Bayerische SPD sucht Motivationstrainer

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Die SPD in Bayern hofft darauf, das Unmögliche möglich zu machen.

München - Die Bayern-SPD im Zwischenreich: Einerseits sind die Umfragewerte wie immer schlecht. Andererseits hat es in Baden-Württemberg tatsächlich den früher unmöglich geglaubten Machtwechsel gegeben. Also fasst die SPD Mut.

Erstmals seit Jahrzehnten tritt bei der Bayern-SPD ein Wahlsieger auf: “Wir haben das Unmögliche möglich gemacht“, ruft der baden-württembergische Vize-Ministerpräsident Nils Schmid vor den knapp 300 Delegierten des Landesparteitags in Germering. “Lasst uns aufstehen, lasst uns rausgehen, lasst uns kämpfen für den Wechsel hier in Bayern“. Die leidgeprüfte Bayern-SPD klatscht - doch ohne besondere Überzeugung. Die Sozialdemokraten haben nach mehr als einem halben Jahrhundert der Wahlniederlagen eine gewisse Routine darin, sich selbst Mut zuzureden.

Schmid ist der wichtigste Gast in Germering, das zweitägige Treffen steht unter dem Motto “Politikwechsel im Süden“. Doch er erwähnt in seiner Rede nicht, dass die baden-württembergische SPD bei der Landtagswahl im Frühjahr zwar in die Regierung kam, der lange Abwärtstrend sich aber trotzdem fortsetzte.

Doch immerhin regiert Schmid, wenn auch mit Stimmverlusten. In Baden-Württemberg hatte die CDU sogar noch länger regiert als die CSU in Bayern - 57 Jahre. Doch CSU-Chef Horst Seehofer unternimmt derzeit alle Anstrengungen, dass ihm bei der bayerischen Landtagswahl 2013 nicht das gleiche Schicksal widerfährt wie dem abgewählten baden-wüttembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU). Mit seiner rasanten Kehrtwende in der Atompolitik hat Seehofer ein Thema abgeräumt, das der CSU in den kommenden Wahlkämpfen vermutlich sehr geschadet hätte. “Wenn man den Politikbetrieb verfolgt, kommt man sich vor wie im falschen Film, vor allem, wenn man den Staatsschauspieler Horst Seehofer sieht“, sagt Pronold dazu.

Doch die SPD in Bayern hat leidvolle Erfahrungen damit, dass die CSU sozialdemokratische Positionen übernimmt - und anschließend die Wahlen gewinnt, während die SPD sich damit trösten muss, als erste die gute Idee gehabt zu haben. Das könnte sich im Zuge der Energiewende wiederholen. “Die Gefahr ist da“, sagt dazu Harald Güller, der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion. “Ich schätze aber die Wahrscheinlichkeit einer Implosion bei der CSU noch höher ein.“

Dennn die SPD hofft, dass Seehofer Langfristschaden in seiner eigenen Partei angerichtet hat. Viele CSU-Mandatsträger sind innerlich nicht überzeugt vom schnellen Atomausstieg. “Seehofers Glaubwürdigkeit - und die der Union insgesamt - haben großen Schaden genommen“, sagt der frühere Landtagsfraktionschef Franz Maget.

Pronolds Wiederwahl geht ohne große Probleme über die Bühne: Er erhält 84,5 Prozent der Stimmen - ein leichter Dämpfer im Vergleich zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren, als er knapp 90 Prozent erhielt.

dpa

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