Alles rosig, Herr Minister?

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Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (66, FDP) kämpft vehement für einen eigenen Konzertsaal der BR-Symphoniker

München - Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) spricht im Interview über Konzertsaal, Bayreuth, Augsburgs marodes Stadttheater und mehr.

Auch bei kräftigem Gegenwind und Gewitter ist Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, wie das Foto im Hofgarten mit Blick auf die Theatinerkirche zeigt. Alles also rosig, Herr Minister?

Nach wie vor das Topthema der Münchner ­Kulturszene: Wann kommt der Konzertsaal für eines der besten Orchester der Welt, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – wenn er denn überhaupt kommt? ­Heubisch hatte neulich betont, Münchens ­Firmen und Großkopferte sollten ihren Obulus für den Bau entrichten. Was der Minister über Konzertsaal, Bayreuth und Augsburgs marodes Stadttheater sagt:

Mariss Jansons, Chefdirigent der BR-Symphoniker, findet den Standort Finanzgarten sehr gut. Das Kuratorium des Deutschen Museums, das den Verwaltungsrat bestimmt, lehnt den Standort Museumsinsel ab. Fliegt Ihnen die Variante Kongresssaal bald um die Ohren?

Wolfgang Heubisch: Wir warten die Machbarkeitsstudie ab, und dann sprechen wir über die Sache. Auch mit den Gegnern. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass der Verwaltungsrat des Deutschen Museums zugestimmt hat. Ich kann doch nicht schon im Vorfeld sagen: „Oh Gott, es gibt Gegenwind, also streich’ ich die Segel.“ Der Kongresssaal ist ein super Standort für den neuen Konzertsaal – gerade wenn ich mir die Museumsinsel mit ihrem Baumix und dem vernachlässigten Kongressgebäude anschaue.

Ein Fünftel der Bausumme soll von privater Seite kommen. Ist das nicht zu optimistisch gedacht?

Heubisch: Die Stadt München hat sechs Dax-Unternehmen und eine wohlhabende Bürgerschicht. Wenn für die Hamburger Elbphilharmonie 64 Millionen Euro von privater Seite kommen, dann werden wir doch gerade in München wohl auch noch eine stolze Summe zusammenbekommen.

Und wie bekommen Sie das Kuratorium auf Ihre Seite?

Heubisch: Indem ich, wenn ich die Machbarkeitsstudie habe, mit vernünftigen Argumenten diskutiere. Da wird momentan vieles emotional verklärt und teilweise völlig falsch dargestellt. Im Kongresssaal war doch noch nie eine Abteilung des Museums beheimatet. Das Deutsche Museum hat diesen Saal Anfang der 90er ja sogar verkauft, unter anderem war dort ein eher drittklassiges Kino. Gut, die 3-D-Filme waren toll, ich war mit meinen Kindern drin. Aber was den historischen Anspruch angeht, wundere ich mich schon, wenn jetzt so getan wird, als würde dem Museum mit einem Konzertsaal etwas geraubt. Es gibt Mitglieder im Kuratorium, die vor 20 Jahren schon dabei waren und eigentlich über all das Bescheid wissen müssten, gerade auch was die Zerstörung von denkmalgeschützten Inneneinrichtungen betrifft.

Kann man nicht auch Stimmen verlieren, wenn man zu viel für München tut?

Heubisch: Ich glaube nicht, dass wir zu viel tun. Man sollte schon beachten, was alles für die verschiedenen Landesteile unternommen wird. Nur ein Beispiel: Es gibt zehn nichtstaatliche Orchester, die wir massiv unterstützen. Die Bad Reichenhaller Philharmonie würde nicht mehr existieren, wenn wir nicht als Freistaat eingesprungen wären.

Sie haben Nürnberg zum Staatstheater gemacht, die Bamberger Symphoniker sind Staatsphilharmonie. Da fehlt ein Landesteil: Wird Augsburg auch Staatstheater?

Heubisch: Ich habe das als Idee formuliert. Das Modell in Nürnberg wurde mit der Stadt und unter ihrer Mitfinanzierung erarbeitet. Klar ist, wir können kein Staatstheater schaffen, ohne dass die Qualität stimmt. In Nürnberg stimmt das Umfeld. In Augsburg fehlt das, da ist es schwer für die Intendantin.

Der Unterschied: In Augsburg müssen die Spielstätten umgebaut werden, die Bausubstanz ist in desolatem Zustand. Da stimmen die Voraussetzungen für Qualität ja gar nicht.

Heubisch: Wir engagieren uns schon finanziell bei diesen Sanierungsmaßnahmen. Außerdem übernehmen wir die dortige Staats- und Stadtbibliothek. Das dortige Textil- und Industriemuseum, eine hervorragende Institution, ist ebenfalls eine Einrichtung des Freistaats. Auch im universitären Bereich passiert eine Menge.

Interview: Markus Thiel

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