Im Alter von 82 Jahren

Altbundespräsident Roman Herzog gestorben

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Altbundespräsident Roman Herzog ist tot

Berlin -  Seine „Ruck-Rede“ bleibt in Erinnerung. Unermüdlich forderte Roman Herzog die Bürger zu Reformen auf. Nun ist der Altbundespräsident im Alter von 82 Jahren gestorben.

Mahner, Antreiber und Mutmacher: Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Das bestätigte das Präsidialamt in Berlin. Die Spitzen des Staates und Politiker aus Regierung und Opposition würdigten ihn als unermüdlichen Werber für Reformen und als manchmal unbequemen Geist.

Herzog stand von 1994 bis 1999 an der Spitze der Bundesrepublik. Zuvor war der im bayerischen Landshut geborene Jurist und CDU-Politiker Präsident des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.

In seiner Amtszeit an der Spitze des Staates - es war vor allem die Ära des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) - hatte Herzog immer wieder vor Reformmüdigkeit gewarnt. Er machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“

Zum Tod von Roman Herzog: Bilder aus seinem Leben

Altbundespräsident Roman Herzog ist tot
Roman Herzog, der damalige Vorsitzende des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts, bei der Verlesung der Urteilsbegründung, aufgenommen am 11.11.1986 in Karlsruhe (Baden-Württemberg). © dpa
Roman Herzog
Papst Johannes Paul II. trifft am 23.06.1996 in Berlin den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog für ein Gespräch. © dpa
Altbundespräsident Roman Herzog ist tot
Zwei Funkenmariechen der Garde "Rot-Weiß-Alfter" küssen den mit einem Dreispitz kostümierten damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog am 19.02.1998 vor der Bonner Villa Hammerschmidt bei der traditionellen Weiberfastnachtsfeier für die Mitarbeiter des Präsidialamtes. © dpa
Roman Herzog
Bundespräsident Roman Herzog (l) schaut sich am 06.03.1999 gemeinsam mit dem mexikanischen Erziehungsminister Limon Rochas die präkolubianische Ruinenstätte Monte Alban oberhalb der Stadt Oaxaca an. © dpa
Roman Herzog
Alt-Bundespräsident Roman Herzog, aufgenommen am 10.03.2015 auf der Götzenburg in Jagsthausen (Baden-Württemberg). © dpa
Roman Herzog
Der frühere Bundespräsident Roman Herzog stellte am 05.09.2005 in Berlin sein neues Buch „Wie der Ruck gelingt“ vor. © dpa
Roman Herzog
Der damalige Bundespräsident Roman Herzog forderte in einer gestenreichen Rede am 05.11.1997 in Berlin grundlegende Bildungsreformen © dpa
Roman Herzog
Alt-Bundespräsident Roman Herzog, aufgenommen am 10.03.2015 auf der Götzenburg in Jagsthausen (Baden-Württemberg). © dpa
Roman Herzog
Lachend stehen Bundespräsident Roman Herzog (l) und sein Amtsvorgänger, Richard von Weizsäcker, am 21.05.1999 im Bundespräsidialamt in Berlin neben einer Karikatur, die beide Staatsmänner darstellt. © dpa
Roman Herzog
Alt-Bundespräsident Roman Herzog, aufgenommen am 10.03.2015 auf der Götzenburg in Jagsthausen (Baden-Württemberg). © dpa
Roman Herzog
Der damalige Bundespräsident Roman Herzog gestikuliert am 11.02.1999 auf der Weiberfastnacht im Berliner Schloß Bellevue. © dpa
Roman Herzog
Roman Herzog, ehemaliger Bundespräsident und ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, aufgenommen am 24.10.2014 im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (Baden-Württemberg) vor Beginn einer Feierstunde. © dpa
Roman Herzog
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) unterhält sich am 17.03.2012 in Siegen während des Festaktes zum 60-jährigen Bestehen des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK) mit Alt-Bundespräsident Roman Herzog. © dpa
Roman Herzog
Der damalige Bundespräsident Horst Köhler (l) und drei seiner Amtsvorgänger, Richard von Weizsäcker (2.v.l.), Walter Scheel (2.v.r.) und Roman Herzog (r) stehen am 22.04.2010 vor Beginn eines Abendessens aus Anlass des 90. Geburtstags von Alt-Bundespräsident von Weizsäcker im Schloss Bellevue in Berlin nebeneinander. © dpa
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Der damalige Bundespräsident Roman Herzog forderte in einer gestenreichen Rede am 05.11.1997 in Berlin grundlegende Bildungsreformen © dpa
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Der damalige Bundespräsident Roman Herzog spricht während der Feierstunde zum zentralen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.1999 im Bundestag in Bonn. © dpa
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Winkend stehen Bundespräsident Roman Herzog und und sein Nachfolger Johannes Rau (l) am 24.05.1999 vor dem Schloß Bellevue in Berlin. © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog besucht am 02.09.1997, dem zweiten Tag seines fünftägigen Russland-Aufenthaltes, den deutschen Soldatenfriedhof Lublino bei Moskau. © dpa
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Fröhlich winkt Bundespräsident Roman Herzog (l) mit einem deutschen und einem südkoeranischen Fähnchen zurück, als er am 15.09.1998 bei der offiziellen Begrüßung vor dem Amtssitz des südkoeranischen Präsidenten in Seoul von Fähnchen schwingenden Kindern empfangen wird © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog spricht am 16.11.1998 an der Ben Gurion-Universität in Beerschewa. © dpa
