Demonstationen in den USA

Schwarzer Student bei Protesten schwer verletzt – Polizei schießt auf Helfer

Bei den Protesten in Austin, Texas schoss die Polizei mit einem „weniger tödlichen“ Geschoss auf Demonstrierende.
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Bei den Protesten in Austin, Texas schoss die Polizei mit einem „weniger tödlichen“ Geschoss auf Demonstrierende.

Bei Protesten gegen Polizeigewalt in den USA wird ein junger Schwarzer in der texanischen Stadt Austin von der Polizei schwer verletzt. Auch Helfer werden beschossen.

Austin - In allen 50 Staaten der USA dauern die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd weiter an. Dabei geht die Polizei in vielen Fällen brutal mit den Demonstrierenden um. So auch in der texanischen Stadt Austin, wo ein schwarzer Student namens Justin Howell durch Polizeigeschosse einen gebrochenen Schädel und Hirnschäden erlitt. 

Die Geschosse, mit denen Howell getroffen wurden, bezeichnet die Polizei als „less-lethal munition“, also „weniger tödliche Munition“ und bezieht sich zum Beispiel auf Gummigeschosse oder „Bean Bags“, Beutel die meist Nylonschrot enthalten. Eigentlich werden Geschosse dieser Art als „non-lethal weapons“ bezeichnet, doch da auch deren Anwendung bereits tödliche Folgen hatte, heißen sie nun eben „weniger tödlich“. 

Proteste gegen Polizeigewalt in den USA: In Austin schießt die Polizei auf Helfer 

Der Polizeichef von Austin, Brian Manley, bestätigte bei einer Pressekonferenz am Dienstag, dass der 20-Jährige am Sonntag durch ein solches „weniger tödliches“ Geschoss schwer verletzt wurde. Ein auf Twitter zirkulierendes Video von den Protesten vor Ort zeigt, dass mehrere Personen versuchten, den regungslosen Justin Howell in Sicherheit zu bringen. Als sie sich dabei dem Polizeigebäude näherten, wurden auch sie mehrfach beschossen.

Manley bestätigte, dass auch die Helfer in Austin mit der „weniger tödlichen“ Munition beschossen wurden und dass dabei eine Sanitäterin an den Händen getroffen wurde. Letztlich, so Manley, sei der Student in das Gebäude und dann in ein Krankenhaus gebracht worden. Zudem sei auch ein junger Teenager von den Schüssen getroffen worden, der sich nun ebenfalls im Krankenhaus befinde. Beide Schüsse würden nun untersucht werden. „Wir beten für diesen jungen Mann und seine Familie und hoffen, dass sich sein Zustand schnell verbessert“, sagte der Polizeichef.

Polizei in Austin verletzt schwarzen Studenten schwer und schießt auf Helfer

Manley identifizierte den schwerverletzten Studenten nicht, aber Joshua Howell, der Bruder des Verletzten, bestätigte, dass es sich um Justin Howell handelt. In einem Artikel der dortigen Studentenzeitung schrieb Joshua Howell, dass die Familie sich nicht für die Gebete der Polizei interessiere. Gebete seien keine Entschuldigung, um Verantwortung abzugeben.

Die Sanitäterin Maredith Michael, die Justin Howell vor Ort zu helfen versuchte, hat ihre Erlebnisse ebenfalls geteilt. Auf Facebook schrieb sie, dass sie die Polizisten vergeblich um Hilfe bat. Als andere Demonstranten versuchten, Howell in Sicherheit zu bringen, habe sie den Weg frei gemacht und dabei ein Handzeichen gemacht, dass sie als Sanitäterin kennzeichnen sollte. Außerdem sei sie in einem roten Shirt mit weißem Kreuz und Helm klar als solche erkennbar gewesen. Als sie dennoch von der Polizei an den Händen getroffen wurde, stürzte sie und musste daraufhin selbst weggetragen und ins Krankenhaus gebracht werden.

Austin: Polizei schießt bei Protesten auf schwarzen Studenten und Sanitäterin

Die Proteste in Austin dauern derweil weiter an und drehen sich nicht ausschließlich um den von der Polizei getöteten George Floyd, sondern auch um Michael Ramos. Ramos war ein unbewaffneter schwarzer Mann, der Ende April von einem Polizisten aus Austin erschossen worden war.

Von Valérie Eiseler

Rassismus und Polizeigewalt sind in den USA nicht erst seit dem Mord an George Floyd Alltag. Schwarze Eltern fürchten jeden Tag um ihre Kinder. Der Gastbeitrag.

Die Bilder von George Floyds Verhaftung sind vielen noch im Gedächtnis. Jetzt schlägt ein weiterer Fall von Polizeigewalt hohe Wellen. In London* kniete ein Polizist auf dem Hals eines Mannes. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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