Aktivisten greifen staatliche Websites an

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Unrihen in Kairo nehmen an Heftigkeit zu.

Kairo - Zur Unterstützung der Protestbewegung in Ägypten und Jemen haben Unbekannte staatliche Internet-Angebote in beiden Ländern zeitweise lahmgelegt. Journalisten werden zu Freiwild in Kairo.

“Der Mut, den ihr in eurem Kampf für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit zeigt, ist eine Lektion für uns alle“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung der Bewegung “Anonymous“ an die “Schwestern und Brüder auf dem Tahrir-Platz“ in Kairo. “Die Welt steht hinter euch.“ Am Mittwoch richteten sich die Internet-Attacken gegen die Website des ägyptischen Innenministeriums, wie über Twitter verbreitete Aufrufe zeigen. Am Donnerstag war dann eine Website der jemenitischen Regierung nicht mehr zu erreichen.

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Bei den Attacken handelt es sich um Angriffe, die als “Distributed Denial of Service“ (DDoS) bezeichnet werden. Dabei wird ein Web-Server von zahllosen Internet-Nutzern gleichzeitig mit Unmengen von Daten geflutet und lahmgelegt. “Anonymous“ setzt dafür eine Software ein, die die Aktivisten zu einem Netz von Angreifern zusammenschließt. Diese Art von Angriffen hatte “Anonymous“ bereits Ende vergangenen Jahres gegen Unternehmen eingesetzt, die ihre Geschäftsbeziehungen zur Enthüllungsplattform Wikileaks abgebrochen hatten. 

In Kairos Straßen werden Journalisten Freiwild

Während auf dem Kairorer Tahrir-Platz die Anhänger der Demokratie gegen das Regime protestieren, kontrollieren Geheimdienst-Informanden und Polizeispitzel den Rest der Stadt. Aber auch Bürger, die mit Präsident Husni Mubarak sympathisieren, zeigen sich zunehmend im Straßenbild - und halten mit ihren Emotionen nicht hinter dem Berg. Schon seit Tagen macht die vom Regime gestreute Flüsterpropaganda die Runde, dass die ausländischen Medien mit ihrer Berichterstattung über den Aufstand der Regimegegner “Schuld“ an den Unruhen hätten. Außerdem würden sie das Bild Ägyptens in der Welt “schlecht machen“.

Vermehrt geraten ausländische Journalisten in Schwierigkeiten. Eine für die “New York Times“ und das ZDF arbeitende Journalistin kam erst nach 20 Stunden Haft in Kairo wieder auf freiem Fuß. Auch “Bürgerwehren“ halten Journalisten auf, vor allem wenn sie mit ihren Foto- und Fernsehkameras deutlich erkennbar sind, und übergeben sie der Zivilpolizei. So geschah dies am Donnerstag einem BBC-Reporter, der erst nach mehreren Stunden freikam.

Die Schlägertrupps des Regimes, die am Vortag die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz brutal angriffen, machen immer wieder gezielt Jagd auf Journalisten und Fernsehleute. Ein epa-Fotograf wurde am Kopf verletzt und von Soldaten gerettet. Zwei dpa-Reporter bekamen bereits am Mittwoch eine Ahnung davon, welche Aggression vom Regime gegen die Medien geschürt wird. Als sie durch ein Viertel unweit des Tahrir-Platzes gingen, fuhr ein heruntergekommener Toyota im Schritttempo an ihnen vorbei. Darin saßen vier wenig Vertrauen erweckende männliche Gestalten. “Was zum Teufel schreibt ihr noch?“, rief einer aus dem Fenster des Wagens. “Reicht es euch noch nicht?“

dpa

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