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Anne Will: Emotionaler Klima-Appell von TV-Moderator polarisiert - Zustimmung und Zorn im Netz

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Harald Lesch meldete sich am Sonntag bei „Anne Will“ mit einem emotionalen Appell zur Klimapolitik zu Wort - seine Worte polarisieren.

Physiker und TV-Moderator Harald Lesch hat am Sonntag bei „Anne Will“ seinem Ärger über die Klimapolitik Luft gemacht. Seine Worte polarisieren offenbar.

Update vom 1. April, 21.30 Uhr: Den wohl nachhaltigsten Treffer bei „Anne Will“ am Sonntagabend hat nicht etwa CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff (siehe unten) gelandet - sondern Physiker und TV-Moderator Harald Lesch. Seine deutliche Schelte an die Adresse von Wolfgang Kubicki (FDP) fand am Montag großen Widerhall in den sozialen Netzwerken. Sowohl Kritik, als auch Ablehnung war dort zu vernehmen.

Die Schulpflicht, für die Kubicki mit Blick auf die „Fridays For Future“-Demonstrationen eine Lanze gebrochen hatte, sei „im Vergleich zu der Bedrohung der Klimakatastrophe unerheblich, nachgerade“, sagte Lesch im sonntäglichen Polit-Talk der ARD. „Wenn wir in Europa zwei, drei Stürme von der Sorte Irma oder Harvey gehabt haben, redet man in Deutschland überhaupt nicht mehr von Schulpflicht, weil keine Schulen mehr da sind“, redete sich Lesch in Rage.

„Die Wissenschaft hat die Aufgabe, der Gesellschaft mitzuteilen, welche Risiken es gibt. Wir machen seit 40 Jahren nichts anderes, als ständig immer und immer und immer wieder zu sagen, das Risiko ist da, es wird schlimmer, es wird schlimmer, es wird noch schlimmer - und die Politik reagiert mit... ich würde fast sagen, ‚Busines as usual‘-Argumenten“, ärgerte sich Lesch. „Die Bundesrepublik wird am 23. Mai 70. Und unsere jungen Leute müssen auf die Straße gehen, um für ihre Zukunft zu demonstrieren - in welchem Zustand ist das Land eigentlich?“, fragte er - und erntete Applaus vom Studio-Publikum. Lesch hat sich auch in einem ZDF-Beitrag mit der Frage beschäftigt, wie sauber Elektroautos sind und mi Tesla und Co. abgerechnet.

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Auf Twitter und Facebook wurde der Ausschnitt mehrfach geteilt - ein einzelner Tweet mit dem Clip erhielt mehr als 1.000 Likes. Auch der Publizist Nils Minkmar griff die Passage auf, äußerte sich aber kritisch. „Was Lesch da sagt, ist schon großer Unsinn“, urteilte er. „Ich habe seit den 80ern schon xMal den Weltuntergang prophezeit bekommen. Ich bin für entschlossene Klimapolitik, aber gg solche Untergangspropheten“, erklärte er - und erhielt ebenfalls mehrere hundert Likes. Klar scheint also: Klimapolitik polarisiert weiterhin.

Anne Will: CDU-Politiker attackiert Grünen-Wähler - und erntet erstauntes Gelächter

Reiner Haseloff attackierte bei Anne Will die Wähler von Robert Habecks Grünen.

Update vom 31. März, 22.45 Uhr: Ohne größeren Eklat, aber mit einigen nachdenklichen Tönen ist am Sonntagabend die „Anne Will“-Ausgabe rund um Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre „Fridays For Future“-Bewegung über die Bühne gegangen. Thunberg trat in einem vorab aufgezeichneten Interview mit Moderatorin Anne Will auf - den größten Aufreger lieferte unterdessen ausgerechnet Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Studio.

Haseloff brach zunächst eine Lanze für den Klimaschutz: In seinem Beruf als Physiker habe er selbst Umweltbelastungen gemessen - in ostdeutschen Gegenden, etwa um die Industriereviere Leuna und Buna herrschten heute „paradiesische Verhältnisse“ verglichen mit dem Zustand vor „30 oder 40 Jahren“, erklärte der CDU-Politiker. Das reiche aber nicht, um die Lage global zu retten. Er versprach, Deutschland werde seine Klimaziele einhalten - es müssten aber auch andere Länder mithelfen.

