Blauhelme in Syrien in Gefahr

+
Blauhelme der UN.

Damaskus - Das Blutvergießen in Syrien wird schlimmer. Die unbewaffneten UN-Beobachter drohen zwischen die Fronten zu geraten. Die EU versucht, dem Assad-Clan den Nachschub an Import-Luxusgütern abzuschneiden.

Der Chef der UN-Beobachtermission in Syrien (UNSMIS), Robert Mood, hat vor einer gefährlichen Zuspitzung des Konflikts im arabischen Mittelmeerland gewarnt. “In den letzten zehn Tagen ist die Gewalt intensiver geworden, mit erheblichen Risiken für unsere Beobachter“, erklärte Mood in einer Mitteilung, die am Freitag am UN-Sitz in New York veröffentlicht wurde. Für die Eskalation machte er beide Konfliktparteien verantwortlich, die Sicherheitskräfte von Präsident Baschar al-Assad und die bewaffneten Aufständischen.

Die unbewaffnete UN-Mission in Syrien diene dazu, um bei der Umsetzung des Friedensplans von UN-Vermittler Kofi Annan zu helfen, fügte er hinzu. Mood, ein norwegischer Generalstabsoffizier mit reicher UN-Erfahrung, appellierte sowohl an die Konfliktparteien als auch an die internationale Gemeinschaft, der Mission die Chance zu geben, ihren Auftrag zu erfüllen.

Der arabische Frühling: In diesen Ländern wird rebelliert

Der „arabische Frühling“: In diesen Ländern wurde rebelliert

Annans Plan sieht vertrauensbildende Maßnahmen vor, darunter den Abzug der Regimekräfte aus Siedlungsgebieten und den Verzicht der Aufständischen auf Angriffsoperationen. Nach den Massakern, die die Regimetruppen Ende des Vormonats an Zivilisten in der Umgebung von Homs verübt hatten, hatten viele den Annan-Plan für gescheitert erklärt.

Die Kämpfe zwischen Regime-Streitkräften und Aufständischen hielten auch am Freitag mit unverminderter Heftigkeit an. Aktivisten berichteten von intensiven Gefechten in den Provinzen Deir as-Saur, Homs, Aleppo und Damaskus-Land. Sicherheitskräfte griffen erneut unbewaffnete Oppositionelle an, die nach dem Freitagsgebet in mehreren Städten auf die Straße gingen, um gegen das Regime zu demonstrieren.

Bis zum Nachmittag zählten syrische Aktivisten 26 Tote durch Angriffe und Razzien der Regierungstruppen. Der Syrische Nationalrat meldete, am Vortag seien landesweit etwa 80 Regimegegner und unbeteiligte Zivilisten getötet worden. Die Staatsmedien berichteten von einer Explosion vor der Chalid-bin-al-Walid-Moschee in der Ortschaft Busra al-Scham in der Nähe der jordanischen Grenze.

Aktivisten erklärten, die Regierungstruppen hätten eine Granate auf eine Gruppe von Männern abgefeuert, die nach dem Gebet vor der Moschee demonstriert hätten. Sie veröffentlichten ein Video, auf dem mehrere Tote und Verletzte zu sehen sind, die vor einer Moschee in ihrem Blut auf der Straße liegen.

In Damaskus explodierte vor einem Flüchtlingslager für Palästinenser ein Sprengsatz. Nach Angaben von Augenzeugen wurden sechs Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt, die den Eingang zu dem Jarmuk-Lager kontrollierten.

Die Europäische Union (EU) versucht derweil, den syrischen Machthabern ihren luxuriösen Lebenswandel durch Sanktionen zu vergällen. Für sich und seine Familie darf Assad in der EU keinen Kaviar und keine Trüffel mehr kaufen. Auch teure Schuhe, Uhren und Autos stehen auf einer Liste von Luxusgütern, die wegen der blutigen Unterdrückung der Opposition nicht mehr an den Assad-Clan verkauft werden dürfen. Die EU-Außenminister hatten die Luxus-Sanktionen bereits am 23. April beschlossen - mit der jetzt beschlossenen Liste treten sie vom Sonntag an offiziell in Kraft.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Bruder des Attentäters bestätigt: „Salman war Mitglied des IS“
Bruder des Attentäters bestätigt: „Salman war Mitglied des IS“

Kommentare