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Umsturzfantasien in Bayerns AfD: Chats legen extremistisches Denken von Spitzenpolitikern offen

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Von: Marcus Mäckler

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AfD Bayern beim Landesparteitag
Vertreter der bayerischen AfD haben in einem Chat monatelang radikale, teils extremistische Gedanken ausgetauscht. © Angelika Warmuth / dpa

In einem Online-Chat tauschten Politiker der bayerischen AfD extremistisches Gedankengut aus. Der Verfassungsschutz soll diesen Chat nun auswerten.

München – Sie fantasieren von Umsturz, Bürgerkrieg und rufen zur Gewalt auf: Führende Vertreter der bayerischen AfD haben in einem Chat monatelang radikale, teils extremistische Gedanken ausgetauscht. Politiker werden darin als „regierende Verbrecher“, das System als „korrupt“ bezeichnet. Ein Kreisvorsitzender aus Oberbayern fordert gar die „totale Revolution“.

AfD Bayern: Wahlen „helfen ohnehin nicht mehr“

In der Telegram-Gruppe „Alternative Nachrichtengruppe Bayern“ sind neben zahlreichen Mitgliedern des AfD-Landesvorstands auch fast alle bayerischen Bundes- und Landtagsabgeordneten aktiv. Der Chat wurde dem BR zugespielt. Besonders brisant sind die Umsturzfantasien. „Ohne Umsturz und Revolution erreichen wir hier keinen Kurswechsel mehr“, schrieb der genannte Kreisvorsitzende vor einem Jahr. Wahlen „helfen ohnehin nicht mehr“. Bei ihm soll es sich um Alois Ostermair aus Miesbach handeln.

Die Landtagsabgeordneten Anne Cyron, die eigentlich im eher gemäßigten Lager verortet wird, stimmt ihm zu. „Denke, dass wir ohne Bürgerkrieg aus dieser Nummer nicht mehr rauskommen werden.“ Georg Hock, Mitglied im Landesvorstand, forderte Mandatsträger auf, das „Deutschland meuchelnde System“ zu bekämpfen.

Extremismus bei der AfD Bayern: Verfassungsschutz wertet Chat aus

Zu den Administratoren der Gruppe zählen laut BR zwei Bundestagsabgeordnete: Bayerns AfD-Chef Stephan Protschka und der Freisinger Johannes Huber. Auch um Corona geht es. Peter Boehringer, der ebenfalls im Bundestag sitzt und als Nachfolger von AfD-Chef Jörg Meuthen gehandelt wird, forderte im März den „Schulterschluss mit 30 bis 50 Prozent Impfskeptikern“. Landes-Vize Rainer Rothfuß nannte Impfungen einen „Genozid an den reichen Europäern und Nordamerikanern“.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte den Chat erschreckend, der Verfassungsschutz werde ihn sorgfältig auswerten. Die Frage nach einer Beobachtung einzelner Abgeordneter und der ganzen Partei stelle sich neu. Wie der Münchner Merkur aus Vorstandskreisen erfuhr, ist Alois Ostermair, der Kreischef mit Revolutionsfantasien, gestern aus der Partei ausgetreten. (mmä) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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