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Johnson-Rücktritt: Datum für Nachfolger-Bekanntgabe steht - der Weg bis dahin ist spektakulär

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Von: Bedrettin Bölükbasi, Stephanie Munk, Felix Durach, Fabian Müller

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Boris Johnson gibt sein Amt als Partei- und als Regierungschef auf. Die Nachfolge wird in einem längeren Prozedere geklärt. Der News-Ticker.

Update vom 11. Juli, 22.15 Uhr: Wer Nachfolger des scheidenden britischen Premierministers Boris Johnson werden will, muss hohe Hürden überwinden. Die regierende Tory-Partei legte fest, dass Bewerber mindestens 20 Unterstützer aus der eigenen Fraktion vorweisen müssen, um an dem Auswahlverfahren teilzunehmen. Das teilte der Vorsitzende des für die Wahl zuständigen Komitees, Graham Brady, mit. Im Laufe des Dienstags werden Bewerbungen entgegengenommen. Bislang haben elf Politiker der Konservativen ihre Kandidatur angekündigt, zuletzt Außenministerin Liz Truss und Staatssekretär Rehman Chishti.

Noch am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche sollen die ersten beiden Abstimmungsrunden in der Fraktion stattfinden. Die erste Runde übersteht demnach nur, wer mindestens 30 Stimmen von konservativen Abgeordneten erhält. Üblicherweise fällt in jeder weiteren Runde der Letztplatzierte raus. Das Prozedere wird dann so lange wiederholt, bis nur noch zwei Kandidaten übrig sind. Wer den Posten des Parteichefs und damit des Premiers von Johnson übernimmt, entscheiden die Parteimitglieder in einer Briefwahl über den Sommer.

Update vom 11. Juli, 21.05 Uhr: Das Datum für die Bekanntgabe des neuen britischen Premierministers steht fest. Wie die regierende konservative Tory-Partei mitteilte, wird der Nachfolger des scheidenden Boris Johnson am 5. September ernannt.

Update vom 10. Juli, 15.10 Uhr: Die Zahl der Bewerber um den Posten des britischen Premierministers und damit Nachfolgers des scheidenden Boris Johnson ist auf neun gestiegen. Am Samstag hatten mit dem zurückgetretenen Gesundheitsminister Sajid Javid, Finanzminister Nadhim Zahawi sowie dem ehemaligen Gesundheits- und Außenminister Jeremy Hunt drei politische Schwergewichte ihre Kandidatur erklärt. Nun wirft auch Außenhandelsstaatssekretärin Penny Mordaunt ihren Hut in den Ring.

Update vom 9. Juli, 14.35 Uhr: Vier potenzielle Nachfolger gibt es für Boris Johnson bereits. Verteidigungsminister Ben Wallace wird jedoch nicht unter ihnen sein. Er galt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Er teilte am Samstag mit, er habe „nach umsichtiger Überlegung und Diskussion mit Kollegen und Familie“ entschieden, sich nicht am Bewerbungsprozess zu beteiligen.

„Es war keine einfache Wahl, aber mein Fokus liegt auf meinem aktuellen Job und dieses großartige Land sicher zuhalten.“ Eine Empfehlung sprach Wallace, der in Umfragen unter Anhängern der Konservativen Partei vorne liegt, nicht aus.

Potenzielle Johnson-Nachfolger: Auch Ex-Gleichstellungsministerin Badenoch kündigt Kandidatur an

Update vom 9. Juli, 11.10 Uhr: Für die Nachfolge des britischen Premierministers Boris Johnson als Chef der Konservativen Partei bewerben sich bisher vier Abgeordnete. Zuletzt kündigte die bisherige Gleichstellungs-Staatssekretärin Kemi Badenoch in einem Gastbeitrag für die Zeitung The Times (Samstag) ihre Kandidatur an. Sie wolle den Menschen wieder die Wahrheit sagen, schrieb die 42-Jährige, die am Mittwoch zurückgetreten war, unter Verweis auf die monatelangen Skandale und Affären um Johnson.

