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So führte politisches Totalversagen in eine brandgefährliche vierte Corona-Welle

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Von: Maximilian Kettenbach

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Merkur.de-Kommentar zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland von Maximilian Kettenbach.
Merkur.de-Kommentar zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland von Maximilian Kettenbach. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Deutschland hat mehr Corona-Tote zu verzeichnen als vor genau einem Jahr, die Neuinfektionen bewegen sich auf Rekordniveau. Nicht verwunderlich bei dem Corona-Management. Ein Kommentar.

München – Wie oft dürfen sich Politiker immer den gleichen Fehler leisten? Die vierte Corona-Welle peitscht förmlich durch das Land – aufgewacht sind unsere Spitzenpolitiker einmal mehr, als es zu spät war. Wie schon im Corona-Herbst 2020. Weil dieses Mal Wahlkampf und Machtkämpfe wichtiger waren und die Hoffnung, dass das Virus schon irgendwie klein beigibt.

Jetzt, da die sich Zahlen auf Rekordniveau bewegen und selbst die Corona-Todesfälle über denen des Vorjahres liegen, scheinen einige wieder zu erwachen. Allen voran Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn, der sich lieber wochenlang für das Auslaufen der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ einsetzte und damit den Menschen draußen suggerierte: Die Pandemie ist eigentlich zu Ende.

Corona schlägt mit voller Wucht zu: Politisches Versagen an diversen Stellen

Es ist auch schon heute nicht mehr nur eine „Pandemie der Ungeimpften“. Das mag auf Kliniken zutreffen. Im echten Leben der Menschen infizieren sich auch immer mehr Geimpfte oder Genesene, die das Virus kaum bis gar nicht in sich spüren – es aber verbreiten. Und das unter Umständen an Eltern und Großeltern, deren Zweitimpfung längst über sechs Monate zurückliegt.

Die Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu. Und es ist längst bekannt, dass sich gerade Ältere boostern lassen sollten. Doch lautes Werben für eine dritte Impfung war im Wahlkampf kaum zu vernehmen. Jetzt, da die Corona-Zahlen explodieren schalten Spahn und Co. in den Panikmodus – zurecht. Lange genug hat es gedauert.

Ein nächster Punkt: Nach der Einstellung der Impfzentren warten Senioren jetzt wieder wochenlang auf den Booster-Termin beim Hausarzt. Die fehlende Weitsicht von Spahn, Söder und Co. ist dilettantisch und wird einer Pandemie nicht gerecht. Ein Nebensatz des Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz aus Bayern unterstreicht das. „Ich glaube, dass diese Dynamik, die wir momentan erleben, nicht vorhersehbar war“, sagte Klaus Holetschek Mitte der Woche auf einer Pressekonferenz. Längst berichteten Ärzte von einem drohenden Kollaps des Gesundheitssystems.

Corona-Welle: Gefährliches Vakuum zwischen Merkel-Ära und Scholz‘ Neuanfang

Bei solchen Sätzen eines Gesundheitsministers aus Bayern darf einem angst und bange werden vor dem Winter. Ob das Kein-Lockdown-für-Geimpfte-und-Genesene-Versprechen zu halten sein wird, wenn die Intensivbetten nicht mehr reichen? Denn auch hier hat die Politik gnadenlos versagt. Man kann es fast nicht anders sagen. Die Abwanderung des Pflegepersonals wurde im Sommer ignoriert, ja geradezu totgeschwiegen. Jetzt schwanken die Kliniken noch früher unter der Last der Kranken. Anreize, um das Personal vom Bleiben in dieser wichtigen Situation zu überzeugen – nicht vorhanden. Ebenso wenig Pläne, wie man die stagnierende Impfquote für Herbst und Winter auf Vordermann bringt.

Dem Gesundheitspersonal steht nach dem Frühjahr 2020 und dem Winter 20/21 die dritte ganz schwere Phase bevor. Denn neben Corona hat auch die Grippe Hochkonjunktur – und nicht zuletzt das grassierende RS-Virus unter Kindern.

Noch-Kanzlerin Merkel warnt und würde gerne die Zügel anziehen, doch die Ampel eilt mit großen Schritten auf die Regierungsübernahme zu. Das nun entstandene Vakuum sollte schnellstmöglich gefüllt werden. Falls nicht, dürfte es brandgefährlich werden.

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