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Königin Elisabeth II.von Großbritannien (l) unterhält sich am 01.12.1998 während des Gruppenbildes vor dem Staatsbankett auf Windsor Castle mit Bundespräsident Roman Herzog. © dpa
Roman Herzog
Im Beisein des Direktors beim Deutschen Bundestag, Rudolf Kabel (2.v.l.), des Bundesratspräsidenten Klaus Wedemeier (r) und der Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth legt Bundespräsident Roman Herzog (l) am 01.07.1994 in Berlin den Amtseid ab. © dpa
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Der damals amtierende Bundespräsident Richard von Weizsäcker (r) verabschiedet am 30.06.1994 in Berlin seinen Amtsnachfolger Roman Herzog als Präsident des Bundesverfassungsgerichts. © dpa
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Spediteure tragen am 19.07.2011 in Karlsruhe im Bundesverfassungsgericht ein Ölgemälde des ehemaligen Senatspräsidenten Roman Herzog aus einem Raum. © dpa
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Nach seiner Vereidigung zum Bundespräsidenten am 01.07.1999 im Bonner Bundestag singen Johannes Rau und seine Frau Christina (vorn) zusammen mit Roman Herzog und seiner Frau Christiane die deutsche Nationalhymne, hinten links der CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble. © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog (l), die Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Hanna-Renate Laurien, und der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck (r), betrachten am 03.12.1995 im Gebäude des Preußischen Landtages aufgehängte Plakate aus der Wendezeit der DDR. © dpa
Roman Herzog
Bundespräsident Roman Herzog und seine Frau Christiane lehnen sich am 27.07.1998 an eine Felsmauer des Dachauer Schlosses. Herzog starb im Alter von 82 Jahren, bestätigte das Bundespräsidialamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Berlin. © dpa
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Alt-Bundespräsident Roman Herzog und seine Ehefrau Alexandra Freifrau von Berlichingen, aufgenommen am 10.03.2015 auf der Götzenburg in Jagsthausen (Baden-Württemberg). © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog (l) und UN-Generalsekretär Kofi Annan schreiten am 26.04.1999 im Park des Schlosses Bellevue in Berlin eine Ehrenformation der Bundeswehr ab. © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog spricht am 08.06.1998 in Düsseldorf bei der Eröffnung des 16. Bundeskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes. © dpa
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Lachend steht Bundespräsident Roman Herzog am 03.02.1998 im Ala-Artscha-Nationalpark vor der Präsidenten-Jurte seines kirgisischen Amtskollegen Askar Akajew. © dpa
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Mit einem großen Tablett voller holländischer Käsehappen begrüßen diese "Meisjes" Bundespräsident Roman Herzog am 20.01.1995 während eines Rundgangs über die Grüne Woche. © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog (r) schwenkt am 02.06.1997 vor dem Schloß Bellevue in Berlin die Europa-Fahne zum Ehrenstart für die Bike-Tour 1997. © dpa
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Bundespräsident Roman Herzog betrachtet in einer Ausstellung am Montag (8.9.97) in Berlin die Entwürfe der Architekten der Prince of Wales Sommerakademie. Die Städtebau-Experten hatten einen Masterplan für die Mitte der Hauptstadt erstellt, der die historische, politische und kulturelle Bedeutung verknüpfen soll. © dpa
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Der damalige Bundespräsident Roman Herzog unterhält sich auf dem undatierten Foto mit dem damaligen Bundesbeauftragten für Stasi-Akten, Joachim Gauck. © dpa
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Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog unterhält sich am 29.10.2014 im Schloss Bellevue in Berlin vor einem Abendessen zu seinen Ehren mit Gästen. Anlass war der 80. Geburtstag des Alt-Bundespräsidenten. © dpa
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Alt-Bundespräsident Roman Herzog sitzt am 05.11.2012 in Hamburg in einem Pressegespräch im Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). © dpa
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Gefolgt von Christiane Herzog (r) gehen Südafrikas Präsident Nelson Mandela (M) und Bundespräsident Roman Herzog am 10.03.1998 während der offiziellen Begrüßung im "Tuynhuys" in Kapstadt durch den Garten des Amtssitzes von Mandela. © dpa
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Alt-Bundespräsident Roman Herzog mit seiner Ehefrau Alexandra Freifrau von Berlichingen am 17. April 2016 in Bonn. © AFP
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Altbundespräsident Roman Herzog spricht in Leipzig auf dem 17. CDU-Parteitag (Archivfoto vom 01.12.2003) © dpa