Als Gleichstellungsministerin war Badenoch selbst wegen Verzögerungen bei einem Verbot der Konversionstherapie in die Kritik geraten. Sie ist eine der fast 60 Abgeordneten und Regierungsvertreter, die in dieser Woche zurücktraten. Bislang gilt Sunak als Favourit, Badenoch als Außenseiterin.

Potenzielle Johnson-Nachfolger positionieren sich - auch Ex-Finanzminister Sunak

Update vom 8. Juli, 20.05 Uhr: Im Rennen um die Nachfolge des scheidenden Premierministers Boris Johnson hat Ex-Finanzminister Rishi Sunak seinen Hut in den Ring geworfen. Sunak hatte erst am Dienstag seinen Posten als Schatzkanzler aus Protest gegen die Führungsrolle Johnsons aufgegeben und damit eine Welle von Rücktritten in der konservativen Regierungsfraktion ausgelöst. „Lasst uns Vertrauen wiederherstellen, die Wirtschaft wieder aufbauen und das Land wieder zusammenbringen“, schrieb Sunak in einer Botschaft auf Twitter. Dazu postete er ein hochwertiges Video mit seiner Familiengeschichte.

Sunak galt einst als aussichtsreichster Kandidat für die Johnson-Nachfolge. Er profitierte vor allem von der Popularität des sogenannten Furlough-Programms, einer der deutschen Kurzarbeit nachempfundenen Maßnahme, die während der Pandemie Millionen Menschen vor dem Jobverlust bewahrte. Sein Ansehen litt jedoch beträchtlich, als sich herausstellte, dass seine schwerreiche Ehefrau von einem legalen Steuersparmodell profitierte.

Update vom 8. Juli, 6.49 Uhr: Nach dem Rücktritt des britischen Premierministers Boris Johnson als Parteivorsitzender der konservativen Tories hat der erste Kandidat für eine Nachfolge seinen Hut in den Ring geworfen. Der bekannte Tory-Abgeordnete Tom Tugendhat kündigte am Donnerstagabend in der Zeitung Daily Telegraph an, sich auf die Nachfolge Johnsons zu bewerben. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des britischen Unterhauses erklärte, er wolle eine "breite Koalition" für einen "Neustart" schmieden.

"Ich habe schon gedient - in den Streitkräften und jetzt im Parlament", schrieb der 49-jährige ehemalige Armeeoffizier. Nun wolle er seinem Land als Premierminister dienen.

Die Frisur sitzt nicht, aber vielleicht gelingt Boris Johnson doch die Flucht.
Die Frisur sitzt nicht, aber vielleicht gelingt Boris Johnson doch die Flucht. © Stefan Rousseau/dpa

Medienberichte über Mega-Hochzeit: Hängen Pläne mit Johnson-Rücktritt zusammen?

Update vom 7. Juli, 21.25 Uhr: Boris Johnson wählt bei seinem Rückzug aus der ersten politischen Reihe die Salamitaktik - erst der Rücktritt als Tory-Chef, später soll dann der Abschied als Premierminister folgen. Das könnte mit seinen Hochzeitsplänen zusammenhängen. So berichten es zumindest der Daily Mirror, der Guardian und andere britische Medien.

Am 30. Juli will Johnson in Chequers, dem offiziellen Landsitz des britischen Premierministers, die Vermählung mit seiner Frau Carrie groß feiern. Beide hatten wegen der Corona-Beschränkungen im Mai 2021 im kleinen Kreis geheiratet, 30 Gäste waren damals zu einer Gartenparty in die Downing Street eingeladen. Nun seien die Einladungen für das Event in Chequers bereits verschickt, schreiben die Medien.

Auch ein Versprecher deutet darauf hin, dass Johnson in seiner Rücktrittsrede das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert im Sinn hatte: Als er vor seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street seinen Rücktritt bekannt gab, bedankte er sich bei seinen „wunderbaren Mitarbeitern hier in Chequers“.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei kommentierte die Vorwürfe ironisch. „Auch wenn wir alle gerne ein rauschendes Hochzeitsfest auf Kosten des Steuerzahlers in Chequers haben würden, wird er das nicht tun können, weil die britische Öffentlichkeit es abscheulich finden wird“, sagte Khan im Sender LBC Radio.

