Massive Kritik an Josef Schmid

AfD-Gedenktafel für Strauß: Münchner CSU geht in Deckung

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Enthüllen die AfD-Gedenktafel für Franz Josef Strauß an dessen Geburtshaus an der Schellingstraße 47: Bayerns AfD-Landeschef Petr Bystron (links) und Valentin Martinez (AfD-Kreisverband München Nord).

München - Die AfD hat eine Gedenktafel für Franz Josef Strauß angebracht. Die Münchner CSU duckt sich bei Anfragen weg. CSU-intern gibt es Kritik an Bürgermeister Josef Schmid. Auch Parteichef Seehofer hat eine Meinung.

Fast schon handstreichartig hat die AfD am Dienstagvormittag eine bronzefarbene Gedenktafel in der Schellingstraße angebracht. Landeschef Petr Bystron nagelte sie um 9 Uhr an die Wand des Hauses mit der Nummer 47, in dem Franz Josef Strauß 1915 zur Welt kam.

Wie er bereits angekündigt hatte, fehlt auf der Tafel jeder Verweis auf die AfD. Schließlich gehe es der Partei - die Intiative kam vom Kreisverband München Nord - in erster Linie um einen Erinnerungsort für den "größten bayerischen Politiker der Nachkriegszeit". Dennoch sparte der AfD-Landeschef nicht mit deutlicher Kritik an der CSU. "Eine echte Schande" sei es, so Bystron, dass es ausgerechnet in der Strauß-Geburtsstadt München keinen echten Erinnerungsort gebe. "Das ist ein Versagen der Münchner CSU, die so weit nach links gerückt ist, dass sie sich nicht mehr zu ihrem Übervater bekennt."

Die AfD brachte die Plakette übrigens ohne Erlaubnis des katholischen Verbandes "In Via" an, der im Haus an der Schellingstraße ein Wohnheim für Mädchen und Frauen betreibt. "Bestimmt ist auch die Kirche stolz auf Franz Josef Strauß", hoffte Landeschef Bystron. "Wir gehen davon aus, dass sie sich freuen, dass es eine Gedenkplakette gibt."

AfD-Gedenktafel für Franz Josef Strauß: Das sagt Parteichef Horst Seehofer

Recht schmallippig reagierte CSU-Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer, als unsere Onlineredaktion ihn am Rande des Besuches der Oranje-Royals auf die AfD-Aktion ansprach. "Wir freuen uns über jede Initiative, die den großartigen Staatsmann und die großartigen Lebensleistungen von Franz Josef Strauß würdigt. Wir haben dies im letzten Jahr vielfach getan." Auf die Kritik an der CSU reagierte Seehofer mit einem Schulterzucken. "Franz Josef Strauß ist für uns unbestritten ein herausragender Staatsmann gewesen. Er hat für Deutschland, Bayern und Europa Übermenschliches geleistet. Und wenn sich andere an ihm orientieren, dann müssen wir uns nicht verteidigen. Dann freuen wir uns."

Offenbar hat man sich in der CSU darauf geeinigt, die Aktion der AfD totzuschweigen. Eine Anfrage unserer Onlineredaktion bei Kultusminister Ludwig Spaenle, seines Zeichens CSU-Bezirkschef von München, bleibt seit Dienstag unbeantwortet. Zudem waren sowohl Bürgermeister Josef Schmid als auch Stadtrats-Fraktionschef Hans Podiuk am Mittwoch laut Pressestelle nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer lehnt eine Stellungnahme ab.

"Konservativer Aufbruch": Massive Kritik an Münchens CSU-Bürgermeister Josef Schmid 

Neben Seehofer äußert sich nur noch die CSU-Basisbewegung "Konservativer Aufbruch" zur AfD-Gedenktafel für Franz Josef Strauß. Im Gegensatz zu den Parteifreunden aus München hat Sprecher David Bendels aus Lichtenfels (Oberfranken) eine dezidierte Meinung zu dieser Aktion. "Es ist sehr schade, dass nun ausgerechnet die AfD dafür sorgen muss, dass an der Stelle des Geburtshauses von Franz Josef Strauß eine Gedenktafel angebracht wird“, meint der ehemalige Mitarbeiter von Strauß-Tochter Monika Hohlmeier.

Die Initiative für so eine Gedenktafel hätte eigentlich von der Münchner CSU-Stadtratsfraktion unter dem zweiten Bürgermeister Josef Schmid kommen müssen. "So aber wurde es der AfD leider sehr einfach gemacht, dass sie Franz Josef Strauß nunmehr öffentlichkeitswirksam für sich vereinnahmen kann."

Dann folgt eine ziemliche Breitseite in Richtung Münchner CSU. Bendels vermutet, dass der liberale CSU-Großstadtpolitiker Schmid so ungefähr der Letzte in der Partei sei, der einen Erinnerungsort an den großen Konservativen Strauß wolle. "Als Apologet des gescheiterten Konzepts der weichgespülten und glattgeschliffenen 'modernen und bunten Großstadtpartei CSU' hat er kein gesteigertes Interesse am kontrovers-kantig-konservativen Kraftpaket Strauß." Dass FJS – wie von der AfD behauptet - heute in deren Lager stünde, weist Bendels klar zurück. „Franz Josef Strauß wäre heute garantiert nicht Mitglied der AfD. Er wäre beim Original.“ Auch Bendels hat sich ein „Was wäre, wenn...“-Szenario ausgemalt: Strauß würde wie sein Nachfolger Seehofer heute in der Flüchtlingspolitik gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) opponieren. „Mit Franz Josef Strauß als pragmatisches und konservatives Korrektiv könnte Bundeskanzlerin Merkel ihre illegale, inhumane und gefährliche Masseneinwanderungspolitik wahrscheinlich nicht so mühelos betreiben.“

Darum ist die AfD-Gedenktafel für Franz Josef Strauß wieder verschwunden

Mittlerweile ist die umstrittene Strauß-Gedenktafel übrigens wieder verschwunden. Hauseigentümer "In Via" hat sie noch am Dienstag von der Polizei entfernen lassen. "Die Anbringung der Gedenktafel war zu keinem Zeitpunkt mit unserem Verband als Eigentümer des Gebäudes abgestimmt", erklärt Geschäftsführerin Barbara Igl. "Wir verwehren uns, dass das Gebäude für politisch motivierte Aktionen benutzt wird." Das Wohnheim von "In via" sei schließlich "ein Ort, an dem wir Mädchen und junge Frauen während der Ausbildung begleiten und unterstützen". Einen Erinnerungsort für Franz Josef Strauß gebe es im ganzen Haus nicht.

Allerdings steht sie einer Gedenktafel nicht ablehnend gegenüber. Nur müsse diese "von der Mehrheit der Stadtgesellschaft gewollt sein und durch einen entsprechenden Stadtratsbeschluss begründet werden". Womit der Ball in Sachen Strauß-Gedenktafel wieder bei der Münchner CSU liegt...

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