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Amtsvorgänger als „freiheitsliebenden kritischen Geist und Mann der klaren Worte“. „Roman Herzog hat Reformbereitschaft angemahnt, als die Bundesrepublik dieser Mahnung in besonderer Weise bedurfte“, sagte Gauck. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte: „Seine unverwechselbare kluge Stimme und seine Fähigkeit, Probleme offen zu benennen und dabei Mut zu machen, wird mir und wird uns allen fehlen.“

Gauck wollte sich am Mittwoch im Schloss Bellevue in das Kondolenzbuch für Herzog eintragen. Er ordnete einen Staatsakt an, um von Herzog Abschied zu nehmen. Der Zeitpunkt stand noch nicht fest.

Der konservative Bayer Roman Herzog kämpfte als Minister, Verfassungsrichter und Bundespräsident gegen Verkrustungen der Gesellschaft. Lesen Sie hier die Stationen seines Lebens.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erinnerte daran, dass Herzog sich „mit deutlichen Worten für Integration und gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus eingesetzt“ habe. Die Parteichefs der Grünen, Simone Peter und Cem Özdemir, würdigten ihn als einen Bundespräsidenten, der „im positiven Sinne unbequem“ gewesen sei.

Die Vorsitzenden der Linkspartei, Katja Kipping und Bernd Riexinger würdigten, dass Herzog sich mit der Einführung des „Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar bleibende Verdienste erworben habe.

Bundesverfassungsgericht: „Amt mit großer innerer Souveränität ausgefüllt“

Das Bundesverfassungsgericht hob die Leistung Herzogs als Verfassungsrichter und Präsident des Gerichts hervor. Er habe „das nicht immer einfache Amt des Präsidenten“ in den teilweise turbulenten Zeiten des Zusammenbruchs der DDR und der Wiedervereinigung „mit großer innerer Souveränität herausragend“ ausgefüllt, teilte das Gericht in Karlsruhe mit.

Herzog starb in einem Krankenhaus in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg). Zuletzt lebte er auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn mit seiner zweiten Ehefrau, Alexandra Freifrau von Berlichingen. Seine erste Frau Christiane Herzog, die sich auch nach der Amtszeit ihres Mannes sozial engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

