Bundestagswahl 2021

Annalena Baerbock will Merkel folgen: Wofür steht die Kanzlerkandidatin der Grünen?

Start des Wahlkampfes von Annalena Baerbock.
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Annalena Baerbock ist die Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen.

Sie will die Nachfolgerin von Angela Merkel werden: Annalena Baerbock. Doch wofür steht die Kanzlerkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl 2021?

Berlin – Seit dem 19. April steht es fest: Annalena Baerbock ist die erste Kanzlerkandidatin in der Parteigeschichte von Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundestagswahl 2021. Gemeinsam mit Robert Habeck steht sie seit Januar 2018 an der Spitze der Partei. Überzeugend, wie es scheint, denn beide Politiker wurden als geeignet für die Stelle des Kanzlerkandidaten angesehen. Letztlich hat die 40-Jährige das Rennen für sich entschieden.

Lange hatte es jedoch so ausgesehen, als falle die Kandidatenentscheidung zugunsten des Co-Vorsitzenden Robert Habeck aus. Nicht zuletzt besaß Habeck schon vor der Wahl der beiden Grünen-Chefs Anfang 2018 eine hohe Popularität. Baerbock hingegen war ein weitgehend unbeschriebenes Blatt - und nur Insidern ein Begriff. Als Pluspunkt erwies sich für die 40-Jährige, dass sie in der Partei gut vernetzt ist.

Baerbock gilt als durchsetzungsstark und überzeugt mit Detailwissen. Publizistin Liane Bednarz bezeichnete die Politikerin im Deutschlandfunk als „sehr kompetent“ und „dynamisch“ wirkend, „sie hat eine sehr unmittelbare Art das Publikum anzusprechen“.

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock: Keinerlei Regierungserfahrung - „Für den Status Quo stehen andere“

Bereits seit 2013 ist die Hannoveranerin als Abgeordnete im Bundestag. Zuvor, von 2009 bis 2013, war sie vier Jahre lang Parteivorsitzende des Grünen-Landesverbands in Brandenburg. In der Legislaturperiode 2017-2021 war die Politikerin stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, im Wirtschafts- und Energieausschuss, im beratenden Ausschuss für die Fragen des sorbischen Volkes beim Bundesministerium des Inneren sowie Mitglied der Landesgruppe Ost der Grünen. Bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen Ende 2017 machte sich Baerbock schließlich nicht nur in der Klima-, sondern auch der Europapolitik einen Namen.

Anders als etwa Armin Laschet oder Kandidaten anderer Parteien verfügt Annalena Baerbock über keinerlei Regierungserfahrungen. „Ja, ich war noch nie Ministerin, Kanzlerin“, räumte sie nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin ein, „ich bringe einen klaren Kompass und Lernfähigkeit mit.“

Ich trete an für Erneuerung, für den Status Quo stehen andere.“

Annalena Baerbock (die Grünen) auf die Kritik, sie besitze keine Regierungserfahrung.

Unter den drei Kanzlerkandidaten will sie für Aufbruch stehen. Hinsichtlich der Bundestagswahl scheint die Mutter von zwei Kindern besonders junge Wähler begeistern zu können.

Annalena Baerbock: Versäumte Meldung von Nebeneinkünfte, Plagiatsvorwürfe, Ungereimtheiten im Lebenslauf

Nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur schnellten die Grünen-Werte in die Höhe - und die Union konnte in Umfragen auf Platz zwei verwiesen werden. Doch die Euphorie ließ spürbar nach. Dazu trug wohl auch bei, dass Baerbock ein „blödes Versäumnis“ einräumen musste: Sie hatte Nebeneinkünfte zu spät an die Bundestagsverwaltung gemeldet - ein gefundenes Fressen für die politischen Gegner. Hinzu kamen Ungereimtheiten in ihrem Lebenslauf, und Ende Juni Plagiatsvorwürfe.

Annalena Baerbock: Studierte Völkerrechtlerin, ehemalige Leistungssportlerin und Mutter von zwei Töchtern

Geboren am 15. Dezember 1980 in Hannover, studiert in Hamburg und London. Mit ihren zwei Töchtern und ihrem Ehemann zog es die 40-Jährige schließlich nach Potsdam, wo sie sich um ihr Direktmandat bewarb. Ihr größer Konkurrent im Wahlkreis war kein Unbekannter, sondern ausgerechnet Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Als Jugendliche interessierte sie sich für den Leistungssport - genauer: das Trampolinspringen. Dreimal konnte sich Annalena Baerbock bei den Deutschen Meisterschaften eine Bronzemedaille sichern. In dem Jahr, „in dem ich so richtig gut war und sogar Deutsche Meisterin hätte werden können, brach ich mir den Fuß“, blickte sie gegenüber rheinlandpfalz.de zurück.

Nach dem Abitur studierte Baerbock Öffentliches Recht und Politikwissenschaften in Hamburg. Zwischenzeitlich arbeitete sie als Freie Mitarbeiterin bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, bevor sie 2005 ihr Masterstudium in Völkerrecht an der London School of Economics abschloss. Die Jahre 2005 bis 2008 verbrachte Baerbock in Brüssel als Büroleiterin von der Grünen-Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter. Von 2008 bis 2009 war die Kanzlerkandidatin der Grünen als Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Bundestagsfraktion ihrer Partei tätig.

2021 ist Baerbock nun das Wahlkampf-Gesicht der Grünen - und die einzig weibliche Spitzenkandidaten, die Angela Merkels Nachfolge als Bundeskanzlerin antreten könnte. Überraschende Unterstützung könnte für die Grüne-Kanzlerkandidatin am 26. September aus der bayerischen Landeshauptstadt München kommen. Falls Sie noch unentschlossen sind, können Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021 nutzen. (mbr/dpa/afp)

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