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Gewalt gegen Indigene nimmt zu: Bedrohung durch illegale Goldsucher, Krankheiten und Regenwaldzerstörung

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Von: Lisa Kuner

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In dem indigenen Schutzgebiet der Yanomami entstehen immer öfter illegale Minen.
In dem indigenen Schutzgebiet der Yanomami entstehen immer öfter illegale Minen. © Lisa Kuner

Auf Bolsonaros Einladung hin, dringen immer mehr illegale Goldsucher in indigenes Gebiet in Brasilien ein. Sie bringen zahlreiche Probleme mit sich.  

Boa Vista/ Brasilien – Ein grünes Meer, nur unterbrochen durch ein paar Flüsse – das sah man vor wenigen Jahren noch auf vielen Luftbilder, auf denen das indigene Schutzgebiet der Yanomami im Norden von Brasilien überflogen wird. Das Gebiet ist das größte indigene Schutzgebiet in Brasilien, seine Fläche ist doppelt so groß wie die Schweiz. Rund 35.000 Menschen leben in dem Amazonasgebiet.

Indigene Gemeinschaften haben in Brasilien das Recht, ihr eigenes Land ausgewiesen zu bekommen – und dort dann eine relativ große Autonomie: Bergbau ist verboten, für landwirtschaftliche Großprojekte oder neue Infrastruktur müssen sie vorher um Erlaubnis gefragt werden. Präsident Jair Bolsonaro und auch große landwirtschaftliche Betriebe sehen darin eine absolute Verschwendung von Land, auf dem auch wirtschaftliche Werte geschaffen werden können. Bolsonaro sagte darum schon im Wahlkampf, dass er keinen Millimeter indigenes Land mehr auszeichnen würde. Bisher hält er hier Wort – und seit er regiert, stehen alle juristischen Prozesse in diese Richtung still.

Brasilien: Illegale Goldsucher dringen auf Bolsonaros Einladung in indigene Gebiete vor

Auf aktuelleren Fotos und Videos sieht die Natur des Yanomami-Gebiets schon nicht mehr ganz so unberührt aus. Bilder, die die indigenen Schutzorganisation Funai oder Aktivisten teilen, zeigen immer öfter auch illegale Mienen, Flugzeuglandepisten und Schürfgruben. Im Gebiet der Yanomami gibt es nämlich große Goldvorkommen. Seit 2018 gibt es einen starken Anstieg von illegaler Mienenarbeit im Schutzgebiet der Yanomami. „Das generiert unzählbare Probleme für die Indigenen“, sagt Luiz Henrique Reggi Pecora von der Nichtregierungsorganisation Instituto Socioambiental im Norden von Brasilien. „Es gibt beispielsweise eine riesige Malaria-Epidemie durch die illegalen Mienenarbeiter“. Immer wieder sterben auch Indigene daran.

Außerdem steigt auch die Gewalt gegen die Indigenen in der Region immer stärker an. Regelmäßig gibt es gewaltsame Zusammenstöße zwischen den Indigenen und den illegalen Goldsuchern: 182 Indigene wurden in Brasilien 2020 ermordet, ein Anstieg um 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Zwei Yanomami Kinder wurden von illegalen Goldsuchen getötet. Illegale Goldsucher töten“ schreibt ein User auf Twitter.

Schutzschild für den Regenwald

Das alles liegt auch am Narrativ, das die brasilianische Regierung immer wieder verbreitet. Bolsonaro* und seine Anhänger sind nämlich der Meinung, es gebe sowieso schon „zu viel Land für sehr wenige Indigene“ in Brasilien. Mit diesem Narrativ einher, geht auch ein faktisches Versprechen von Straflosigkeit: Die brasilianische Regierung hat sowohl der indigenen Schutzorganisation Funai als auch der Umweltschutzorganisation IBAMA in den vergangenen Jahren systematisch Mittel gestrichen. In Brasiliens nördlichstem Bundestaat Roraima hat die Umweltpolizei beispielweise gerade mal zwei Mitarbeiter. Viel zu wenig, um etwas gegen die illegalen Aktivitäten zu unternehmen.

Die Schutzgebiete sichern nicht nur, dass Indigene ihre traditionellen Lebensweisen beibehalten können. „Die indigenen Gebiete wirken auch wie ein Schutzschild gegen die Abholzung“, erklärt der Jurist Luiz Henrique Reggi Pecora. Auf Karten von Brasilien kann man das sehen – während Brasilien in diesem Jahr die größten Abholzungsraten seit Jahrzehnten verkündet, ist die Natur in den indigenen Schutzgebieten meist noch in Takt.

Die illegalen Goldsucher bedrohen diese Schutzgebiete zunehmend. Zum einen fällen sie Bäume für die ihre Minenarbeiten, zum anderen verwenden sie zum Goldschürfen auch Quecksilber. An vielen Stellen ist das nun bereits im Grundwasser. Inzwischen hat sogar Brasiliens Verwaltung den Ernst der Lage erkannt: Das Verfassungsgericht verlangte in der vergangenen Woche eine Erklärung von der Regierung zur schwierigen Situation der Yanomami. (Lisa Kuner) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Indigene Schutzgebiete:

Indigene Schutzgebiete (Terras Indigenas) garantieren Brasiliens indigenen Gemeinschaften, die Möglichkeit ihre traditionelle Lebensweise beizubehalten. Rund 13 Prozent des brasilianischen Territoriums ist indigenes Land, insgesamt 725 Schutzgebiete gibt es. Viele weitere Auszeichnungsprozesse stehen noch aus. In einigen Schutzgebieten leben auch bisher unkontaktierte Völker.

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