Arizona-Attentäter "psychisch instabil"

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Jared L. hat den Anschlag in Arizona bereits gestanden.

Tucson - Über den Mann, der am Samstag im US-Bundesstaat Arizona eine US-Kongressabgeordnete schwer verletzt und sechs Menschen getötet hat, wurden weitere Einzelheiten bekannt.

So beschrieben die Behörden den mutmaßlichen Täter Jared L. als eine Person mit einer schwierigen Vergangenheit. L. selbst veröffentlichte offenbar vor der Tat noch einen Abschiedsgruß im Internet. Auf einer MySpace-Seite von L., die am Samstag von den Ermittlern untersucht wurde, heißt es: “Auf Wiedersehen, meine Freunde“. Die Seite wurde am Samstag entfernt, kurz nachdem der Bewaffnete von den US-Behörden identifiziert wurde. “Bitte seid mir nicht böse“, schrieb er demnach wenige Stunden vor der Schießerei weiter.

Vor einigen Wochen wurde zudem ein Video auf YouTube veröffentlicht, in dem L. die Erfindung einer neuen amerikanischen Währung beschreibt. Außerdem kritisiert er die hohe Analphabetenrate im Kongressbezirk der Abgeordneten Gabrielle Giffords. Fast alle, die keine genauen Informationen über eine neue Währung hätten, “sind sich nicht über die Methoden von Gedankenkontrolle und Gehirnwäsche im Klaren“, heißt es in dem mysteriösen Text vor dunklem Hintergrund weiter.

Aus L.s MySpace-Profil ging nicht hervor, ob er eine Arbeit hat. Zwar beschreibt er sich selbst auf einem YouTube-Video vom 15. Dezember als Rekrut der US-Streitkräfte. Diese gaben allerdings in einer Stellungnahme bekannt, dass L. nicht akzeptiert worden sei.

Scheriff Clarence Dupnik beschrieb den Verdächtigen Jared L. als “psychisch instabil“. Man gehe davon aus, dass Jared L. mit einer weiteren Person zu dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum gekommen sei und dass diese Person in irgendeiner Weise in die Tat verwickelt sei, sagte Dupnik auf einer Pressekonferenz.

Suche nach dem Komplizen

Der mutmaßliche Helfer des Schützen wird mit diesem Fahndungsfoto gesucht.

Das Büro des Sheriffs von Pima County veröffentlichte am Nachmittag das Fahndungsfoto des mutmaßlichen Helfers. Es handelt sich um einen Weißen zwischen 40 und 45 Jahren, er trägt schwarzes Haar. Die Polizei sucht den Mann, um ihn zu befragen.

Unter den Toten befanden sich nach Behördenangaben ein neunjähriges Mädchen, der wichtigste Bundesrichter des Staates Arizona sowie ein Mitarbeiter der Politikerin, der das Attentat offenbar gegolten hatte. Insgesamt wurden 13 Menschen bei der Schießerei verletzt. Zehn seien noch in Behandlung, sagte eine Krankenhaus-Sprecherin am Sonntag, fünf von ihnen befänden sich in einem “kritischen Zustand“.

Ein Augenzeuge beschrieb die Szene während der Schießerei als ein “komplettes Chaos“. Der bewaffnete Täter habe das Feuer auf Giffords und ihren Bezirksdirektor eröffnet. Dann habe er damit angefangen, wahllos auf Mitarbeiter der Demokratin und Menschen zu schießen, die sich angestellt hätten, um mit der Kongressabgeordneten zu sprechen.

Bilder vom Tatort

Mindestens fünf Tote bei Anschlag in Arizona

Gifford selbst sei zwei Stunden operiert worden, sagte die Sprecherin des University Medical Center in Tucson, Darcy Slaten. “Ich hoffe, sie wird überleben, aber das ist eine sehr verheerende Wunde“, sagte der Arzt Richard Carmona. Der Arzt Peter Rhee von der Universitätsklinik in der Stadt Tucson habe sich “sehr optimistisch“ bezüglich der Überlebenschancen der Demokratin geäußert, so der Fernsehsender CNN.