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Jetzt alle Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen, vernichte volkswirtschaftliche Werte, mit denen man viele Kraftwerke in anderen Ländern sanieren könne, betonte Haseloff - der selbst Mitglied in der Kohlekommission ist. Im Prinzip müsse man anderenorts nur Sachsen-Anhalt nacheifern, sagt er. Und schob so zumindest die persönliche Verantwortung weiter.

Video: Greta Thunberg demonstriert mit Tausenden für besseren Klimaschutz in Berlin

Reiner Haseloff (CDU) stichelt gegen Grüne-Wähler: „Wenn die den gleichen CO2-Ausstoß wie CDU-Wähler hätten...“

Dann holte Haseloff zum Schlag gegen die Wähler der Grünen aus: „Wenn alle Grünen-Wähler denselben CO2-Ausstoß hätten, wie die CDU-Wähler, dann würden wir das Klimaziel 2020 erreichen“, behauptete er. Das Klimaverhalten der verschiedenen Parteianhänger sei „sehr, sehr gut durchgemessen“, sagte Haseloff auf erstaunte Nachfrage Wills - die CDU-Wähler verhielten sich am „defensivsten“. „Das glaube ich jetzt nicht“, wunderte sich FDP-Vize Kubicki.

Auch die Medien nahm Haseloff unter Beschuss: „In welcher Medienwelt leben wir eigentlich, dass ein Rechtsbruch in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nötig ist“, damit über die Klimaproblematik berichtet werde, sagte er mit Blick auf den Schülerstreik „Fridays For Future“.

Greta Thunberg bei „Anne Will“: „Ich schreibe niemandem etwas vor“

Greta Thunberg wiederum widersprach im eingespielten Interview Vorwürfen, sie wolle anderen Menschen einen nachhaltigen Lebensstil aufzuzwingen. „Ich schreibe niemandem vor, einen solchen Lebensstil zu führen. Alles, was ich versuche ist, Aufmerksamkeit zu erregen“, sagte sie - die Entscheidung über sein eigenes Verhalten müsse letztlich jeder Mensch selbst fällen.

„Es ist einfach wirklich lächerlich, dass Menschen so wenig voneinander halten, dass sie sich gegenseitig niedermachen“, sagte Thunberg mit Blick auf Behauptungen, sie fungiere lediglich als Marionette für Interessengruppen. Dass sie ihre großen Ziele für das Klima selbst erreichen werde, glaube sie nicht: „Ich weiß, dass nicht ich das erreichen werde. Eine Person kann das nicht erreichen – wir brauchen Kooperation.“

„Anne Will“: TV-Moderator Harald Lesch bricht eine Lanze für das „Nichtstun“

Kubicki trat den Forderungen der „Fridays For Future“ nach einem sofortigen Kohle-Ausstieg entgegen. „In einem Rechtsstaat“ könne man nicht sofort als Kraftwerke abschalten. 

Einen unorthoxen Vorschlag hatte TV-Moderator und Wissenschaftler Harald Lesch parat: Ein „Energie-Sabbat“, eine Phase in der etwa alle Autos stillstünden, könne von Nutzen sein: „Nichtstun kann Unheil verhindern“, erwiderte Lesch trocken auf Wills Nachfrage, ob es gut für das Klima sei, auf dem Sofa zu liegen. Die jungen Klimaaktivisten bedachte er mit Lob: „Die jungen Leute, sind die einzigen, die die Wissenschaft wirklich ernstnehmen“, erklärte er - möglicherweise auch ein Seitenhieb auf FDP-Chef Christian Lindner, der gefordert hatte, „Profis“ sollten sich anstelle von Schülern mit der Thematik befassen.

Vorschau - Anne Will (ARD): Greta Thunberg soll über „Generation Greta“ sprechen - Gibt Kubicki Kontra?

