Plagiate: Koch-Mehrin verliert Doktortitel

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Silvana Koch-Mehrin

Heidelberg - Nach Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) muss auch Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin ihren Doktortitel abgeben. Die FDP-Politikerin will rechtliche Schritte gegen die Entscheidung prüfen.

Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin prüft rechtliche Schritte gegen die Aberkennung ihrer Doktorarbeit. Die Entscheidung der Universität komme überraschend, weil sie bisher keine Akteneinsicht hatte, erklärte sie am Mittwoch. “Ich werde prüfen, ob sie rechtswidrig ist.“ Die Hochschule hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Koch-Mehrin ihren Doktorhut zurückgeben müsse, weil sie abgeschrieben habe. Die Politikerin verwies darauf, dass die Mängel ihrer Doktorarbeit schon ihren Gutachtern bekannt gewesen seien. Sie hätten die Ungenauigkeiten, Oberflächlichkeiten und das Fehlen von Belegen gerügt. Aber: “Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen.“

Angesichts der massiven Kritik der Gutachter hätten bei dem Ausschuss bereits damals alle Alarmglocken läuten müssen. Trotzdem habe er sie mit einem “cum laude“ bewertet, was etwa der Note 3 in der Schule entspricht. Dies sei auch zurecht erfolgt. “Die wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Arbeit sind bis heute unstrittig und beruhen auf meiner eigenen wissenschaftlichen Leistung.“

Die Universität Heidelberg hatte nach mehrwöchiger Prüfung der Doktorarbeit und einer Anhörung der Autorin festgestellt, dass Teile ihrer Arbeit abgeschrieben sind. Auf rund 80 Textseiten der Dissertation fänden sich mehr als 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren sind, teilte die Universität am Mittwoch mit. Damit entspreche die Arbeit nicht den wissenschaftliche Anforderungen, und der Doktorgrad werde entzogen. “Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat“, sagte Dekan Manfred Berg.

Die Quantität und Qualität der nachweisbaren Plagiate lege zwingend die Schlussfolgerung nahe, dass diese Dissertation keine “selbstständige wissenschaftliche Arbeit“ im Sinne der Promotionsordnung der Fakultät und des Landeshochschulgesetzes Baden-Württemberg darstelle. In zu Guttenbergs Doktorarbeit waren im Februar Plagiate entdeckt worden. Wenig später erkannte ihm die Uni Bayreuth den Doktortitel ab. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, dass der CSU-Politiker vorsätzlich getäuscht habe.

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dpa/dapd

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