30. Todestag des Ministerpräsidenten

Strauß-Tochter: „Niemals hätte mein Vater die AfD gewählt“

+
Am 3. Oktober 1988 starb der ehemalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß.

Am 30. Todestag von Franz Josef Strauß erklärt seine Tochter Monika Hohlmeier in einem Interview, warum ihr Vater heute gegen die AfD wäre und warum eine Zusammenarbeit mit US-Präsidenten Donald Trump nicht funktionieren würde.

München - Es ist Wahlkampf in Bayern, die CSU muss mit einem historisch schlechten Ergebnis rechnen - und plötzlich tritt der längst verstorbene CSU-„Übervater“ Franz Josef Strauß wieder in Erscheinung. An diesem Mittwoch jährt sich nämlich der Todestag von „FJS“, wie der langjährige Parteichef und Ministerpräsident auch genannt wurde, zum 30. Mal. 

„Franz Josef Strauß würde AfD wählen“, ließ der AfD-nahe „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“ plakatieren. „Franz Josef Strauß würde diese AfD bekämpfen“, konterte Ministerpräsident Markus Söder beim CSU-Parteitag Mitte September. In einem Interview mit der Bild am Sonntag erklärte nun Monika Hohlmeier, Tochter des verstorbenen Ministerpräsidenten, was ihr Vater von der aktuellen politischen Lage halten würde.

Tochter von Franz Josef Strauß: „Niemals hätte mein Vater die AfD gewählt“

Ganz klar widerspricht Monika Hohlmeier der These, die auf den Plakaten des AfD-nahen Vereins zu lesen ist: „Niemals hätte mein Vater die AfD gewählt.“ Es habe zwei besondere Momente gegeben, an denen sich die CSU-Politikerin gefreut habe, dass sie ihr Vater nicht mehr erlebt habe: als zuerst die Linke und später dann die AfD in den deutschen Bundestag einzogen. AfD-Politiker wie Björn Höcke oder Alexander Gauland seien „geistige Brandstifter“, die die Gesellschaft spalten, Gewalt produzieren und die Menschen skrupellos aufhetzen. „Gute Politiker machen Mut, schlechte Politiker Angst!“, fasste Hohlmeier zusammen.

Schwarz-grüne Koalition und Flüchtlingsfrage

Zu der Frage, ob Franz Josef Strauß eine schwarz-grüne Koalition in Bayern für eine gute Idee halten würde, nachdem die Grünen in den aktuellsten Umfragen zur zweitstärksten Partei Bayerns mit 16 % Zustimmung geworden sind, zeigte sich Hohlmeier optimistisch. Ihrer Meinung nach gebe es Kontaktpunkte zwischen Grünen und CSU in Bezug auf die Migrationsfrage. Einige Grünen-Politiker wie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer würden sich ihrer Meinung nach sogar wie CSU-Politiker anhören, wenn es um die Flüchtlingsfrage gehe. Gleichzeitig gebe es allerdings auch Meinungsverschiedenheiten, die eine gute Zusammenarbeit verhindern könnten. Zum Beispiel das Problem der Sicherheitskontrollen an den Grenzen.

Jedoch bleibt die Flüchtlingsfrage eine der größten und aktuellsten Herausforderungen der Politik. Laut Hohlmeier sei die Vorstellung, alle „perspektivlosen Menschen“ aufzunehmen, ein „Größenwahn der Linken“. Ihrer Meinung nach hätte ihr Vater mehr Realitätssinn angemahnt. Der Vorschlag der CSU-Politikerin sei es stattdessen, die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, so zu steuern, dass echte Integration möglich ist und „es zu einem Gewinn für alle wird“.

Monika Hohlmeier mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sympathie für Trump?: „Wäre wohl eine sehr deutliche Aussprache geworden“

Kaum ein Politiker ist derzeit so umstritten wie US-Präsident Donald Trump. Auf die Frage, ob Franz Josef Strauß heute Sympathien für ihn hätte, ist die Antwort knapp und klar: eher nicht. Das liegt Hohlmeiers Meinung nach daran, dass ihr Vater an die Kraft der Überzeugung durch gute Argumente glaubte. Donald Trump sei stattdessen ein Spalter. „Er (Franz Josef Strauß) hätte sicher mit Trump gesprochen“, erklärt Hohlmeier. „Und das wäre wohl eine sehr deutliche Aussprache geworden.“ 

Seehofer: Strauß war „Wegbereiter der deutschen Einheit“

Am Mittwoch haben CSU-Chef Horst Seehofer und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Verdienste des früheren Partei- und Regierungschefs für die CSU und das Land insgesamt gewürdigt. „Er ist der Vater des Erfolgs für die CSU, für Bayern, für Deutschland“, sagte Seehofer bei den Gedenkfeierlichkeiten zu Ehren Strauß' in Rott am Inn. Seehofer bezeichnete Strauß zudem als einen Wegbereiter der deutschen Einheit.

Söder nannte Strauß einen „Modernisierer“, der Bayern vorangebracht habe. Der ehemalige Ministerpräsident habe Bayern „von einem reinen Agrarland zu einem modernen Industriestaat geformt.“ Ein Auftrag Strauß' sei auch der Kampf gegen den Extremismus von allen Seiten. „Sein Satz ‚Rechts neben der Union darf keine demokratisch legitimierte Kraft sein‘ ist uns weiter Auftrag“, betonte Söder.

Lesen Sie auch: Der News-Ticker zur Landtagswahl in Bayern.

fm/dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Wegen Einmarsch in Syrien: Grüne fordern Sanktionen gegen Türkei
Wegen Einmarsch in Syrien: Grüne fordern Sanktionen gegen Türkei
„Er ist absoluter Experte“: OB Reiter überrascht mit Stadtrats-Kandidaten - viele dürften ihn kennen
„Er ist absoluter Experte“: OB Reiter überrascht mit Stadtrats-Kandidaten - viele dürften ihn kennen
Affäre um Clan-Chef Miri: Vertrauter verrät Details - das geschah nach der Abschiebung
Affäre um Clan-Chef Miri: Vertrauter verrät Details - das geschah nach der Abschiebung
Geldverdienen mit Greta Thunberg? Das sind die Hintermänner der Klimaaktivistin
Geldverdienen mit Greta Thunberg? Das sind die Hintermänner der Klimaaktivistin

Kommentare