Atomausstieg: Was kostet ein Meiler-Rückbau?

Berlin - Die Demontage eines Atomkraftwerks dauert Jahre. Für die Atomindustrie ist der jetzt anstehende Rückbau von acht Kernkraftwerken eine riesige Herausforderung. Was es kostet:

Das Problem: Spezialfirmen wie die Energiewerke Nord (EWN) aus Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) sind mit bereits laufenden Arbeiten ausgelastet.

Die Rückstellungen der Atomkonzerne unter anderem für den Rückbau ihrer AKW betrugen Ende 2010 knapp 28,7 Milliarden Euro. Die Betreiber sind laut Gesetz verpflichtet, entsprechende Summen zurückzulegen. 500 Millionen Euro sind allein für das 2005 vom Netz genommene Kraftwerk Obrigheim (Baden-Württemberg) vorgesehen, die gleiche Summe sollen auch die Arbeiten im niedersächsischen AKW Stade kosten. Der Meiler war seit 1972 in Betrieb und produzierte bis zur Schließung 2003 rund 140 Millionen Kilowattstunden Strom.

Der 2004 begonnene Rückbau des einzigen rheinland-pfälzischen Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich soll rund 750 Millionen Euro kosten - ein Abschluss ist nicht absehbar. Bislang sind aus dem RWE-Meiler kilometerlange Kabelstränge, Pumpen, Behälter, Armaturen, Rohrleitungen und große Mengen Isoliermaterial entfernt worden. Im Laufe dieses Jahres soll das Maschinenhaus geleert werden. 2012 und 2013 sollen die Demontage der Technik am Reaktordruckbehälter und der Rückbau des Kühlturms erfolgen. Erst wenn für mittel- und schwach radioaktive Abfälle das Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter spätestens 2019 zur Verfügung steht, können laut Betreiber die Restarbeiten gemacht werden. Denn vor dem Abriss müssen Reaktordruckbehälter, Betonummantelung und rund 3000 Tonnen radioaktiver Abfall, der noch anfällt, entsorgt werden. Die letzten Brennelemente waren bereits 2002 abtransportiert worden.

Ein weiteres Problem beim Rückbau: Es gibt bisher kein Endlager für hoch radioaktive Abfälle. Diese müssen daher vorerst weiter in Zwischenlagern gelagert werden. Bis ein Kernkraftwerk vollständig stillgelegt ist, können viele Jahre vergehen. Das Kernkraftwerk Würgassen (Nordrhein-Westfalen) wurde beispielsweise 1997 stillgelegt, die Arbeiten sollen nach Angaben eines Sprechers des Betreibers Eon Kernkraft noch bis 2014 dauern. In Stade sollen 2015 die letzten Gebäude abgerissen werden. In Obrigheim sind zehn Jahre vorgesehen. In dieser Zeit müssen rund 275 000 Tonnen Material abgebaut werden, darunter 2300 Tonnen radioaktiver Abfall.

Die Demontage begann mit den nicht-nuklearen Teilen des Meilers, zum Beispiel mit dem Maschinenhaus und dem Überwachungsbereich. In einem zweiten Schritt stehen die leicht kontaminierten Anlagenteile des Kontrollbereichs auf dem Programm. Von dort an geht es unter anderem mit Hilfe einer Fernbedienung oder auch mit Arbeiten unter Wasser an Teile wie das Druckgefäß, das dem Neutronenbeschuss direkt ausgesetzt war. Im vierten Abschnitt kommen die Hilfseinrichtungen wie Kräne, Lüftungen sowie Anlagen zur Wasseraufarbeitung und zur Reinigung dran.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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