Afghanistan: Bundeswehr übergibt Kommando

Kundus - Der Kampfeinsatz am Hindukusch geht dem Ende entgegen. Fast neun Jahre lang hat die Bundeswehr das Kommando im nordafghanischen Kundus geführt. Nun übernimmt mit dem Auswärtigen Amt eine zivile Leitung.

Zwei Jahre vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan übernimmt das Auswärtige Amt von der Bundeswehr die Führung des zivil-militärischen Wiederaufbauteams (PRT) in Kundus. Die Übergabe in dem nordafghanischen Feldlager werde am kommenden Donnerstag erfolgen, teilte das Auswärtige Amt am Freitag auf Anfrage mit.

Geplant ist, das letzte der einst zwei deutschen PRT bis Ende kommenden Jahres zu schließen. Im vergangenen Monat war das deutsche PRT im nordostafghanischen Feisabad geschlossen worden.

Die Schließung des PRT in Kundus bedeutet nicht zwingend die Aufgabe des dortigen Camps oder den Abzug aller deutschen Soldaten. In dem Feldlager sind auch Truppen stationiert, die nicht dem Befehl des PRT-Kommandeurs in Kundus, sondern dem des Regionalkommandos Nord der Internationalen Schutztruppe Isaf in Masar-i-Scharif unterliegen. Noch ist nicht entschieden, welche Standorte in Afghanistan von der geplanten Isaf-Nachfolgemission ab 2015 genutzt werden sollen.

Zur Übernahme der PRT-Leitung durch das Auswärtige Amt in Kundus erklärte Außenminister Guido Westerwelle auf dpa-Anfrage: „Die Umsetzung unserer Afghanistan-Strategie kommt gut und planmäßig voran. Wir setzen den Abzug unserer Kampftruppen aus Afghanistan bis Ende 2014 weiter konsequent fort.“ Derzeit sind nach Angaben der Bundeswehr noch 2070 Isaf-Soldaten in Kundus stationiert, davon 1137 Deutsche. Neben deutschen Truppen sind in Kundus unter anderem auch Amerikaner und Belgier eingesetzt.

Im vergangenen Juli hatte die Bundeswehr bereits die Verantwortung für die Sicherheit in der Unruheprovinz Kundus an die Afghanen übergeben. Seit Beginn des Bundeswehr-Einsatzes in Kundus Ende 2003 wurden in der Provinz 15 deutsche Soldaten bei Anschlägen und Angriffen getötet - mehr als in jeder anderen Region Afghanistans. Insgesamt kostete der Afghanistan-Einsatz 52 Soldaten der Bundeswehr das Leben, 34 davon starben bei Anschlägen und Angriffen.

Seit mehr als einem Jahr hat die Bundeswehr am Hindukusch allerdings keinen Gefallenen zu beklagen. Im nordafghanischen Einsatzgebiet der Truppe kommt es aber immer wieder zu Angriffen, bei denen auch Deutsche verletzt werden.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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