Update vom 7. Juli, 15.45 Uhr: Europaabgeordnete sehen Licht und Schatten im angekündigten Rückzug des britischen Premierministers Boris Johnson. „Es ist überfällig, dass Johnson zurücktritt. Seine Amtszeit als Premierminister war eine Katastrophe für die Beziehungen zwischen der EU und UK“, teilte etwa die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses im Europaparlament, Anna Cavazzini (Grüne), mit. Er habe Konflikte mit der EU systematisch als Ablenkungsmanöver genutzt, um von den hausgemachten Skandalen abzulenken.

„Entscheidend ist, dass das Vereinigte Königreich weiterregiert werden kann“, betonte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des EU-Parlaments, David McAllister (CDU). Beide Abgeordneten hatten vor allem mit der Regierung in London zu tun, als Streitigkeiten zwischen der EU und Großbritannien um Brexit-Regeln für die britische Provinz Nordirland ausbrachen. Dennoch gehen sie nicht davon aus, dass sich diese Linie unter einem neuen Regierungschef oder einer neuen Regierungschefin großartig ändern wird.

Die Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament, Iratxe García, sagte, die Amtszeit Johnsons habe die Beziehungen zu Großbritannien auf einen historischen Tiefpunkt gesenkt. „Sein längst überfälliger Rücktritt muss einen Wendepunkt markieren.“ Das Vereinigte Königreich habe etwas Besseres verdient. An eine mögliche Nachfolge gerichtet, sagte sie: „Hören Sie bitte auf, Brücken zu uns abzubrechen, fangen Sie bitte an, sie zu bauen.“

Boris Johnson verkündet Rücktritt - „ganz klarer Wille des Parlaments“

Update vom 7. Juli, 13.45 Uhr: „Es ist natürlich schmerzhaft, dass es nicht weitergehen kann, nachdem wir viele Projekte vorangebracht haben“, führt Johnson an. Doch in der Politik sei niemand „unersetzbar“, gesteht er. Nun werde das britische System „einen neuen führenden Politiker hervorbringen, der dieses Land durch schwere Zeiten bringen wird“, erklärt der zurücktretende Premierminister. Dem künftigen Regierungschef sichert Johnson „so viel Unterstützung wie möglich“ zu. „Ich möchte Ihnen sagen, dass ich traurig bin, diesen Job aufzugeben“, fügt er hinzu. Es handle sich dabei um „den besten Job der Welt“. Er bedankt sich beim britischen Volk und versichert, dass man die Interessen des Vereinigten Königreichs weiterhin schützen werde, bis ein neuer Premierminister gewählt ist.

Update vom 7. Juli, 13.40 Uhr: Nun begründet Johnson, warum er in den letzten Tagen großen Widerstand gegen einen Rücktritt geleistet hat: „Weil es meine Arbeit ist. Meine Aufgabe und meine Verpflichtung Ihnen gegenüber, mit dem weiterzumachen, was wir 2019 versprochen haben.“ Er sei sehr stolz auf den Brexit, betont Johnson. Mit dieser Regierung habe man Gesetze im Parlament durchgesetzt und das Land durch die Corona-Pandemie gebracht. „In Europa sind wir die Schnellsten gewesen, die aus dem Lockdown herausgekommen sind“, so Johnson. Außerdem sei man im Westen an der Spitze des Kampfes gegen Putin.

Update vom 7. Juli, 13.35 Uhr: Unter Beifall von wenigen Abgeordneten, die ihn unterstützen, aber auch Buh-Rufen, beginnt Boris Johnson seine Rede. „Es ist nun ganz klar der Wille des Parlaments, dass ein neuer Führer in dieser Partei und auch ein neuer Premierminister da sein soll“, sagt Johnson. Er sei damit einverstanden, „einen neuen Premierminister zu wählen“. Bereits nächste Woche werde man den Zeitplan hierfür verkünden. Johnson kündigt an: „Ich werde so lange am Platz bleiben, bis ein neuer Premierminister gewählt ist“.

Update vom 7. Juli, 13.30 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson tritt nun vor die Presse.

