Aufregung um "Wir schaffen das"

Flüchtlingspolitik: Immer wieder Gegenwind für Merkel

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"Ich finde, die Geste war in Ordnung", sagte Angela Merkel später. Screenshot NDR

Berlin - Merkel und der Gegenwind: Erst erntete sie einen Shitstorm wegen ihres Gesprächs mit dem Flüchtlingsmädchen Reem, jetzt herrscht Aufregung um ihren Satz "Wir schaffen das".

So schnell kann sich des Volkes Stimme ändern: Als Angela Merkel im Juli einem Flüchtlingsmädchen erklärte, dass Deutschland nun mal nicht alle Menschen aufnehmen könne, war die Empörung groß. Das sei zu hart gewesen. Inzwischen empören sich Teile des Volkes wieder: "Wir können doch nicht alle aufnehmen!", lautet der Tenor vieler.

Angela Merkel: Kurz nach dem Gespräch gab es schon Empörungstweets

Im Juli traf Angela Merkel in Rostock auf die 14-jährige Reem. Das palästinensische Mädchen aus einem Flüchtlingslager im Libanon erzählte, dass es gerne in Deutschland bleiben und später studieren würde. Und wie belastend es sei, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Angela Merkel stellte den politischen Hintergrund dar: Der Libanon gelte nicht als Bürgerkriegsland, insofern werden wohl auch Flüchtlinge von dort wieder zurückgehen müssen. Im Nahen Osten gebe es schließlich noch viel mehr Flüchtlinge - und Deutschland könne es nicht schaffen, alle Menschen aus dem Nahen Osten und aus Afrika aufzunehmen. Auch wenn die Lebensumstände in den betreffenden Ländern häufig schwierig seien, sagte sie und streichelte das weinende Mädchen.

Kaum war das Gespräch zwischen Angela Merkel und Reem vorbei, schwappten Empörungs-Tweets durchs Netz. Unter dem Hashtag #merkelstreichelt hagelte es Spott. Die Kanzlerin sei kaltherzig, hieß es in vielen Tweets. Davon ließ sich Angela Merkel jedoch nicht beirren. Sie könne den Menschen, die sie persönlich treffe, ja nicht sagen: "Weil du jetzt die Bundeskanzlerin getroffen hast, ist dein Schicksal schneller zu lösen als das von vielen, vielen anderen."

Inzwischen richtet sich die Empörung vieler wieder gegen Angela Merkel. Weil sie gesagt hat: "Wir schaffen das." Und die Menge ruft: "Nein, wir können nicht alle aufnehmen, wir schaffen das nicht." Dabei hat Angela Merkel das auch nicht behauptet. In der Unionsfraktion gibt es nun bereits Gedankenspiele, Kanzlerin Angela Merkel per Abstimmung auf eine andere Linie in der Grenzpolitik zu zwingen. Es gibt auch schon mögliche Szenarien um eine Nachfolge für Angela Merkel.

Angela Merkel: "Es kann nicht jeder bei uns bleiben"

Im Interview mit Anne Will sagte sie jüngst zu diesem Thema: "Ich bin sehr gescholten worden für mein Gespräch, das ich mit dem Mädchen in Rostock geführt habe und als ich ihr erklärt habe: Es kann nicht jeder bei uns bleiben und es werden die Schutz bekommen, die Schutz brauchen. Aber die, die aus anderen Gründen zu uns kommen, die müssen wir auch wieder nach Hause schicken. Das ist nicht ganz einfach, aber es muss so sein. Damit wir es schaffen können, dass die, die einen wirklichen Schutz brauchen, Schutz bekommen. Diesen Satz kann ich jetzt weiterführen und sagen: Natürlich muss diese Aufgabe so definiert werden - und dann schaffen wir das auch - dass wir das nicht alles alleine in Deutschland machen."

Für viele Twitterer mag Angela Merkel eine bemerkenswerte Kehrtwende hingelegt haben. Doch lässt sich Angela Merkel davon nicht aus der Ruhe bringen: "Was soll ich mich ärgern? Ich habe Probleme zu lösen."

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