Bayerns Schulen: Noch mehr Unterrichtsausfall 

München - Überfüllte Klassen, noch mehr Unterrichtsausfall und Leistungsdruck von Anfang an: An den bayerischen Schulen hat sich nach Ansicht der SPD im Jahr 2010 nichts verbessert.

An den bayerischen Schulen werden im kommenden Jahr wegen des Lehrermangels noch mehr Unterrichtsstunden ausfallen als 2010. “Die Zeche zahlen die Eltern, weil der Unterricht zunehmend nach Hause verlagert wird und die Kosten für Nachhilfe steigen“, sagte SPD-Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann im bayerischen Landtag am Dienstag in München. Schon jetzt gehe in den meisten Familien ohne das Nacharbeiten des Unterrichtsstoffs oder Nachhilfe nichts mehr. Pfaffmann sprach von einer “schleichenden Privatisierung des pädagogischen Auftrags“ vom Staat in die Familien. “Wenn die Eltern da nicht mithalten können, kommen die Kinder zu kurz.“

Vor wenigen Wochen hatte auch der Oberste Bayerische Rechnungshof (ORH) den Unterrichtsausfall in Bayern unter die Lupe genommen. Dabei stellten die Prüfer fest, dass an den Realschulen viel mehr Unterricht ausfällt als vom Kultusministerium angegeben. Nach ORH- Berechnungen fielen 3,6 Prozent aller Stunden ersatzlos aus, fast dreimal so viel wie vom Kultusministerium genannt (1,3 Prozent). “Hochgerechnet waren das 855 000 ausgefallene Stunden, davon 283 000 ersatzlos - nur an den Realschulen“, kritisierte Pfaffmann.

Verglichen mit den Zahlen des Kultusministeriums sei dies eine ebenso peinliche wie inakzeptable Steigerung. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wies aber darauf hin, dass Änderungen bei der Erfassung des Unterrichtsausfalls bereits beschlossen seien. Dadurch erwartet er zunächst eine Verschlechterung in der Statistik. Besserung erhofft sich Spaenle langfristig durch zusätzliche Lehrer. Allein im kommenden Schuljahr sollen 1000 neue Stellen geschaffen werden, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Auch an den Gymnasien sei der Unterrichtsausfall inakzeptabel, mahnte Pfaffmann. Allein um diesen auszugleichen, müssten 1625 Lehrerplanstellen geschaffen werden, insgesamt fehlten tausende mehr.

Die SPD plädiert für eine Unterrichtsgarantie an den bayerischen Schulen. Ziel müsse es sein, die individuelle Förderung der Schüler in den Mittelpunkt zu stellen. “Kein Schüler geht gern in die Schule, wenn der Leistungsandruck anhält und zu Schulangst führt.“ Trotz des Lehrermangels wird der Berufseinstieg den Kandidaten aber schwer gemacht. Bei Grundschullehrern etwa bekomme nur jeder vierte Absolvent eine Stelle, sagte Pfaffmann. Zudem würden die Einstiegsgehälter gekürzt und Leistungsprämien gestrichen. Spaenle wies darauf hin, dass dies für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst gelte, nicht nur für Lehrer. Von einem Mangel an Interessenten für den Lehrerberuf sei nichts zu spüren.

dpa

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