Update vom 7. Juli, 13.10 Uhr: Die erwartete Rede des britischen Premierministers Boris Johnson wurde laut dem britischen Sender Sky News um eine halbe Stunde verschoben. Johnson soll nun um 13:30 Uhr vor die Presse treten und seinen Rücktritt verkünden.

Zudem wird in London und der britischen Presse darüber gerätselt, ob Johnson bereits ein Gespräch mit der Queen hatte. Die nationale Nachrichtenagentur PA Media berichtete, der Buckingham-Palast habe auf eine entsprechende Anfrage nicht geantwortet.

Johnson-Rücktritt erwartet - britischer Premierminister will vor Abgang noch neue Minister ernennen

Update vom 7. Juli, 12.32 Uhr: Unmittelbar vor seinem erwarteten Rücktritt als Chef der Konservativen Partei will Johnson neue Kabinettsmitglieder ernennen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen in London.

Kommentatoren werten die Ankündigung als Zeichen, dass Johnson als Übergangspremier weitermachen will, obwohl ihn zahlreiche Parteifreunde zum sofortigen Rückzug auffordern.

Derzeit gibt es kein funktionierendes Kabinett in Großbritannien, nachdem bisher fünf Minister sowie Dutzende Staatssekretäre und andere konservative Mandatsträger aus Protest gegen Johnson zurückgetreten sind.

Johnson will als Parteichef zurücktreten - Abgeordnete fordern auch sofortigen Rücktritt als Premier

Update vom 7. Juli, 12.23 Uhr: Bisher berichten britische Medien, dass Johnson vorhat, bis zur Wahl eines neuen Parteichefs im Herbst Premierminister zu bleiben. Doch es ist zunehmend unwahrscheinlich, dass er sich noch so lange im Amt halten kann. Britische Journalisten berichteten von zahlreichen konservativen Abgeordneten, die sich für eine sofortige Ablösung Johnsons an der Spitze der Regierung aussprechen.

Üblicherweise bleibt der scheidende Premier solange im Amt, bis ein Nachfolger gewählt wird. Dies wäre im Herbst auf dem Parteitag der Tories der Fall. Doch dagegen regt sich wohl Widerstand.

Als Übergangspremier käme Johnsons Stellvertreter Dominic Raab infrage. Der Justizminister hielt jedoch bis zuletzt treu zu Johnson. Mehrere Kabinettsmitglieder gelten als potenzielle Nachfolger. Außenministerin Liz Truss brach Berichten zufolge ihre Reise zum G20-Gipfel nach Bali ab und reist nach London zurück. Sie gilt als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen.

Großbritanniens Außenministerin Liz Truss.
Großbritanniens Außenministerin Liz Truss während einer Pressekonferenz in Vilnius. © Uncredited/AP/dpa

Boris Johnson tritt offenbar zurück: Russland hofft auf „professionellere Leute“

Update vom 7. Juli, 12.15 Uhr: Auch Russland hat sich nun zum sich abzeichnenden Rücktritt von Boris Johnson geäußert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ließ ausrichten: „Wir hoffen, dass eines Tages in Großbritannien professionellere Leute an die Macht kommen, die Entscheidungen im Dialog treffen können.“ Derzeit gebe es jedoch „wenig Hoffnung darauf“.

Update vom 7. Juli, 11.49 Uhr: Der britische Oppositionschef Keir Starmer sprach mit Blick auf Johnsons angekündigten Rücktritt als Parteichef der Konservativen von einer „guten Nachricht“. Was das Land jetzt brauche, sei aber „kein Wechsel an der Spitze der Tories. Wir brauchen einen echten Regierungswechsel“, forderte der linksgerichtete Labour-Politiker.

Boris Johnson will um 13 Uhr Erklärung abgeben - Rücktritt erwartet

Update vom 7. Juli, 11.25 Uhr: Wie der Nachrichtensender ntv berichtet, wird Boris Johnson um 13 Uhr deutscher Zeit vor die Presse treten und seinen Rücktritt verkünden. Fraglich ist, ob Johnson nur als Parteivorsitzender zurücktritt oder auch sein Amt als Premierminister abgibt. Wie britische Medien berichten, will Johnson wohl noch bis Herbst Regierungschef bleiben.

