Flugzeug nach Zypern entführt - Fast alle Passagiere frei

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Mehrere Stunden nach der Landung durften einige Menschen die Maschine verlassen. Foto: Katia Christodoulou

Ein ägyptisches Passagierflugzeug wird zur Landung auf Zypern gezwungen. Mindestens 50 Menschen werden freigelassen, die Verhandlungen mit dem Entführer dauern an. Einen Terrorhintergrund schließt der zyprische Präsident aus.

Nikosia/Kairo (dpa) - Ein Flugzeug der ägyptischen Gesellschaft Egyptair ist auf einem Inlandsflug entführt und zur Landung in der zyprischen Hafenstadt Larnaka gezwungen worden. Dem ägyptischen zivilen Luftfahrtministerium zufolge stellte der Entführer bis zum Mittag keine klaren Forderungen.

Die Verhandlungen mit dem Mann dauerten an. Der Präsident Zyperns, Nikos Anastasiades, schloss einen terroristischen Hintergrund aus. Der Entführer will Medienberichten zufolge mit seiner Ex-Frau - einer Zyprerin - sprechen.

Der Entführer ließ kurz nach der Landung in Larnaka fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder frei. Nach ägyptischen Angaben befanden sich noch sieben Geiseln in seiner Gewalt - der Flugkapitän, der Co-Pilot, eine Flugbegleiterin, ein Sicherheitsangestellter und drei Passagiere.

Unter den 55 Fluggästen hätten sich auch Ausländer befunden, sagte Minister Scherif Fathi. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums ist unter den Geiseln auch ein 56 Jahre alter Niederländer, das Außenministerium in Rom bestätigte, dass eine italienische Geisel an Bord war.

Der Airbus mit der Flugnummer 181 war auf dem Weg von Alexandria nach Kairo. Die Sicherheit an ägyptischen Flughäfen war im vergangenen Jahr in die Kritik geraten. Ende Oktober detonierte in einem vom Badeort Scharm el Scheich gestarteten russischen Urlaubsflieger eine Bombe. Die Maschine stürzte über der Sinai-Halbinsel ab. Alle 224 Insassen starben. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich zu der Tat bekannt.

Die Piloten des Egyptair-Flugzeugs sollen dem zyprischen Staatsfernsehen RIK zufolge am frühen Morgen bei den Fluglotsen in Larnaka eine außerplanmäßige Landung wegen einer Entführung beantragt haben. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Maschine im zyprischen Flugkontrollraum. Die Maschine sei um 08.46 Uhr Ortszeit (07.46 Uhr MESZ) in Larnaka gelandet. Nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministeriums drohte der Entführer mit einem Sprengstoffgürtel. Es sei aber noch unklar, ob es sich dabei um eine echte Bombe oder um eine Attrappe handele.

"Die Entführung hatte keinen terroristischen Hintergrund", sagte Zyperns Präsident Anstasiades im Fernsehen. Auch das Staatsfernsehen RIK berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Mann habe die Maschine allen Anzeichen nach aus persönlichen Gründen in seine Gewalt gebracht. Er soll von der Polizei gefordert haben, einen Brief an seine Ex-Frau zu übergeben, die in Larnaka lebe. Der Entführer habe einen Brief an seine Ex-Frau aus einem Fenster des Flugzeugs geworfen. Die Sicherheitsbehörden suchten die Frau, um sie zum Flughafen zu bringen.

Nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens handelt es sich bei dem Entführer angeblich um einen Ägypter, Ibrahim S. Ein veröffentlichtes Foto soll ihn an Bord der Maschine zeigen.

Auf TV-Bildern war zu sehen, wie etwa eine Stunde nach der Landung Dutzende Menschen über eine Treppe aus der vorderen Tür des Flugzeuges aussteigen konnten. Die Passagiere hatten zum Teil Handgepäck dabei und wurden mit einem Bus zum Flughafengebäude gebracht. Reporter berichteten auf dem Flughafen von Larnaka übereinstimmend, mindestens 50 Menschen seien ausgestiegen.

Zur Zahl der Menschen an Bord der Maschine gab es unterschiedliche Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur CNA sprach von 55 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern, das ägyptische Ministerium gab die Zahl der Passagiere mit 81 an. Egyptair sprach von 56 Passagieren, 7 Crewmitgliedern und einem Sicherheitsbeamten.

Israel ließ wegen des entführten Flugzeugs Luftwaffenjets aufsteigen. Damit sollte sichergestellt werden, dass die entführte ägyptische Passagiermaschine nicht in den israelischen Luftraum eindringt, wie die israelische Nachrichtenseite "Haaretz" berichtete. Die Militärflugzeuge seien mittlerweile wieder gelandet. Die Armee wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Zypern habe einen Krisenstab gebildet und stehe in Kontakt zu den ägyptischen Behörden, berichtete das zyprische Staatsfernsehen. Der Flughafen Larnaka wurde nach Angaben des Staatsfernsehens geschlossen. Alle Flüge nach Zypern würden zum Flughafen von Paphos im Westen der Insel umgeleitet, hieß es.

Egyptair auf Twitter (engl.) - noch vier Ausländer in der Maschine

Egyptair auf Twitter (arabisch) - noch fünf Ausländer in der Maschine

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