Anne Will beschäftigt sich am Sonntagabend in ihrem Talk mit Klimapolitik - und hat Greta Thunberg zu Gast.

Meldung vom 31. März 2019: Erst am Freitag war die junge Klima-Ikone Greta Thunberg zu Gast bei der Schüler-Demo „Fridays For Future“ in Berlin - nun kommt die 16-Jährige auf das wohl größte Polit-Podium im deutschen TV: Am Sonntagabend wird Thunberg in der ARD-Talkrunde „Anne Will“ sitzen.

„Streiken statt Pauken - ändert die Generation Greta die Politik?“ lautet das Motto der Sendung. Unter anderem über die Frage, ob das Engagement der Jugendlichen „glaubwürdig“ sei, werde „Anne Will mit Greta Thunberg sprechen“, heißt es in der sendereigenen Vorschau. Durchaus bemerkenswerter Weise - denn wann steht schon eine bereits vorab zur generationsdefinierenden Figur erklärte Person selbst Rede und Antwort im Fernsehen?

Anne Will: Prominenter Klima-Schützer Lesch dabei - Soll Kubicki den Gegenpol geben?

Klar ist beim Blick auf die Gästeliste auch: Nicht nur um die Grenzen des Einflusses von Schülerdemos wird es gehen. Sondern auch um den Klimawandel an sich. Mit dabei sind etwa auch der Physiker und TV-Moderator Harald Lesch, der hierzulande zu den prominentesten Mahnern vor der globalen Erwärmung zählt und Grünen-Chef Robert Habeck. Lesch hatte unlängst in einem Interview mit dem Münchner Merkur* die „Fridays For Future“-Bewegung unterstützt.

Auf eine Einladung an erklärte Klima-Skeptiker haben die Macher allerdings verzichtet. Am ehesten in diese Kategorie fällt in der Runde noch Wolfgang Kubicki. Der FDP-Vize hatte sich in der Debatte um Luftgrenzwerte äußerst kritisch geäußert: Bei den Stickstoffdioxidgrenzwerten sei „viel Glaube im Spiel“ gewesen, schrieb er im Februar in einem Gastbeitrag für Focus Online und von einer „beispiellosen Hysterie“ rund um die Grenzwertsetzungen.

„Anne Will“ am Sonntag: Auch Haseloff und Habeck könnten Zündstoff in die Runde bringen

Weitere Gäste bei „Anne Will“ sind Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff - unter anderem Mitglied der Kohlekommission - und die deutsche Klimaaktivistin Therese Kah. Haseloffs Präsenz könnte für weiteren Zündstoff sorgen: Als Regierungschef eines kohlefördernden Bundeslandes dürfte er sich in der Pflicht sehen, Widerspruch zumindest gegen einen allzu schnellen Ausstieg aus der Kohle zu leisten.

Spannend könnte der Abend aber durchaus auch für Habeck werden: Die deutschen Klima-Aktivisten von „Fridays For Future“ hatten zuletzt auch Kritik an den Grünen geübt - und Nachbesserungen von der Partei gefordert

Klar ist aber allen Beteiligten wohl zugleich, dass allzu harte Opposition gegen die Arbeit der jungen Aktivisten nicht ohne Risiko ist. Denn sie beobachten die Reaktionen der Politik mit Argusaugen. FDP-Chef Christian Lindner hatte just nach einem Auftritt bei „Anne Will“ einen Shitstorm kassiert, weil er seine Forderung, Klimapolitik „Profis“ zu überlassen, in der Sendung zwar relativierte, aber nicht zurücknahm.

Die neueste Ausgabe von „Anne Will“ beginnt am Sonntag um 21.45 Uhr im Ersten. Um den Klimawandel kümmert sich Anfang Mai auch Wills Kollegin Maybrit Illner in ihrem gleichnamigen ZDF-Talk. Eine weitere Ausgabe von „Anne Will“ zu einer möglichen „grüneren“ Politik der GroKo fiel am 2. Juni den aktuellen Geschehnissen zum Opfer: Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles änderte die Redaktion kurzfristig das Thema - und lud einen CDU-Politiker aus.

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fn

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