Auftakt im NSU-Prozess

Beate Zschäpe: Der eiskalte Auftritt der Nazi-Braut

München - Gegen 9:55 Uhr betrat Beate Zschäpe im typischen Business-Outfit am Montag den Gerichtssaal. Zumindest äußerlich schien sie der Auftakt im NSU-Prozess völlig kaltzulassen.

Das bleiche Gesicht dezent geschminkt, die offenen Haare frisch gefärbt in einem leichten Auberginenton, große Kreolen in den Ohren. Dazu ein dunkler Hosenanzug, weiße Bluse, den Blazer lässig geknöpft. Typisches Business-Outfit für den großen Auftritt, der die Nazi-Braut Beate Zschäpe (38) zumindest äußerlich völlig kaltzulassen scheint. Wenn da nicht diese verkniffenen Lippen wären. So sieht sie also aus, die Frau, die so viel Leid in türkische, griechische und deutsche Familien getragen hat.

So war ihr Auftritt im Gericht

Eine gelernte Gärtnerin, die mehr Mitleid mit ihren Katzen hatte als mit den Menschen und deren Familien, die sie und ihre Komplizen Uwe Mundlos († 38) und Uwe Böhnhardt († 34) im blinden Hass ins Unglück stürzte. Angeklagt des zehnfachen Mordes in Mittäterschaft, dazu 15 bewaffnete Raubüberfälle und zwei Nagelbombenanschläge. Ihr selbstbewusster Auftritt eine einzige Ohrfeige ins Gesicht der im Schmerz erstarrten Angehörigen. Im Gegensatz zu ihren vier Mitangeklagten, die sich unter Kapuzenpullis und hinter Aktendeckeln verkriechen, macht sie nicht den geringsten Versuch, ihr Gesicht zu verbergen. Kaum am Platz angekommen, dreht sie den Fotografen demonstrativ den Rücken zu, lehnt sich betont lässig an die orangefarbene Stuhllehne und plaudert mit ihren drei Anwälten. Ihre Hände jedoch krallen sich verräterisch in den Stoff – so fest, dass die Knöchel hervortreten.

NSU-Prozess in München - die Bilder

NSU-Prozess in München - die Bilder

Der Andrang der akkreditierten Journalisten hält sich am früheren Morgen noch in Grenzen. Die Kontrollen sind streng, Wachtmeister und Polizisten extrem freundlich. Die viel zu kleine Zuschauer- und Pressetribüne ist um 9 Uhr schon fast voll besetzt. Von Minute zu Minute wird es heißer.

Um 9.55 Uhr schließlich öffnet sich die Tür: Beate Zschäpe kommt – umringt von Polizisten – aus den hinteren Räumen. Ohne Fesseln. Kurz darauf treten die mutmaßlichen Mittäter ein. Carsten S. (33) verbirgt sein Gesicht unter einem überdimensionalen Kapuzenpulli. Ihm und Ralf W. (38) werden Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Sie sollen die Waffe beschafft haben. Holger G. gibt sich betont cool. André E. (33) und Holger G. (38) wird Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Es folgt ein fast halbstündiges Blitzlichtgewitter.

Mit 20 Minuten Verspätung nimmt der Senat um den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl Platz. Erster Schlagabtausch mit einem Anwalt, der sofort einen Antrag stellen will. Götzl bremst: „Moment, wir haben noch gar nicht angefangen. Nur mit der Ruhe, Sie kommen zu Wort.“

Zschä­pe sitzt betont ruhig da, schaut ihre Finger an, reibt sich das Kinn, tippt kurz auf einem Laptop herum, schaut an die Decke, als würde sie sich fragen: „Was soll ich hier?“ Mehrfach sucht sie Augenkontakt zu André E., mustert aufmerksam die Reihen der Angehörigen.

Es passiert nicht mehr viel an diesem ersten Prozesstag. Götzl ruft die Nebenkläger und ihre Anwälte auf. Viele Anwälte sind allein gekommen, ohne ihre Mandanten. Zschäpes Verteidiger verliest 50 ermüdende Minuten lang einen Befangenheitsantrag (siehe Text oben) gegen Manfred Götzl. Unverständnis bei den türkischen Prozessbeobachtern. Der Richter wirkt genervt.

Um 15 Uhr erscheint ein stadtbekannter Neonazi mit einem Kumpel auf der Zuschauertribüne. Es kommt zu keinerlei Zwischenfällen. André E. hat die beiden sofort erkannt. Beate Zschäpe dagegen lässt sich – wieder mal – nichts anmerken.

Dorita Plange

Die tz-Redakteurin übernahm den Platz der verlagseigenen Wochenzeitung Hallo München (hallo-muenchen.de)

Befangenheitsantrag: Eine Woche Pause!

Der Prozess ist schon ins Stocken geraten! Die Anklage gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe und vier Unterstützer ist noch nicht verlesen, schon musste das Gericht eine Pause bis Dienstag, 14. Mai, einlegen.

Grund: Die Verteidiger der Hauptangeklagten sowie des Angeklagten Ralf Wohlleben haben Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl gestellt. Wohlleben lehnte zudem auch zwei weitere Richter ab. Die Verteidiger sind sauer, weil sie durchsucht werden, die Bundesanwälte dagegen nicht.

Jetzt müssen Richter eines anderen Senats des Oberlandesgerichts die Anträge überprüfen. Sollten diese Richter tatsächlich eine Befangenheit feststellen, müsste der Prozess mit einer neuen Besetzung des Strafsenats erneut gestartet werden. Das würde eine erneute Verzögerung zur Folge haben.

Rubriklistenbild: © AP

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