Die größten Skandale um Boris Johnson sind hier nachzulesen.

Update vom 7. Juli, 10.40 Uhr: Der Regierungssitz 10 Downing Street erklärte, Johnson wolle sich noch am Donnerstag (7. Juli) an die Nation wenden. Offenbar bereitet Johnson gerade seine Erklärung vor.

Der britische Premierminister Boris Johnson will nach einer Revolte gegen ihn sein Amt als Parteichef abgeben.
Der britische Premierminister Boris Johnson. © Justin Tallis/PA Wire/dpa

Britische Medien: Premierminister Johnson tritt zurück

Update vom 7. Juli, 10.13 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson will noch heute von seinem Amt als Tory-Parteichef zurücktreten. Das berichtet die BBC unter Berufung auf Regierungskreise. Er wäre damit in Kürze auch sein Amt als Regierungschef los. Laut dem britischen Sender will Johnson noch bis Herbst Premierminister bleiben, bis ein neuer Parteichef der Tories auf dem Parteitag gefunden worden sei.

Johnson massiv unter Druck: Neuer Finanzminister fordert Premierminister zum Rücktritt auf

Update vom 7. Juli, 10 Uhr: Der erst am Dienstag (5. Juli) ins Amt berufene britische Finanzminister Nadhim Zahawi hat Premierminister Johnson öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. „Premierminister, in Ihrem Herzen wissen sie, was das Richtige ist. Gehen Sie jetzt“, schrieb Zahawi in einem auf Twitter veröffentlichten Brief an Johnson.

Zudem trat die neue britische Bildungsministerin nach nur zwei Tagen im Amt zurück, wie die Nachrichtenagentur AFP meldet.

Rücktrittswelle in Großbritannien: Mehr als 40 Minister bereits aus Protest zurückgetreten

Update vom 7. Juli, 8.50 Uhr: Der Druck auf den britischen Premierminister Boris Johnson, sein Amt niederzulegen, wächst weiter. Am Donnerstag trat mit Nordirland-Minister Brandon Lewis bereits das vierte Kabinettsmitglied von seinem Posten zurück. Er galt als ultra-loyal zu Johnson.

Lewis hatte sich laut Medienberichten hinter eine Delegation von Kabinettsmitgliedern gestellt, die Johnson am Mittwochabend zum Rücktritt aufgefordert hatten. Der Premier hatte dies abgelehnt.

Nordirland-Minister Brandon Lewis trat aus Protest gegen Boris Johnson zurück.
Nordirland-Minister Brandon Lewis trat aus Protest gegen Boris Johnson zurück. © Jeff Overs/BBC/AFP

Die Regierung habe den Punkt überschritten, an dem eine Umkehr noch möglich sei, schrieb Lewis in einem auf Twitter veröffentlichten Brief. „Ich kann nicht meine persönliche Integrität opfern, um die Dinge zu verteidigen, wie sie jetzt sind“, betonte der scheidende Minister. Das Land und die konservative Partei „verdienen etwas Besseres“.

Seit Dienstagabend (5. Juli) befindet sich die britische Regierung in Auflösung, mehr als 40 Minister und Regierungsmitarbeiter sind bereits aus Protest gegen Johnson zurückgetreten. Johnson lehnt einen Amtsverzicht dennoch bislang ab.

Krise in Großbritannien: Johnson entlässt alten Weggefährten

Update vom 6. Juli, 22.45 Uhr: Der zunehmend unter Druck stehende britische Premierminister Boris Johnson hat Berichten zufolge seinen alten Weggefährten Michael Gove aus dem Kabinett entlassen. Gove galt als eines der größten Schwergewichte im britischen Kabinett. Er hatte an der Seite Johnsons bereits im Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum 2016 für den EU-Austritt geworben. Das Verhältnis zwischen den beiden war jedoch stets auch von Konkurrenz geprägt. Berichten zufolge hatte sich Gove zuletzt gegen Johnson gestellt und den skandalumwitterten Premier am Mittwochmorgen zum Rücktritt aufgerufen.

