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In Berlin wurde Homepage vorgestellt

AfD startet Online-Portal „gegen links“ - und muss direkt kurioses Bild erklären

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Blick auf die neue von der AfD geschaltete Internetseite: Das an Sylvester Stallone erinnernde Stalin-Bild rechts hinter Beatrix von Storch sorgt für Gesprächsstoff.

Die AfD will mit einem Online Portal „gegen links“ „Gesinnungsterror“ aufdecken. Schon nach wenigen Stunden wird ein Bild auf der Seite zum großen Thema.

Update von 19.14 Uhr: Ein vermeintlicher Fehler der AfD auf ihrer neuen Online-Plattform gegen Linksextremismus hat im Internet für Aufsehen gesorgt. In einem Beitrag über die linksextreme Gruppe „Interventionistische Linke“ benutzte die Partei ein Cartoon-Bild, das zwar an Josef Stalin erinnert, allerdings die Gesichtszüge des Hollywood-Schauspielers Sylvester Stallone trägt. Das Scherz-Bild kursiert seit Längerem im Internet. Dem Journalisten Martin Eimermacher war es auf der AfD-Seite aufgefallen. Seine Entdeckung teilte er auf Twitter.

Auf Nachfrage sagte der Sprecher der Berliner AfD, man habe das Bild bewusst ausgewählt. Man wolle damit zum Ausdruck bringen, dass sich die beschriebene linksextreme Organisation selbst zum Mainstream zähle.

Ein anderer Fehler könnte die AfD in Sachsen teuer zu stehen kommen: Der sächsische Landeswahlausschuss kassierte am Freitag große Teile der AfD-Liste für die Landtagswahlen.

Erstmeldung vom 4. Juli um 16.43 Uhr: AfD startet Internetseite "Blick nach Links"

Berlin - Die AfD hat ein bundesweites Onlineportal zur Erfassung angeblich linker Vorfälle gestartet. Auf der Internetseite "Blick nach Links" sollen laut der Partei unter anderem Straftaten gesammelt und über linke Netzwerke informiert werden."Jetzt führen wir den Kampf gegen links", sagte die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts in Berlin. Am Donnerstagnachmittag fand sich statt der Webseite allerdings nur ein Platzhalter und ein Verweis des Providers auf die erst „vor Kurzem registrierte“ Domain unter der Webadresse.

Füttern will die AfD ihr Portal, das zunächst vom Berliner Landesverband finanziert wird, unter anderem mit Erkenntnissen aus offiziellen Statistiken, parlamentarischen Anfragen auf Bundes- und Länderebene, Pressemeldungen und „selbstrecherchierten Informationen“.

AfD will online „gegen links“ vorgehen - Partei-Kreisverbände sollen Zwischenfälle prüfen

Auch Bürger werden aufgerufen, „Zwischenfälle“ mit Linksextremisten zu melden. Diese würden aber nicht ungeprüft online gestellt, versicherten die AfD-Politiker. Vorher werde ihr Wahrheitsgehalt verifiziert, etwa mithilfe der AfD-Kreisverbände. Ein Redakteur betreue das Portal.

Von Storch räumte ein, der Verfassungsschutzbericht erfasse zwar bereits linksextreme Straftaten. Allerdings fehlten darin die "Geldflüsse", bei denen Steuergelder direkt oder indirekt in linke Projekte fließen würden. „Der linke Gesinnungsterror wird in Deutschland nicht nur geduldet, er wird subventioniert auf Kosten der Steuerzahler“, behauptete sie.

Die Partei kritisiert etwa die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzt und vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Ein Ex-Mitarbeiter der Stiftung wird verdächtigt, Anfang des Jahres das Auto eines AfD-Politiker angezündet zu haben.

AfD mit „Portal gegen links“: Stiftung warnt vor „neuem Instrument, um Hass zu schüren“

Die Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnete das neue Onlineportal als "neues Instrument, um Hass zu schüren". Sprecher Robert Lüdecke warnte davor, die dort veröffentlichten Zahlen und Vorfälle ungeprüft zu glauben. Es sei eine bekannte Strategie der AfD, "dass Fälle und Äußerungen aus dem Kontext gerissen werden", sagte Lüdecke der Nachrichtenagentur AFP. Es gehe offensichtlich darum, Engagement gegen Rechtsextremismus zu diffamieren.

Über den Zeitpunkt der Vorstellung des Portals sagte Lüdecke, die AfD stehe aktuell sehr unter Druck. Wegen des Mordes am CDU-Politiker Walter Lübcke werde öffentlich viel über Rechtsextremismus diskutiert. "Sie werden alles daran setzen, den Fokus der Debatte wieder zu verschieben", sagte Lüdecke über die AfD.

AfD-“Blick nach links“ - Erste Themen: Antifaschistisches Pressearchiv und Kühnerts Thesen

Bislang findet sich auf der Seite "Blick nach Links" zum Beispiel ein Artikel namens "Sozialistische Sümpfe in der Berliner Verwaltung" über das Antifaschistische Pressearchiv. Außerdem gibt es etwa einen Text über einen Angriff auf eine Polizeiwache in Leipzig sowie die "sozialistischen" Forderungen von Juso-Chef Kevin Kühnert.

Laut Verfassungsschutzbericht gingen 2018 in Deutschland 19.409 Straftaten auf das Konto von Rechtsextremisten, darunter 1088 Gewaltdelikte. Dem standen 4622 Taten mit linksextremistischem Hintergrund gegenüber, davon 1010 Gewalttaten.

Für heftige Debatten hatte diese Woche auch ein Auftritt des AfD-Politikers Uwe Junge im ARD-Talk „Hart aber fair“ gesorgt. Auch ein Wahlplakat der AfD aus Sachsen sorgte am Donnerstag für heftiges Stirnrunzeln.

DerAfD-Abgeordnete Franz Bergmüller könnte aus der AfD fliegen*, doch der Rosenheimer wehrt sich - und stellt jetzt erneut einen Mitgliedsantrag bei seiner Partei. Thomas Prinz ist frisch gewählter AfD-Stadtrat in Freital. Jetzt musste er sich vor Gericht verantworten, weil er sich als Polizist ausgab - und nicht nur das.

AFP/dpa/fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-digital-Redaktionsnetzwerkes.

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