Kuscheln, Kuschen oder Chaos

AfD: Die große Zerreißprobe

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Bremen - Mehr als 3000 Besucher werden für den Parteitag der AfD erwartet. Kuscheln, Kuschen oder Chaos? Es wird die große Zerreißprobe.

"Die AfD ist wieder einmal eine Rekordpartei“, heißt es vollmundig im Partei-Blättchen AfD Kompakt. Und meint die mutmaßliche Massenbeteiligung der Mitglieder am Parteitag in Bremen dieses Wochenende: Mehr als 3000 angemeldete Parteigänger erwartet man – zu viel für den vorgesehenen Tagungsort, weshalb für Samstag neben einem Hotel laut Bild zusätzlich ein Musical-Theater angemietet wurde, in das simultan die Geschehnisse aus dem Hotel übertragen werden. Die Parteiführung wird hin- und herwechseln. Das klingt schon nach Chaos. Wenn man dann noch an ein 462 Seiten starkes Buch voller Parteitagsanträge denkt, von denen laut Spiegel allein auf 30 Seiten Änderungen zur Tagesordnung formuliert sind, so scheint der Samstag, an dem debattiert wird, ohne Chaos kaum denkbar. Was sonst noch passieren kann, erklärt die tz:

Parteichefstreit eskaliert

Die Parteispitze steht vor mehreren Zerreißproben. Ein Anlass ist die geplante Satzungsänderung. Denn der nur mühsam und wohl eher oberflächlich gefundene Kompromiss in Sachen Parteiführung dürfte hier zur erneuten Disposition stehen. Der Hintergrund: Im April sollen nur noch zwei statt bisher drei Vorsitzende gewählt werden, ab Dezember ist nur mehr ein Parteichef vorgesehen. Der Co-Vorsitzende tritt dann in die zweite Reihe zurück und wird einer von vier stellvertretenden Vorsitzenden. Diese zu wählenden Parteistatuten entsprächen dem Wunsch von Noch-Mit-Parteichef Bernd Lucke, weil er gerne alleiniger AfD-Boss wäre, mit einem Generalsekretär an seiner Seite – die derzeitigen Co-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam sowie Alexander Gauland, AfD-Vize und Fraktionsvorsitzender im Brandenburger Landtag, wollen aber trotz der nach außen gezeigten Einigkeit mit Lucke von ihrem Einfluss nichts einbüßen. Kuscheln, Kuschen oder Chaos – alles scheint denkbar.

Pegida-Streit eskaliert

Bremen könnte die Gretchen-Frage der AfD stellen: Wie hast Du’s mit Pegida? Wie mit der rechten Ecke? Speziell Alexander Gauland hatte die islamkritische Gruppierung als „natürlichen Verbündeten der AfD“ bezeichnet. Zwar distanzierte er sich nach dem Rücktritt von Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel: Damit sei für ihn „das Thema Pegida erledigt“. Doch erst am Mittwoch forderte er einen Total-Stopp der Zuwanderung aus dem Nahen Osten. Lucke hielt dagegen, der stellvertretende Parteivorsitzende Hans-Olaf Henkel warf Gauland sogar vor, er versuche, die AfD durch solche Stellungnahmen weiter rechts zu positionieren. Co-Vorsitzende Petry distanzierte sich indes erneut insoweit von der Pegida-Bewegung, als eine Islamisierung und Überfremdung Deutschlands drohe. Gleichwohl gebe es „Probleme, die aus dem politischen Islam herrühren.“

Imageproblem eskaliert

So sehr Lucke selbst eigentlich mit eurokritischen Thesen punkten möchte, sieht die Öffentlichkeit die Partei zusehens am rechten Rand: Wurde sie im September 2014 von 39 Prozent der Bevölkerung als „sehr rechts“ oder „rechts“ eingestuft, kommen laut des aktuellen ZDF-Politbarometers inzwischen 49 Prozent zu dieser Einschätzung. Das kann Lucke nicht gefallen. Ob da Kuscheln in Bremen hilft?

Michael Brommer

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