Gove hatte in den vergangenen Jahren verschiedene Posten in der Regierung inne. Zuletzt war der konservative Politiker als Minister für Bau- und Wohnung für Johnsons Plan zur Angleichung der Lebensverhältnisse in Großbritannien zuständig. Johnson wurde am Mittwoch mit einer ganzen Reihe von Rücktrittsforderungen aus seiner Fraktion und dem Kabinett konfrontiert. Er kündigte jedoch an, sein Amt nicht freiwillig abgeben zu wollen.

Johnson will sein Amt trotz Druck nicht verlassen - Premierminister warnt vor „Chaos“

Update vom 6. Juli, 21.30 Uhr: Übereinstimmende Berichte von Korrespondenten der britischen Zeitungen The Guardian und The Times unter Berufung auf Quellen aus dem britischen Kabinett und der Regierung bestätigen, dass der britische Premierminister Boris Johnson einen Rücktritt vehement ablehnt. Dies begründet Johnson offenbar mit der Zukunft der Konservativen. Der Premierminister befürchte „Chaos“ und eine „fast sichere Niederlage“ der Konservativen in der nächsten Wahl, berichtete Daily Mail-Korrespondent Jason Groves. Zudem erwarte man heute mindestens einen weiteren Rücktritt aus der Regierung.

The Times-Korrespondent Steven Swinford schrieb auf Twitter, Johnson behaupte, sein Rücktritt würde einen monatelangen „freien Fall“ für die Regierung zur Folge haben. Weiterhin habe er den Ministern gesagt, ein Rücktritt würde das Risiko einer Koalition zwischen der Labour Party und der SNP erhöhen, was die Konservativen für Jahrzehnte außer Kraft setzen würde. „Boris Johnson behauptet, dass er für das Wohl des Landes bleibt und dass es nicht um seine eigenen Interessen geht“, so Swinford in seinem Beitrag auf Twitter. Auch er stellte für heute Nacht weitere Rücktritte in Aussicht.

Johnson verliert immer mehr Unterstützung - dennoch wehrt er sich gegen Rücktritts-Idee

Update vom 6. Juli, 20.40 Uhr: Der britische Premier Boris Johnson verliert immer mehr an Rückhalt in der eigenen Regierung. Wie Medien am Mittwoch berichteten, wollte eine Delegation aus mehreren Kabinettsmitgliedern dem konservativen Premierminister noch am Abend im Regierungssitz 10 Downing Street den Rücktritt nahelegen. Darunter soll unter anderem der erst am Dienstag auf seinen Posten berufene Finanzminister Nadhim Zahawi sein. Sein Vorgänger Rishi Sunak hatte nur Stunden vorher das Amt aus Protest gegen Johnsons Führungsstil niedergelegt.

Auch Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng setze sich inzwischen für einen Rücktritt des Premiers ein, berichtete der Sky-News-Reporter Sam Coates. Berichten zufolge soll sich auch Bau- und Wohnungsminister Michael Gove von Johnson abgewendet haben. Zuvor waren rund drei Dutzend Abgeordnete von ihren Regierungs- und Parteiämtern zurückgetreten. Johnson hatte einen Rücktritt noch am Nachmittag bei einer Befragung in einem Parlamentsausschuss vehement abgelehnt. „Ich werde nicht zurücktreten“, sagte Johnson empört. Er wolle nicht über seine Person, sondern über seine politische Agenda sprechen. An seine Kritiker gerichtet sagte er, sie unterschätzten die Ambitionen von ihm und seinen Mitstreitern.

Johnson-Rücktritt? Britischer Premierminister will trotz Druck weiter Regierunschef bleiben

Update vom 6. Juli, 16.00 Uhr: Trotz des schwindenden Rückhalts in den eigenen Reihen lehnt der britische Regierungschef Boris Johnson einen Rücktritt weiterhin ab. Nach einer Rücktrittswelle innerhalb seiner von Skandalen erschütterten Regierung schloss der Premierminister einen Amtsverzicht aus. „Die Aufgabe eines Premierministers unter schwierigen Umständen, wenn ihm ein kolossales Mandat anvertraut wurde, ist es, weiterzumachen, und das werde ich tun“, sagte Johnson im Parlament.

