Anwohner zum Teil "richtig genervt"

Obama-Besuch: Berlin gleicht einer Festung

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Barack Obama und seine Familie werden am Dienstagabend mit der Air-Force-One am Flughafen Berlin-Tegel landen. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Präsidenten-Familie erstrecken sich über die ganze Stadt

Berlin - Die Vorbereitungen sind gigantisch. Die Innenstadt von Berlin gleicht kurz vor dem Besuch von US-Präsident Barack Obama einem Hochsicherheitstrakt. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Über der Hauptstadt herrscht zeitweise Flugverbot. Zentrale Plätze sind gesperrt, Taucher kontrollieren die Spree, selbst Kräne werden abgesucht: Schon bevor die „Air-Force-One“ des US-Präsidenten an diesem Dienstagabend in Berlin landet, ist ein gigantisches Programm zum Schutz von Barack Obama angelaufen. Für den mächtigsten Mann der Welt gilt die höchste Sicherheitsstufe 1+.

Am Montag gingen die Vorbereitungen in die heiße Phase. Unzählige rot-weiße Absperrgitter stapelten sich am Potsdamer Platz im Zentrum der Stadt. Dort wird der Präsident mit Ehefrau Michelle und den Töchtern Sasha und Malia im Grandhotel Ritz-Carlton übernachten. Das Luxushotel verfügt nach eigenen Angaben über einen Sicherheitstrakt, der hermetisch abgeriegelt werden kann.

Sicherheitskonzept für Obama erstreckt sich über die ganze Stadt

Das Sicherheitskonzept erstreckt sich über die ganze Stadt. „Der Präsident wird in Tegel landen und wir sind darauf vorbereitet“, sagt der Direktionssprecher der Bundespolizei in Berlin, Meik Gauer. Seit Tagen sucht die Polizei mit Sprengstoffspürhunden alle Orte und Wege ab, die Obama besuchen will. Zahlreiche Gullydeckel wurden verschweißt und Papierkörbe entfernt.

Obamas wichtigste Stationen in Berlin

Obamas wichtigste Stationen in Berlin

Mehrere tausend Beamte werden zum Arbeitsbesuch des Präsidenten im Einsatz sein, erfahrungsgemäß werden es um die 4000 Beamte sein. Offiziell äußert sich die Berliner Polizei dazu nicht. Sie setzt ein mit den Bundesbehörden und den amerikanischen Sicherheitsexperten abgestimmtes Konzept um. Diese werden immer in unmittelbarer Nähe ihres Präsidenten sein.

Anwohner sind laut Polizei "zum Teil richtig genervt"

Am Brandenburger Tor, wo Obama am Mittwoch eine mit Spannung erwartete Rede vor mehreren tausend geladenen Gästen halten will, haben die Absperrungen bereits am Freitag begonnen. Darüber informierte die Polizei die Anwohner mit Handzetteln.

„Bei uns gibt es jede Menge Anrufe. Die Leute sind zum Teil richtig genervt. Aber wir haben damit Erfahrung und versuchen zu erklären“, sagt ein Polizist einer Direktion, die eine Hotline für Nachfragen anbietet.

Obama-Alarm: Was Touristen beachten sollten

Obama-Alarm: Was Touristen beachten sollten

Richtig spannend wird es am Mittwoch, wenn Obama seine Rede vor dem Brandenburger Tor hält. Für die Anwohner heißt es dann: Das Öffnen von Fenster und Balkontüren ist tabu. „Falls jemand dagegen verstößt, werden Beamte bei dem Anwohner klingeln oder es wird auch Lautsprecherdurchsagen geben“, sagt der Beamte.

Auch Scharfschützen werden auf bestimmten Häusern postiert sein

Strikt reglementiert ist auch der Zugang zum inneren Kern der Sicherheitszone. Anwohner etwa müssen den Personalausweis parat haben und werden von Polizisten zu ihren Wohnungen geleitet. „Falls jemand sich nicht ausweisen kann, muss er mit längeren Wartezeiten rechnen“, sagt ein Polizeisprecher. Es gilt die strikte Anordnung: Keiner kommt ohne nachweisbaren Grund in die Nähe des Präsidenten. „Mal eben gucken wollen, geht nicht“, sagt ein Beamter. So werde der Großteil der Berliner den Präsidenten höchstens aus weiter Ferne sehen.

Barack Obama und Familie beim G8-Gipfel - Vorbereitungen in Berlin

Barack Obama und Familie beim G8-Gipfel

Deutsche und amerikanische Sicherheitsexperten betreuen Barack auf all seinen Wegen - etwa zum Schloss Bellevue, zum Bundeskanzleramt und am Mittwochabend zum Schloss Charlottenburg. Entlang der Protokollstrecke werden Scharfschützen etwa auf Häuserdächern postiert sein. Die Experten werden auch Ehefrau Michelle Obama sichern. Die First Lady will nach dpa-Informationen unter anderem das Holocaust-Mahnmal und die Gedenkstätte Berliner Mauer besichtigen. Größere Demonstrationen sind zum Besuch des Präsidenten nicht angekündigt.

Michelle Obama gewährt private Einblicke

Michelle Obama gewährt private Einblicke

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bereits am Montag vor ihrer Abreise zum G8-Gipfel in Nordirland angekündigt, mit Obama über das amerikanische Ausspähprogramm „Prism“ sprechen zu wollen. „Wir brauchen Transparenz, was mit den Daten der Bürgerinnen und Bürger geschieht“, sagte die Kanzlerin dem Fernsehsender „RTL“. „Wir wollen auch gegen den Terror kämpfen, aber das muss dem Gesetz der Verhältnismäßigkeit entsprechen.“

Ehepaar Obama in Belfast von Jugendlichen gefeiert

Auch Obama war am Montag zusammen mit seiner Frau Michelle am Montag beim G8-Gipfel. Das Präsidentenehepaar wurde zunächst in Belfast von tausenden Jugendlichen begeistert gefeiert. In einem Kongresszentrum der nordirischen Hauptstadt sprach erst Michelle Obama und dann der Präsident über den Friedensprozess im einst vom Bürgerkrieg geplagten Nordirland.

Beide sprachen den gut 2000 Jugendlichen Mut zu, sich weiter für den Frieden zu engagieren. „Denen, die den Weg des Friedens gewählt haben, verspreche ich, dass die Vereinigten Staaten jeden Schritt dieses Weges unterstützen werden“, sagte Obama.

Michelle Obama und Töchter gehen in Irland auf Spurensuche

Während Barack Obama später beim G8-Gipfel sprach, begaben sich seine Frau und seine beiden Töchter Malia und Sasha auf Spurensuche in der Republik Irland. Unter anderem besuchten die First Lady und ihre Töchter die Universität Trinity College in Dublin und sahen dort in den Archiven Dokumente über ihre irischen Vorfahren ein. Einer von Barack Obamas Ur-Ur-Ur-Großvätern stammt aus dem Dörfchen Moneygall. Geplant war außerdem ein Besuch bei der Tanzshow „Riverdance“ und am Dienstag ein Ausflug in den Nationalpark Wicklow Mountains.

dpa

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