IT-Gipfel in München

Seehofer plant in Bayern digitale Revolution

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Ministerpräsident Horst Seehofer und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft nahmen am IT-Gipfel der Staatsregierung teil.

München - Die nächste Phase der digitalen Revolution steht unmittelbar bevor, sagen Fachleute. Für Bayern könnte das neue Arbeitsplätze bedeuten - oder den Tod ganzer Wirtschaftszweige.

Die Staatsregierung erhöht die Ausgaben für die Digitalisierung Bayerns. Damit will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verhindern, dass Bayern bei der bevorstehenden nächsten Phase der digitalen Revolution den Anschluss verliert. Stattdessen soll Bayern ein Land des „digitalen Aufbruchs“ werden. Das sagte Seehofer am Freitag nach einem Treffen mit 40 Unternehmensvertretern, Wissenschaftlern, Fachleuten und Politikern in der Münchner Residenz. Es sei „geradezu überlebenswichtig, dass wir das große Feld der Digitalisierung nicht anderen überlassen“.

Vorgesehen sind in den nächsten Jahren unter anderem 100 Millionen Euro zusätzlich für die außeruniversitäre Forschung, 50 Millionen für die IT-Ausbildung an den Hochschulen und 30 Millionen Euro für Hochschulforschung. Die Staatskanzlei nannte das zum „IT-Gipfel“ erklärte Gespräch den „Startschuss“ für die Digitalisierungsstrategie der Staatsregierung. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren schon mehrere Startschüsse. Die neue Digitalisierungsstrategie baut auf dem Programm „Bayern digital“ auf, das der frühere Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) Anfang 2013 verkündet hatte.

Neue Aufgaben für Aigner

Zeils Nachfolgerin Ilse Aigner (CSU) soll eine zentrale Rolle spielen. Sie wird verantwortlich für zwei neue Zentren: ein Zentrum für die Digitalisierung, das die Wissenschaft mit der Wirtschaft zusammenbringen soll. Außerdem soll Aigner ein Gründerzentrum für Internet und digitale Medien ins Leben rufen.

Weitere Bestandteile der Strategie: ein Fonds mit bis zu 100 Millionen Euro Kapital zur Förderung von Existenzgründern und ein „Breitbandpakt“ mit der Telekom und anderen Unternehmen, um den Ausbau des schnellen Internets voranzubringen.

So versprach Kabel Deutschland-Chef Manuel Cubero für 70 Prozent der bayerischen Haushalte in fünf Jahren Anschlussmöglichkeiten an ultraschnelles Höchstgeschwindigkeitsinternet mit 600 bis 800 MBit pro Sekunde. Telekom-Chef Timotheus Höttges sagte seinerseits hohe Bandbreiten für 70 Prozent der bayerischen Haushalte bis 2017 zu.

Grundlegende Umwälzungen

Der Anlass der Digitalisierungsstrategie und des IT-Gipfels: Die klassische Industrie ebenso wie viele Dienstleistungsbranchen stehen nach Einschätzung vieler Experten vor grundlegenden Umwälzungen, die Millionen von Arbeitsplätzen überflüssig machen könnten - und keineswegs nur niedrig qualifizierte Jobs.

Drei Beispiele: So werden in einigen Jahren Datenanalyseprogramme voraussichtlich falsche Abrechnungen in Firmen schneller und besser erkennen können als bestens bezahlte Wirtschaftsprüfer. Die japanische Kameraindustrie leidet bereits jetzt massiv unter der Konkurrenz durch Smartphones mit ihren eingebauten Objektiven. Und auf Internet-Börsen für Übernachtungsgelegenheiten kann jeder Bürger Zimmer an Touristen vermieten - und gefährdet damit die Existenz billiger Hotels.

Das angesehene britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ prophezeite im Januar, dass derartiger technologischer Fortschritt zwar langfristig den allgemeinen Wohlstand heben, aber zunächst die soziale Ungleichheit zunehmen und die Einkommensschere zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern sich weiter öffnen werde.

Ein großer Trend sind „Big Data“: die Sammlung immer größerer Datenmengen, die vor allem Firmen wie Google hilft, den etablierten Einzelhandel vom Baumarkt bis zum Buchladen zu bedrängen. „Sie können von einem Daten-Tsunami sprechen, der auf uns zukommt“, erläuterte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor Journalisten.

„Wir müssen jetzt Gas geben, denn jetzt geht es an die Industrien, in denen wir stark sind“, sagte Markus Blume, Digitalfachmann der CSU-Landtagsfraktion. „Es gibt kein sicheres Geschäftsmodell mehr.“ Sehr erfreulich aus CSU-Sicht: „Der neuesten EU-Kommissionsstudie zufolge ist München der europäische IT-Leuchtturm. Mit 100 von 100 möglichen Punkten erreichte München den ersten Platz, vor London und Paris“, sagte Blume.

dpa

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