Bill Moeller im tz-Interview

Wir dachten, wir sind beliebt

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Ist schockiert über die weltweiten islamistischen Angriffe auf US-Einrichtungen: Münchens neuer Generalkonsul Bill Moeller beim tz-Besuch

München - Münchens neuer US-Statthalter Bill Moeller spricht im tz-Interview über Bayern, den US-Wahlkampf und die Islam-Krawalle.

Seit einem Monat ist der neue Generalkonsul Bill Moeller nun in München – als Nachfolger des quirligen, allseits ­beliebten Conrad Tribble. Eine der ersten „Amtshandlungen“ des neuen US-Statthalters war der Gang ins Trachtengeschäft: Für seinen ersten Wiesn-Besuch braucht Moeller natürlich eine Lederhosn. „Mein 16-Jähriger Sohn Matthew sperrt sich noch etwas gegen die bayerische Tracht“, ­erzählt der Vater von drei Kindern lachend. Seine beiden erwachsenen Kinder April (22) und Andrew (18) studieren in den USA. Moeller kennt Bayern schon aus seiner Soldatenzeit in Bad Tölz, wo er nicht nur gut Deutsch lernte – sondern auch Skifahren, wie er beim Redaktionsbesuch in der tz erzählte:

Jetzt sind die Berge ja vor der Haustür…

Bill Moeller: Als ich Mitte der 80er-Jahre als Soldat in Bad Tölz war, war ich jedes Wochenende am Brauneck auf der Piste – wir Soldaten haben kostenlose Skipässe bekommen. Wir sind schon frühmorgens losgefahren, ehe die Münchner kamen. Ich freue mich, jetzt wieder den Bergen so nah zu sein.

Ihr Name klingt sehr deutsch…

Moeller: Ich habe deutsche Vorfahren, leider weiß ich nicht viel über sie. Mein Vater hat erzählt, sie seien aus Stuttgart gekommen. Ich weiß nur, dass sie schon im 19. Jahrhundert in die USA ausgewandert sind.

Sie waren vor Ihrer Ankunft in Deutschland Leiter des Wiederaufbauteams in der afghanischen Provinz Kundus. Da haben Sie die islamische Kultur gut kennengelernt – verstehen Sie den Aufstand wegen des anti-islamischen Schmähvideos?

Moeller: Wir waren überrascht über diesen Gewaltausbruch, denn wir hatten gedacht, wir seien in Libyen beliebt. Schließlich haben wir den Menschen dort geholfen, sich von Gaddafi zu befreien. Aber dieser Angriff gegen das Konsulat war eine Attacke einer kleinen, radikalen Minderheit. Da steht weder die Regierung in Tripolis noch die breite Masse der Bevölkerung dahinter. Deshalb werden wir unsere Arbeit, den Libyern zu helfen, fortsetzen: Wir werden unser Konsulat in Bengasi wieder öffnen. Diese Minderheit darf uns nicht von unserem Ziel abbringen, gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu fördern.

Wird die diplomatische Arbeit schwieriger, falls Mitt Romney die US-Präsidentschaftswahl gewinnen sollte? Schließlich hat er ja schon im Wahlkampf Äußerungen gemacht, wonach gegenüber der islamischen Welt ein schärferer Kurs gefahren werden sollte…

Moeller: Ob Obama wieder gewählt wird oder Romney: Unsere diplomatische Aufgabe wird weiterlaufen. Normalerweise gibt es viel Kontinuität zwischen demokratischen und republikanischen Präsidenten. Im Wahlkampf werden die Meinungsverschiedenheiten laut herausgekehrt – aber letztendlich sind sich Republikaner und Demokraten in der Außenpolitik weitgehend einig.

Trotzdem waren die deutsch-amerikanischen Beziehungen unter George W. Bush und Gerhard Schröder sicher schwieriger. Gibt es noch Nachwehen dieses damaligen Streits?

Moeller: Diese alten Probleme sind seit Langem überwunden. Es war eine schwierige Phase, aber das ist vorbei. Meinungsverschiedenheiten wird es natürlich immer wieder mal geben, aber das Wichtigste ist: Wir teilen die gleichen Werte.

Es gibt ja Experten, die sagen, die Zukunft liegt in Asien, Europa ist gar nicht mehr interessant für die USA…

Moeller: Außenministerin Clinton hat das bei der Sicherheitskonferenz in München gut erklärt: Europa bleibt die erste Adresse. Klar, in der Pazifik-region gibt es eine große Herausforderung. Aber gerade für diese Herausforderungen brauchen wir einen engen Freund. Die EU bleibt unser bester Partner in der Welt. Präsident Obama und Kanzlerin Merkel telefonieren alle zwei, drei Wochen miteinander…

Henry Kissinger soll ja mal gesagt haben: Europa hat keine Telefonnummer, an die sich die USA im Zweifel wenden kann. Hat die EU jetzt eine Nummer: Merkels?

Moeller: Es gibt immer noch nicht die eine Nummer für Europa – aber die Nummer der Kanzlerin ist sicher eine der wichtigsten, die der Präsident hat.

Interview: Iris Spiegelberger, Klaus Rimpel

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