Während der wöchentlichen Fragerunde im Unterhaus wurde der Regierungschef nicht nur von Abgeordneten der Opposition scharf kritisiert. Auch zwei konservative Parlamentarier forderten Johnson zum Rücktritt auf. Oppositionsführer Keir Starmer warf dem Premierminister vor, er liefere ein „erbärmliches Schauspiel“ ab. Der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei (SNP), Ian Blackford, forderte eine vorgezogene Parlamentswahl.

Nach Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid folgten weitere Rücktritte. Mehr als ein dutzend Regierungsmitglieder legten ihre Posten nieder, unter ihnen Finanz-Staatssekretär John Glenn, Familien-Staatssekretär Will Quince, Schul-Staatssekretär Robin Walker und die dem Verkehrs-Staatssekretär zuarbeitende Abgeordnete Laura Trott. Laut dem britischen Sender BBC sind bislang 24 Minister und Staatssekretäre zurückgetreten.

Johnson unter Druck: Britische Zeitungen sehen „Game over“ für Premierminister

Update 6. Juli, 7.42 Uhr: Nach dem Rücktritt zweier wichtiger Minister sehen britische Zeitungen den konservativen Premierminister Boris Johnson vor dem Aus. Der Regierungschef stehe nach knapp drei Jahren Amtszeit am Abgrund, titelten am Mittwoch gleich mehrere Blätter. Johnsons Zukunft hänge an seidenem Faden, schrieb die Zeitung „Telegraph“.

Die konservative „Times“ forderte in ihrem Leitartikel den Premierminister auf, zum Wohle des Landes zurückzutreten - „Game over“, das Spiel sei aus. „Jeder Tag, den er im Amt bleibt, verstärkt das Chaos“, so die „Times“. Johnson habe keine Autorität mehr. Die konservative Regierung steckt derzeit in einer schweren Krise.

Johnson weiter unter Druck: Zwei Minister reichen Rücktritt ein - „Sie haben mein Vertrauen verloren“

Ursprungsmeldung:

London - Im Zuge des Skandals um sexuelle Belästigung durch ein führendes Tory-Fraktionsmitglied sind in Großbritannien zwei Minister zurückgetreten. Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid kündigten am Dienstagabend ihren Rückzug an und kritisierten Premierminister Boris Johnson scharf.

Ihm sei „klar, dass sich die Situation unter Ihrer Führung nicht ändern wird, und Sie haben deshalb mein Vertrauen verloren“, benannte Gesundheitsminister Javid die Gründe für seine Entscheidungen in seinem Rücktrittsschreiben an Johnson. Auch Finanzminister Sunak sparte in seinem Statement nicht an Kritik an Johnson. Die Öffentlichkeit erwarte „zu Recht, dass die Regierung ordentlich, kompetent und seriös geführt wird“, so Sunak. „Ich glaube, dass diese Standards es wert sind, für sie zu kämpfen, und deshalb trete ich zurück.“

Premierminister Johnson war spätestens seit der sogenannten „Partygate“-Affäre auch in der eigenen Partei nicht mehr unumstritten. Während des Corona-Lockdowns sollen sich gleich mehrere alkoholgeschwängerte Feiern in der Downing Street Nr. 10 - Johnsons Amtssitz – abgespielt haben. Als Reaktion auf die Eskapaden kam es zu einem Misstrauensvotum gegen den 58-Jährigen, das Johnson knapp überstand.

Regierungskrise in Großbritannien: Premierminister nach Sexskandal in der Partei in der Kritik

In den vergangenen Tagen war der Premierminister jedoch durch einen neuen Sexskandal in seiner Partei noch mehr unter Druck geraten: Der stellvertretende Parlamentarische Geschäftsführer der Tory-Partei, Chris Pincher, war Ende vergangener Woche zurückgetreten, nachdem er zwei Männer sexuell belästigt hatte. Dabei wurde bekannt, dass es bereits in der Vergangenheit Vorwürfe gegen Pincher gegeben hatte. Abgeordneter wollte er aber bleiben.

Die Schlinge zieht sich für Boris Johnson weiter zu: Nach dem Rücktritt zweier wichtiger Minister wird auch über seine Nachfolge öffentlich spekuliert.(fd/dpa)

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