Kluft wird immer größer

Renter bekommen 7,75 Euro mehr, Pensionäre 170

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München - Wieso bekommen Bundesbeamte eine knapp 22-fach größere Anhebung ihrer Bezüge als Rentner? Die tz sucht Antworten im Statistik­dschungel:

Renten und Pensionen haben sich in den letzten Jahren immer weiter auseinanderentwickelt! Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundessozialministeriums stiegen vergangenes Jahr die durchschnittlichen Altersgelder der Bundesbeamten um 170 Euro, die Brutto-Durchschnittsrente dagegen nur um karge 7,75 Euro. Wieso bekommen Bundesbeamte eine knapp 22-fach größere Anhebung ihrer Bezüge als Rentner? Die tz sucht Antworten im Statistik­dschungel:

Geht es bei der Zahl wirklich um die Durchschnittsbeamten? Nein, die Zahl betrifft nur die in der Regel besonders gut bezahlten Bundesbeamten – also nur 5,3 Prozent aller Beamten im Ruhe­stand. Laut Beamtenbund haben sich die Bruttobezüge der deutschen Beamten insgesamt in den vergangenen 20 Jahren mit plus 32 Prozent nicht wesentlich besser entwickelt als die Renten mit plus 26 Prozent.

Wie haben sich die Renten zuletzt entwickelt? Zuletzt stieg die durchschnittliche Altersrente an langjährig Versicherte von 915,93 Euro (2010) auf 931,09 (2012), eine Erhöhung um 1,65 Prozent.

Wie sind die Pensionen gestiegen? Die durchschnittlichen Versorgungsbezüge kletterten von 1790 Euro (2010) auf 1950 Euro (2012). Macht ein Plus von 8,93 Prozent! 2005 und 2006, als die Rentner Nullrunden hinnehmen mussten, gab es für die Pensionäre allerdings sogar Minusrunden (minus 2,8 Prozent 2005, minus 2,0 Prozent 2006).

Im welchem Alter gehen ­Angestellte in Rente und Beamte in Pension? 2012 gingen die Menschen in Deutschland mit 61,1 Jahren in Rente. Die Bundesbeamten genossen demgegenüber bereits ab 57,7 Jahren ihre Pension. Und hatten dieselbe Lebenserwartung.

Was unterscheidet Pension und Rente sonst noch? Pensionseinkünfte müssen in voller Höhe versteuert werden, wohingegen die Altersrente im Jahr 2012 mit 64 Prozent einkommenssteuerpflichtig war. Überdies erhalten auch manche Rentner neben ihrer gesetzlichen Rente noch eine Betriebsrente, die Beamten nicht zusteht. Pensionisten müssen dank Unterstützung durch die staatliche Beihilfe nur 30 Prozent der Krankenversicherungsprämie tragen – Rentner 50 Prozent. Auch darf der Beamte sich auch im Ruhestand über ein Weihnachtsgeld freuen. Zudem erhält er eine Mindestversorgung von aktuell beim Bund 1433 Euro im Monat, sofern er fünf Jahre Beamter war. Und wenn er durchgearbeitet hat, dann profitiert er weiter: Während das Rentenniveau inzwischen auf 51 Prozent des durchschnittlichen Netto­lohns abgesenkt wurde, haben Beamte nach 40 Dienstjahren Anspruch auf 71,75 Prozent ihrer Bezüge – und zwar in aller Regel auf ihre letzte, also in der Regel höchste Besoldungsstufe bezogen.

Michael Brommer

Das sagt der Beamte

„Renten mit Pensionen zu vergleichen, ist schwierig, das ist wie Fußball mit Tennis zu vergleichen: Beides wird mit einem Ball gespielt, aber nach völlig unterschiedlichen Regeln. Denn es handelt sich hier um zwei völlig unterschiedliche Systeme. 140 000 der rund 240 000 bayerischen Beamten sind Lehrer, haben also eine Hochschulausbildung. Die kann man nicht einfach mit dem Durchschnitt aller Rentner vergleichen. Wenn man aber ähnlich ausgebildete Angestellte und Beamte miteinander vergleicht, sind die Unterschiede nicht so groß. Seit Ende der 90erJahre werden sämtliche Dämpfungsfaktoren für die Rente auf die Pensionen übertragen. Auch die Pensionäre mussten schon Null- und sogar Minusrunden hinnehmen. Mit Neiddebatten ist keinem Rentner geholfen.“

Rolf Habermann, Chef des Bayerischen Beamtenbundes 

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