FJS-Sohn kritisiert Aktion

"Heute wäre er bei uns": AfD plant Gedenktafel an Strauß-Geburtshaus

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Die AfD plant eine Gedenktafel für CSU-Legende Franz Josef Strauß an dessen Geburtshaus. Deren Landeschef betont: Heute wäre FJS in der AfD.

München - Die AfD plant eine Gedenktafel für CSU-Legende Franz Josef Strauß an dessen Geburtshaus. Deren Landeschef betont: Heute wäre FJS in der AfD. Strauß-Sohn Franz Georg kritisiert die Aktion.

Im Spätsommer zelebrierte die CSU in einer Reihe von Gedenkfeiern ausgiebig den 100. Geburtstag ihres Übervaters Franz Josef Strauß. Nach Sonderveröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und TV-Dokus soll nun ein Strauß-Gedenken folgen, das den Christsozialen vermutlich sauer aufstößt. Denn: Hinter der Aktion steht die AfD. Genauer: deren Kreisverband München Nord. Eben jene Partei, die sich derzeit rechts neben der Union im deutschen Parteienspektrum einrichtet (wovor Strauß zeitlebens warnte), will noch in dieser Woche eine Gedenktafel am Geburtshaus der Gallionsfigur des deutschen Konservatismus enthüllen.

So soll die Gedenktafel der AfD für Franz Josef Strauß aussehen.

Wie Bayerns AfD-Chef Petr Bystron unserer Onlineredaktion mitteilt, soll die Tafel an der Schellingstraße, Hausnummer 47, angebracht werden. Und zwar sobald die Hauseigentümer grünes Licht für die Aktion geben. Idealerweise hofft die AfD, dass es schon Ende dieser Woche soweit ist. Für den Kreisverband ist es ohnehin ein Unding, dass das FJS-Geburtshaus nicht schon längst als Erinnerungsort ausgezeichnet ist. "Viele unserer Mitglieder gehen fast täglich an dem Geburtshaus vorbei", sagt Bystron. "Wir konnten es nicht glauben, dass es dort kein Zeichen der Erinnerung gibt. Da es die CSU nicht einmal zum 100. Geburtstag von FJS gemacht hat, nehmen wir es nun in die Hand."

Und warum sieht es die AfD als ihre Aufgabe an, der Ikone einer konkurrierenden Partei zu gedenken? Für die AfD gehe es in erster Linie um die historische Größe des ehemaligen Ministerpräsidenten, betont Bystron. "Franz Josef Strauß war der wichtigste bayerische Politiker der Nachkriegszeit. Es ist schäbig, ihm in seiner Geburtsstadt nicht zu gedenken. Das hat mit Parteipolitik nichts zu tun. Eher muss sich die Münchner CSU unter Josef Schmid fragen lassen, warum sie bisher noch nichts unternommen hatte. Das ist doch ein Skandal."

Da die Gedenktafel für Franz Josef Strauß nicht parteipolitisch motiviert sei fehle auf ihr auch jeglicher Hinweis auf die AfD, betont Landeschef Bystron. 

Gedenktafel für Franz Josef Strauß: AfD will Parteipolitik außen vor lassen

Ohnehin sieht sich die AfD laut Bystron als Vorkämpferin jener Werte, für die Strauß einst Politik machte. "Franz Josef Strauß stand wie kaum ein anderer für die konservativen Werte in der Politik, die allesamt von der heutigen CSU längst aufgegeben wurden. Würde FJS heute leben, wäre er sicher in der AfD." Statt genuin konservative Politik zu machen, so betont Bystron, würden sich die Christsozialen mit einer Ausweitung des Islamunterrichts sowie einer Frühsexualisierung an Bayerns Schulen beschäftigen.

Franz Josef Strauß: Sein Sohn hält nichts von AfD-Gedenktafel

Strauß-Sohn Franz Georg hält von der Aktion nichts. "Die AfD hat mit Strauß nichts zu tun". "Unser Vater hätte sich nie von der AfD vereinnahmen lassen, sondern nur von der CSU", stellt er klar. Die Strauß-Familie heute habe auch keinen Kontakt zur AfD. Sich mit einer Namensplakette wichtig zu machen, sei "Roßtäuscherei" und "Erbschleicherei".

"Es gab in der Vergangenheit schon mehrere Versuche, sich durch solche Aktionen herauszustellen - wir haben das immer abgelehnt." Außerdem gebe es das Geburtshaus in der Schellingstraße gar nicht mehr, "es ist im Krieg total zerstört worden". Der Nachfolgebau sei seines Wissens im Besitz der katholischen Kirche.

Unsere Onlineredaktion wollte auch von Münchens CSU-Bezirkschef Ludwig Spaenle wissen, was er von der AfD-Aktion hält. Die Antwort auf eine Anfrage vom Dienstagnachmittag steht noch aus.

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