Beckstein: "Nein, es war kein Putsch"

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Günther Beckstein

München - Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat erneut bestritten, dass sein Vorgänger Edmund Stoiber durch einen Putsch von Erwin Huber und ihm selbst aus dem Amt gedrängt wurde.

Es waren dramatische Tage und Regisseur Dieter Wedel plante im Geiste schon ein TV-Drehbuch: “Der tiefe Fall von Ministerpräsident Edmund Stoiber ist ein Königsdrama wie bei Shakespeare. Ein toller Stoff fürs Fernsehen“, sagte Wedel im Januar 2007, wenige Tage nach der Rücktrittsankündigung des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten.

Der Film über Stoibers Sturz und “finstere Intrigen seiner Parteifreunde“ wurde aber nie gedreht. Jetzt hat mit Günther Beckstein einer der damaligen Protagonisten erstmals in einem Buch seine Sicht der Ereignisse geschildert.

Der CSU-Politiker stellte am Dienstag in München sein neues Werk mit dem Titel “Die Zehn Gebote“ vor, in dem er die Bedeutung christlicher Grundsätze für seinen Alltag schildert. Einige der rund 190 Seiten widmet Beckstein auch der Reflexion über Macht in der Politik und dem Sturz Stoibers. Dabei wendet sich Beckstein erneut gegen Darstellungen, Stoiber aus dem Amt gedrängt zu haben. “Nein, es war kein Putsch“, versichert Beckstein.

“Spannende Stunden in Kreuth“

Die entscheidende Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im Januar 2007 sei keineswegs nach einem geplanten Drehbuch abgelaufen: “Die Ankündigung des Rückzugs von Edmund Stoiber und die Bereitschaft von Erwin Huber und mir, sich um seine Nachfolge als CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident zu bewerben, war nicht das Ergebnis taktischer Planungen.“ Beckstein war damals Innenminister, Huber Wirtschaftsminister in Bayern.

Unter der Überschrift “spannende Stunden in Kreuth“ schildert Beckstein, Stoiber selbst habe ihn aufgefordert, mit Huber über die Frage einer möglichen Nachfolge zu sprechen. Daraufhin habe er Huber aufgesucht und ihm eine Aufgabenteilung vorgeschlagen: Beckstein sollte Stoibers Nachfolger als Ministerpräsident werden, Huber den CSU-Vorsitz übernehmen. Später hätten sie Stoiber über diese Einigung informiert: “Seine Reaktion war sehr kühl.“ Am nächsten Tag sei es dann zum “überstürzten“ Rücktritt Stoibers gekommen.

Die andere Sicht Stoibers

Stoibers Darstellung freilich war bislang stets eine andere: “Klar ist, dass ich natürlich nicht von mir aus in Kreuth meine Ämter zur Verfügung gestellt habe oder zur Verfügung stellen wollte und auch niemanden selbst für die Nachfolge vorgeschlagen habe“, betonte er im Sommer 2007 in einem Interview. Und auf die Bemerkung, er sei in einem Hinterzimmer gestürzt worden, entgegnete er süffisant: “Sie sagen aber Sachen... das hören aber manche nicht gerne, 'gestürzt'.“ Und Stoiber stellte auch klar: “Kreuth hat mir weh getan. Ich bin ja auch nur ein Mensch.“

Beckstein hat nach eigenem Bekunden schon oft mit Stoiber über die Tage von Kreuth gesprochen. Es komme vor, dass “Menschen denselben Sachverhalt unterschiedlich erleben“, sagt er dazu bei der Buchvorstellung am Dienstag im Münchner Hofbräukeller diplomatisch. Er nehme aber für sich jedenfalls in Anspruch, die Ereignisse “wahrheitsgemäß wiedergegeben“ zu haben.

“Ich bin gespannt, wie Edmund Stoiber das sehen wird“, betont Beckstein. Den Text habe der CSU-Ehrenvorsitzende zwischenzeitlich auch erhalten. Ober Stoiber die Passage auch schon gelesen habe, wisse er jedoch nicht. Von Stoibers Büro war am Dienstag dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

(Günther Beckstein: “Die Zehn Gebote. Anspruch und Herausforderung“, SCM Hänssler, 192 Seiten, 17,95 Euro)

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