Giffords, die mit dem NASA-Astronauten Mark Kelly verheiratet ist, wurde im November für den Kongress wiedergewählt. Sie setzte sich dabei knapp gegen einen Bewerber der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung durch. Zuvor hatte die Demokratin Mandate in Arizona inne. Sie ist als mögliche Bewerberin für einen Senatssitz im Gespräch, außerdem für das Amt des Gouverneurs von Arizona, der im Jahr 2014 neu gewählt wird.

Flaggen am US-Kongressgebäude auf Halbmast

Der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, verfügte in der Zwischenzeit, die Flaggen am Kapitol in Washington auf Halbmast zu hängen - als Ehrung für einen Mitarbeiter der Abgeordneten Gabrielle Giffords, der bei dem Attentat ums Leben gekommen war. Boehner verurteilte die Tat eines anscheinend verwirrten 22-jährigen Mannes am Sonntag auf das Schärfste: “Eine Attacke auf einen einzelnen, der (der Nation) dient, ist eine Attacke auf alle“.

US-Präsident Barack Obama nannte die Tat “eine Tragödie für Arizona und eine Tragödie für unser gesamtes Land“. Auch der republikanische Arizona-Senator John McCain und die Gouverneurin des Staates, Janice Brewer, zeigten sich schockiert.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat mit Entsetzen auf den Mordanschlag auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords reagiert. “Ich bin bestürzt über diesen entsetzlichen Angriff und den Tod unschuldiger Menschen“, erklärte Westerwelle nach Angaben einer Außenamtssprecherin am Rande seines Pakistan-Besuchs. “Mit ihren Freunden und Angehörigen empfinde ich tiefes Mitgefühl. Ich hoffe, dass die Verletzten und die Abgeordnete bald genesen.“

Fidel Castro hat den Anschlag auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords als “grässliche“ Tat verurteilt. In einem Meinungsartikel für eine staatlich kontrollierte Zeitung schrieb der kubanische Ex-Präsident am Sonntag, das selbst Menschen wie er, die häufig mit den Vereinigten Staaten nicht einer Meinung seien, einen Gewaltakt wie den am Samstag in Tucson niemals guthießen: “Selbst diejenigen unter uns, die nicht jede Politik und Philosophie (der Regierung Obama) teilen, hoffen aufrichtig, dass keine Kinder, Richter, Abgeordnete oder Bürger der Vereinigten Staaten auf solch absurde und unverantwortliche Weise sterben.“

Sheriff kritisiert "hasserfüllte Rhetorik"

Sheriff Dupnik kritisierte im Zusammenhang mit den Ermittlungen jedoch ausdrücklich die “hasserfüllte Rhetorik“ zwischen den politischen Gegnern. “Der Ärger, der Hass und die Bigotterie“, würden insbesondere in Arizona abscheuliche Ausmaße annehmen, sagte Dupnik.

Erst im März vergangenen Jahres war in Tucson das Büro von Giffords verwüstet worden - wenige Stunden, nachdem das Repräsentantenhaus für die Gesundheitsreform gestimmt hatte. Die Republikanerin Sarah Palin hatte vor den Kongresswahlen im vergangenen November Giffords Mandat als eines der wichtigsten “Ziele“ bezeichnet und deren Bezirk auf ihrer Internetseite in einem Fadenkreuz dargestellt. “Wenn Menschen das tun, müssen sie begreifen, dass es für diese Handlung Konsequenzen gibt“, hatte Giffords dazu in einem Interview des US-Senders MSNBC gesagt.

Verdächtiges Päckchen ungefährlich

Das verdächtige Päckchen, das die Behörden am Samstag im Büro der angeschossenen Politikerin nach dem Anschlag gefunden hatten, habe sich als ungefährlich erwiesen, teilte ein Sprecher der Polizei später mit.

dpa/dapd

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