Die tz sprach mit einem Experten

Obama oder Romney: Wer ist für uns besser?

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Wer wird US-Präsident: Barack Obama (l.) oder Mitt Romney

München - Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA geht nach dem dritten TV-Duell der Kandidaten Montag Abend in die Zielgerade. Wer wäre besser für Deutschland: Obama oder Romney? Die tz sprach mit einem Experten.

Wird dem Demokraten Barack Obama am 6. November eine zweite Amtszeit zugestanden oder macht doch der Republikaner Mitt Romney das Rennen? Vielleicht gehört das aktuelle Gerücht, die USA hätten Atomgespräche mit dem Iran vereinbart, auch zum Wahlkampf. Hätten die deutschen Bürger zu entscheiden, würde Obama haushoch siegen. Die Bundesregierung hält sich mit Unterstützungsbekundungen zurück.

Jetzt wurde bekannt, dass es Kanzlerin Angela Merkel bei Romneys Auslandsreise geschickt vermieden hat, den damals abgeschlagenen Kandidaten in Deutschland zu begrüßen. Dabei war ihr Verhältnis zum Republikaner George W. Bush offensichtlich besser als das zu Obama. Welcher Mann im Weißen Haus wäre nun besser für Berlin und die Deutschen?

Welcher US-Präsident ist besser für Deutschland?

Die Präsidentschaftskandidaten liegen in etwa gleich auf, es könnte also durchaus auf einen Präsidenten Mitt Romney hinauslaufen. Wie steht er zu Deutschland, weiß man das?

Prof. James Davis, US-Experte, Universität St. Gallen: Ganz konkret nicht. Seine Meinung ist generell, man müsse in der internationalen Politik mehr von den europäischen Partnern verlangen. Er sagt, die USA müssten stärker führen – andererseits will er auch eine sehr starke Nato haben.  

Ist das nicht mehr, als Obama je zur Nato gesagt hat?

Davis: Obama hat versucht, die Verpflichtungen der USA ins Gleichgewicht zu bringen: Europa ist nach wie vor sehr wichtig – immerhin sind hier immer noch 30 000 Amerikaner stationiert. Allerdings wird festgestellt, dass Europa befriedet sei und man sich nunmehr dem immer noch instabilen Asien zuwenden müsse.

Die Deutschen stehen treu hinter Obama: Fulminante 87 Prozent würden ihn wählen. Wie erklären Sie sich diese Begeisterung?

Davis: Obama war 2008 eine Projektionsfläche für viele Hoffnungen, auch in Deutschland. Seine ganz konkreten Entscheidungen während der Amtszeit sind aber auch hierzulande öfters auf Kritik gestoßen – die gezielte Tötung vermeintlicher Terroristen durch Drohnen etwa, die außergerichtliche Tötung von Osama bin Laden, und die Tatsache, dass Guantamo immer noch nicht geschlossen ist.

Wie ist Angela Merkels Verhältnis zu Barack Obama?

Davis: Die Arbeitsbeziehungen sind wohl sehr gut und korrekt. Ich glaube aber nicht, dass diese zwei Politiker eine Wärme zu einander entwickelt haben. Es ist merkwürdig, dass es Barack Obama in vier Jahren nicht einmal geschafft hat, offiziell nach Berlin zu reisen.

An Einladungen hat es doch wohl nicht gefehlt?

Davis: Das sicherlich nicht, aber vielleicht an Zuneigung.

Mancher vermutet, Angela Merkel käme von den Themen her besser mit Romney zurecht, könnte das sein?

Davis: Zumindest, was die Sparpolitik anbelangt, ist die Rhetorik von Romney sehr ähnlich mit der der Kanzlerin. Er sieht die größte Gefahr für die Zukunft in der Staatsverschuldung. Man fragt sich allerdings: Wenn er die Steuern senken und gleichzeitig die Ausgaben für die Verteidigung erhöhen will, wie kann er dann zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen?

Wie wäre Romneys Haltung zur Europapolitik?

Davis: Im Wahlkampf benutzt Romney Europa als Gespenst. Europäische Lösungen funktionierten schon in Europa nicht, deshalb dürfe man sie nicht nach Amerika importieren. Damit ist die Staatsverschuldung und ein zu großer Sozialstaat gemeint. Zur Eurokrise und ihrer Bekämpfung hat er sich wenig geäußert.

Romney ist bei Auslandsreisen im Mai in viele Fettnäpfchen getreten. Was sagt das über ihn als Außenpolitiker?

Davis: Er ist äußerst unerfahren.

Können die Nachrichten über angeblich bevorstehende Atomverhandlungen mit Iran den Wahlausgang beeinflussen?

Davis: Eher nicht. Es war zu befürchten, dass die Israelis unter Netanjahu kurz vor den Wahlen vielleicht eine militärische Aktion unternehmen. Diese Gefahr sehe ich jetzt nicht mehr.

US-Wahlkampf: So punkteten Michelle Obama und Ann Romney

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Haben TV-Duelle in den USA einen größeren Einfluss auf die Wahl als anderswo?

Davis: In der Vergangenheit ist es sogar öfters vorgekommen, dass derjenige, der in den TV-Debatten schlecht abgeschnitten hat, am Ende Präsident wurde. Weil diesmal alles so eng ist, könnten sie eine Rolle spielen. Aber letztendlich wird diese Wahl von der Wirtschaftslage bestimmt. Die Menschen haben das Gefühl, das es nicht vorwärts geht.

Macht es für die deutschen Bürger überhaupt einen Unterschied, wer in Washington regiert?

Davis: Die beiden Länder sind wirtschaftlich so mit einander verflochten, dass es Deutschland nicht auf Dauer gut gehen kann, wenn es Amerika schlecht geht. Was die groben Linien der Außenpolitik anbelangt, glaube ich, dass Obama und Romney US-nationale Interessen verfolgen – und die hängen nicht so stark vom Präsidenten ab.

Aus Sicht der Deutschen ist es also nur eine Sympathiefrage: Welchen dieser Männer sähe ich lieber im Weißen Haus?

Davis: Und diese Frage haben die deutschen Bürger ja beantwortet.

Interview: Barbara Wimmer

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