Berlusconi auf Richtergeheiß beim Arzt

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“Kein Kommentar“, erklärt Silvio Berlusconi beim Verlassen des Mailänder Hospitals San Raffaele nach einer 15-minutigen Visite.

Mailand - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich am Montag einem Arztbesuch auf Anordnung eines Richters unterzogen.

Dabei ging es darum, von einem unabhängigen Mediziner die Heilungszeit der Verletzungen feststellen zu lassen, die der Regierungschef bei der Wurfattacke auf ihn vor Weihnachten davongetragen hatte. Wie italienische Medien berichteten, ordnete der Richter Armando Spataro die Kontrolle an, weil Kritiker die von Berlusconis behandelndem Arzt verordneten 90 Tage der Genesung angezweifelt hatten.

Die Attacke auf Berlusconi

Der nach einem tätlichen Angriff bei einer Wahlveranstaltung in Mailand im Gesicht verletzte italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Nacht im Krankenhaus verbracht. © dpa
Berlusconi müsse für mindestens 24 Stunden unter Beobachtung bleiben, hatten Ärzte des Mailänder San-Raffaele- Krankenhauses nach der Tat am Sonntagabend mitgeteilt. © dpa
Ein vermutlich psychisch kranker Mann (Foto) hatte Berlusconi einen schweren Gegenstand - offensichtlich ein Souvenirmodell des Mailänder Doms - ins Gesicht geworfen. © dpa
Dabei wurde das Nasenbein des 73-Jährigen angebrochen und zwei seiner Zähne beschädigt. © dpa
Außerdem erlitt er eine stark blutende Wunde an der Lippe. © dpa
Der 42-jährige mutmaßliche Täter wurde unmittelbar nach der Tat überwältigt und festgenommen. Der Mann aus Mailand sei bisher lediglich durch Verkehrsvergehen aufgefallen, teilten die Behörden nach seiner Vernehmung mit. Allerdings soll er wegen psychologischer Probleme seit zehn Jahren in Behandlung sein. © dpa
Nach der Tat mitten im Zentrum von Mailand wurde der stark blutende Ministerpräsident von Personenschützern in einem Auto in Sicherheit gebracht und in die Klinik gefahren. © dpa
Im Krankenhaus angekommen, versprühte er bereits wieder seinen bekannten Optimismus: “Mir geht es gut, mir geht es gut“, sagte Berlusconi, als er von der Notaufnahme auf sein Krankenhauszimmer gebracht wurde. © dpa
Vorsichtshalber sei auch eine Computertomographie gemacht worden, teilten die Ärzte mit. © dpa
Der wegen seiner Politik und privater Affären heftig umstrittene Ministerpräsident war in Mailand, um eine Mobilisierungskampagne seiner Partei Pdl (Volk der Freiheit) für die Regionalwahlen im März anzuführen. Bei öffentlichen Auftritten des Ministerpräsidenten gab es schon häufiger Protestaktionen. © dpa
Vertreter des regierenden konservativen Lagers machten ein “Klima der Konfrontation und des Hasses“ gegen Berlusconi für den Vorfall verantwortlich. Umberto Bossi von der Lega Nord sprach von einem “terroristischen Akt“. Auch die linke Opposition verurteilte die Gewalt gegen den Regierungschef. © dpa

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“Kein Kommentar“, erklärte der 73-jährige Medienmogul beim Verlassen des Mailänder Hospitals San Raffaele nach einer 15-minutigen Visite. Befürworter des Ministerpräsidenten hatten die richterliche Anordnung zuvor als “an der Grenze der Vernunft“ scharf kritisiert. Auf der Internet-Plattform YouTube im weltweiten Netz kursieren schon seit längerem die abstrusesten Theorien über das Attentat - darunter auch Video-Rekonstruktionen, die den Vorfall widerlegen wollen.

Der umstrittene italienische Regierungschef war Mitte Dezember nach einer Wahlveranstaltung in Mailand von Massimo Tartaglia, einem 42-jährigen psychisch labilen Italiener, angegriffen worden. Tartaglia hatte ihm eine Souvenir-Nachbildung des Mailänder Doms ins Gesicht geworfen. Dabei erlitt Berlusconi Platzwunden an der Lippe und einen Bruch der Nasenscheidewand. Außerdem wurden zwei Vorderzähne abgebrochen.

Mit dickem Verband: Berlusconi aus Klinik entlassen

Silvio Berlusconi hat das Krankenhaus in Mailand wieder verlasssen. Mit einem dicken Verband im Gesicht. © ap
Silvio Berlusconi hat das Krankenhaus in Mailand wieder verlasssen. Mit einem dicken Verband im Gesicht. © ap
Silvio Berlusconi hat das Krankenhaus in Mailand wieder verlasssen. Mit einem dicken Verband im Gesicht. © ap
Silvio Berlusconi hat das Krankenhaus in Mailand wieder verlasssen. Mit einem dicken Verband im Gesicht. © dpa
Silvio Berlusconi hat das Krankenhaus in Mailand wieder verlasssen. Mit einem dicken Verband im Gesicht. © dpa
Silvio Berlusconi hat das Krankenhaus in Mailand wieder verlasssen. Mit einem dicken Verband im Gesicht. © dpa

Berlusconi zog sich nach mehreren Tagen im Krankenhaus für knapp einen Monat aus dem öffentlichen Leben zurück. Tartaglia wurde zunächst festgenommen und dann später in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

dpa

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