklärt, wie es zur Rentenerhöhung gekommen ist – und warum die Rentner durch einen Statistik-Trick sogar um eine noch höhere Steigerung gebracht worden sind

Ein Grund zur Freude für die gut 20,5 Millionen Rentner in Deutschland: Ab 1. Juli bekommen sie spürbar höhere Bezüge. In Westdeutschland steigt die Rente um 2,1 Prozent, im Osten um 2,5 Prozent. Die tz erklärt, wie es zu der Erhöhung gekommen ist – und warum die Rentner durch einen Statistik-Trick sogar um eine noch höhere Steigerung gebracht worden sind:

Auf welcher Grundlage wir de Rentenanpassung berechnet? Basis der Rentenanpassung ist die Entwicklung der Löhne. Die statistisch zu Buche schlagende Lohnsteigerung beträgt 2,08 Prozent in den alten Ländern und 2,5 Prozent in den neuen Ländern. Der Rentenwert – quasi die monatliche Rente für ein Jahr Beschäftigung mit Durchschnittsentgelt – steigt von 28,61 auf 29,21 Euro im Westen, im Osten von 26,39 Euro auf 27,05 Euro.

Was bedeutet das konkret? Ein Beispiel: Bei einer Monatsrente von 900 Euro führt die Rentenerhöhung zu zu einem Aufschlag von brutto 18,90 Euro im Westen und 22,50 Euro im Osten. Zur besseren Einordnung, finden Sie weitere Werte in der tz-Tabelle. Die Erhöhungen sind somit etwas kräftiger als von der Deutschen Rentenversicherung im November prognostiziert. Sie werden auch nicht durch die Inflation aufgefressen, diese Rate betrug zuletzt minus 0,1 Prozent.

Gibt es trotzdem Grund zum Ärger? Ja. Denn durch einen hinterhältigen Statistik-Trick werden die Rentner um eine noch kräftigere Erhöhung ihrer Bezüge gebracht. Doch in diesem Jahr sind die offiziellen Rentenexperten bei ihrer Berechnung von einem niedrigen Lohndurchschnitt ausgegangen. Denn in diesem Jahr werden Gruppen mit besonders niedrigem Einkommen neu in die Berechnung hineingenommen: Rund 300 000 Behinderte, die in Werkstätten arbeiten, mehr als 30 000 Personen in Jugendhilfe-Einrichtungen sowie knapp 80 000 junge Leute, die ein freiwilliges Jahr oder Bundesfreiwilligendienst ableisten. All diese Gruppen haben eines gemeinsam: Sie verdienen wenig - was das deutsche Durchschnittseinkommen um rund einen Prozent absenkt. Verantwortlich für die neue Berechnungsgrundlage ist das Sozialministerium von Andrea Nahles. Das Ministerium begründete die Änderung gegenüber der tz mit einer Angleichung an internationale Standards. Ein Ministeriumssprecher beteuert aber, dass es sich um einen Einmal-Effekt handelt, der 2016 wieder ausgeglichen werden soll.

Was ist mit dem Rentenbeitragssatz? Der ist schon zum 1. Januar gesunken – allerdings nur um 0,2 Punkte auf 18,7 Prozent. Im Vorjahr hatte die GroKo auf eine damals mögliche Beitragssatzsenkung um 0,6 Punkte verzichtet, um die Wahlgeschenke Mütterrente und abschlagsfreie Rente mit 63 zu finanzieren.

Was sagen die Sozialverbände? Sie werfen der Regierung vor, mit ihrem Rentenkurs auf kurz- und mittelfristige Verbesserungen für viele Rentner zu setzen, aber keine längerfristige Stabilisierung der Rentenfinanzen anzugehen. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, zeigte sich in Sorge wegen des sinkenden Rentenniveaus – also des geringer werdenden Verhältnisses vom Renten- zum Arbeitseinkommen. Laut politischer Festlegung soll es bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Bisher ist es bereits unter 50 Prozent gesunken.

Was bringt die Rentenerhöhung?

Rente jetzt neue Rente West (+2,1%) neue Rente Ost(+2,5%)
500 Euro 510,50 Euro 512,50 Euro
550 Euro 561,55 Euro 563,75 Euro
600 Euro 612,60 Euro 615,00 Euro
650 Euro 663,65 Euro 666,25 Euro
700 Euro 714,70 Euro 717,50 Euro
750 Euro 765,75 Euro 768,75 Euro
800 Euro 816,80 Euro 820,00 Euro
850 Euro 867,85 Euro 871,25 Euro
900 Euro 918,90 Euro 922,50 Euro
950 Euro 969,95 Euro 973,75 Euro
1000 Euro 1021,00 Euro 1025,00 Euro
1050 Euro 1072,05 Euro 1076,25 Euro
1100 Euro 1123,10 Euro 1127,50 Euro
1150 Euro 1074,15 Euro 1178,75 Euro
1200 Euro 1225,20 Euro 1230,00 Euro
1250 Euro 1076,25 Euro 1281,25 Euro
1300 Euro 1327,30 Euro 1332,50 Euro
1350 Euro 1078,35 Euro 1383,75 Euro
1400 Euro 1429,40 Euro 1435,00 Euro
1450 Euro 1480,45 Euro 1486,25 Euro
1500 Euro 1531,50 Euro 1537,50 Euro
1550 Euro 1582,55 Euro 1588,75 Euro
1600 Euro 1633,60 Euro 1640,00 Euro
1650 Euro 1684,65 Euro 1691,25 Euro
1700 Euro 1735,70 Euro 1742,50 Euro
1750 Euro 1786,75 Euro 1793,75 Euro
1800 Euro 1837,80 Euro 1845,00 Euro
1850 Euro 1888,85 Euro 1896,25 Euro

M. Kniepkamp

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