Anklage fordert 80 Jahre Haft für Charles Taylor

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Die Anklage fordert 80 Jahre Haft für Charles Taylor

Den Haag  - Nach dem Schuldspruch gegen den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor hat die Anklage eine Haftstrafe von 80 Jahren gefordert.

Das Strafmaß spiegele die bedeutende Rolle des Ex-Diktators bei den Verbrechen im Bürgerkrieg in Sierra Leone wider, begründete Chefanklägerin Brenda Hollis ihre Forderung am Donnerstagabend. “Sollte sich das Gericht entscheiden, eine umfassende Strafe zu verhängen, wären 80 Jahre Haft angemessen“, erklärte sie nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP.

In der vergangenen Woche hatte das Sondertribunal der Vereinten Nationen in Leidschendam bei Den Haag den 64-Jährigen für mitschuldig an den Gräueltaten und Kriegsverbrechen im westafrikanischen Nachbarland Sierra Leone befunden. In dem Bürgerkrieg waren zwischen 1991 und 2002 mehr als 120 000 Menschen ums Leben gekommen. Taylor war der erste afrikanische Ex-Diktator, der vor einem internationalen Tribunal verurteilt wurde. Das Strafmaß soll am 30. Mai verkündet werden.

80 Jahre Haft seien “fair und angemessen“, zitierte der Sender CNN Hollis. Taylors kriminelles Verhalten habe dazu geführt, dass tausende Menschen getötet, vergewaltigt oder ihnen Gliedmaßen amputiert wurden.

Taylor war in insgesamt elf Punkten angeklagt, darunter Mord, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung und die Zwangsrekrutierung von Kindern als Soldaten. Er habe in Sierra Leone blutrünstige Rebellen umfangreich unterstützt und zu Verbrechen angestiftet, hatte der Vorsitzende Richter am Sierra-Leone-Tribunal, Richard Lussick erklärt. Im Gegenzug habe er sogenannte Blutdiamanten erhalten, hieß es. Allerdings konnte nicht bewiesen werden, dass Taylor in dem Konflikt ein Kommandeur war, der direkte Befehle gab. Taylor selbst hat stets jede Schuld von sich gewiesen.

In dem Prozess mit über 100 Zeugen, der am 4. Juni 2007 eröffnet worden war, sagten Prominente aus wie die US-Schauspielerin Mia Farrow, der frühere südafrikanischen Präsident Nelson Mandela und das britische Top-Model Naomi Campbell. Sie hatte einst nach einem Benefiz-Dinner in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen, die laut Anklage von Taylor stammten.

dpa

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