Chronologie: Die Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

Bundespräsidenten BRD
Theodor Heuss (1949-59) (r.) galt als Glücksfall für die junge Republik. Seiner Amtsführung war es zu verdanken, dass das Amt des Bundespräsidenten hohes Ansehen erlangte. Dem Liberalen gelang es, Vorurteile der Weltöffentlichkeit gegen die Deutschen abzubauen. 1959 wurde sogar erwogen, ihm durch eine Änderung des Grundgesetzes eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Heuss lehnte ab. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Heinrich Lübke (1959-69) legte einen Schwerpunkt auf die Entwicklungshilfe - er besuchte 35 Staaten. Für das höchste Amt im Staat hatte sich der CDU-Politiker nur widerstrebend zur Verfügung gestellt. Kritik wurde an seiner Tätigkeit während der NS-Zeit laut. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Gustav Heinemann (1969-74) war ein eher wortkarger Bundespräsident. Der Sozialdemokrat wurde mit den Stimmen der damals oppositionellen FDP in das höchste Staatsamt gewählt, ein Vorzeichen für die spätere sozial-liberale Koalition. Heinemann wirkte zuweilen sauertöpfisch, doch galt er als Vorbild für moralische Integrität. © dpa
Walter Scheel
Walter Scheel (1974-79) kam als zweiter Liberaler an die Staatsspitze. Das volkstümliche Staatsoberhaupt scheute sich nicht, "hoch auf dem gelben Wagen" zu sitzen und zu singen. Als Präsident setzte er sich für die Ostpolitik ein. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Karl Carstensen (1979-84) (2.v.l.)war ein Verfechter konservativer Werte wie Fleiß und Pflichtbewusstsein, Familie und Nationalstolz. Ungeachtet seines spröden hanseatischen Naturells bemühte sich der CDU-Politiker um engen Kontakt zur Bevölkerung. Während seiner Amtszeit legte er als "Spaziergänger der Nation" über 1500 Kilometer in Wanderschuhen zurück. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Richard von Weizsäcker (1984-1994) erwarb sich den Ruf als Gewissen Deutschlands. Unvergessen bleibt seine Rede zum 8. Mai 1985, dem Jahrestag des Kriegsendes, in der sich der CDU-Politiker bedingungslos zur historischen Schuld der Deutschen bekannte. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Roman Herzog (1994-1999), der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, warb bald nach seiner Amtsübernahme für Berlin als Regierungssitz. Seine Lebens- und Bürgernähe brachten dem Christdemokraten Anerkennung. Innenpolitisch bedeutsam war seine Berliner Rede im April 1997, in der er mahnte: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen." © dpa
Bundespräsidenten BRD
Johannes Rau (1999-2004), der langjährige SPD-NRW-Regierungschef mit dem Spitznamen "Bruder Johannes" galt als ausgleichender und versöhnender Charakter. Rasch machte er deutlich, dass er nicht nur Präsident aller Deutschen, sondern auch Ansprechpartner für alle Bürger ausländischer Herkunft in Deutschland sein wolle. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Horst Köhler (2004-2010), der zuvor Chef des Internationalen Währungsfonds war, hatte keinen leichten Start: Dem Finanzexperten hielten Kritiker vor, er sei politisch zu unbedarft. Doch durch Beharrlichkeit und Offenheit für die Sorgen der Bürger erwarb er sich rasch Respekt. Er trat völlig überraschend zurück, nachdem er wegen Äußerungen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in die Kritik geraten war. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Christian Wulff (2010-2012) war nicht nur der jüngste Bundespräsident, sondern auch der mit der kürzesten Amtszeit. Von der schwarz-gelben Koalition gegen den populären Joachim Gauck durchgesetzt, legte Wulff einen Schwerpunkt auf das Thema Integration. Der CDU-Politiker wurde aber nach rund 20 Monaten im Amt von Verfehlungen in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident eingeholt, angesichts staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen trat er zurück. Später wurde er freigesprochen. © dpa
Bundespräsidenten BRD
Joachim Gauck (2012-heute) wurde mit Unterstützung fast aller Parteien an die Staatsspitze gewählt. Der parteilose frühere DDR-Bürgerrechtler gilt als Glücksfall im Bundespräsidentenamt. Gaucks Themen waren Freiheit und Verantwortung: Er forderte von Deutschland mehr außenpolitischen Mut und von den Bürgern Engagement. In der Flüchtlingskrise brachte er seine Haltung auf den vielzitierten Nenner: "Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich." Eine zweite Amtszeit lehnte Gauck aus gesundheitlichen Gründen ab. © dpa

Der am 5. April 1934 geborene Sohn eines Archivars hatte zunächst eine juristische Karriere eingeschlagen und wurde bereits mit 31 Jahren Professor für Staatsrecht an der Freien Universität Berlin. 1970 trat er in die CDU ein. Seine politische Karriere in hohen Ämtern begann er als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg.

1983 wurde Herzog zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts berufen und vertrat dort eine eher liberale Linie. 1987 rückte er an die Spitze des obersten Gerichts. 1994 wurde er als Nachfolger von Richard von Weizsäcker zum 7. Bundespräsidenten gewählt.

Herzog setzte sich kritisch mit Bürgern und Politikern auseinander

Nach seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident saß er in verschiedenen Kommissionen, darunter der „Konvent für Deutschland“, ein Expertengremium, das sich mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigte.

Herzog setzte sich auch nach seiner Amtszeit immer wieder kritisch mit den Bürgern und Politikern auseinander. „Das Volk bewegt sich nicht“, sagte er im Frühjahr 2008 der „Bild“-Zeitung. Es gebe eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, „aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren“.

Mit dem Tod Herzogs hat die Bundesrepublik in relativ kurzer Zeit den dritten Altbundespräsidenten verloren: 2015 starb Richard von Weizsäcker, 2016 Walter Scheel.

dpa

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