Zeitplan für den 31. Januar

Der Tag des Brexit ist gekommen: Was heute passiert - und wie die Queen den Austritt begeht

Heute, am 31. Januar, tritt Großbritannien aus der EU aus. Verhandelt wird ausnahmsweise nicht - dennoch sind Boris Johnson und Co. am Freitag im Großeinsatz.

  • Am 31. Januar verlässt Großbritannien die EU.
  • Der Tag ist symbolisch stark aufgeladen - auch weitere Demonstrationen sind geplant.
  • Boris Johnson hält eine Fernsehansprache, die Queen wird sich hingegen zurückhalten.

London - Am 31. Januar verlässt Großbritannien die EU. Ein Tag um den lange gestritten wurde - und an dem einmal mehr die Frontlinien im Streit um den Brexit sichtbar werden. Politisch passiert dabei allerdings eigentlich gar nicht mehr so viel. Die Queen hält sich gar völlig im Hintergrund... Der Überblick über die Ereignisse des Tages:

Brexit: Erste Abschiedsaktionen am 31. Januar

Morgen des 31. Januar: Aktion der Brexit-Gegner in Dover - Stunden vor dem EU-Austritt Großbritanniens haben Brexit-Gegner in der britischen Hafenstadt Dover ein riesiges Banner mit der Aufschrift „We still love EU“ („Wir lieben die EU noch immer“) installiert. Der Organisator und scheidende EU-Parlamentarier Antony Hook veröffentlichte auf Twitter eine Drohnen-Aufnahme, auf der das knapp 150 Quadratmeter große Transparent oberhalb der berühmten Klippen von Dover zu sehen war. Das „love“ war dabei durch eine britische Nationalflagge in Herzform stilisiert.

Eine Aktion gab es auch in Brüssel. Zum Abschied der Briten aus der EU hat die Brüsseler Verkehrsgesellschaft ihre Haltestellen mit britischem Bezug ins Bild gesetzt: In einem kurzen Film im Internet erscheinen die Stationen Liverpool, Churchill, Dover, Darwin, Engeland, Lancaster, Stephenson und Montgomery auf dem Plan der Metro-, Tram und Buslinien. Dazu ertönt eine melancholische Musik. Das Video endet mit einer ironischen Warnung: „Mind the gap when leaving“, also auf Deutsch etwa: „Vorsicht an der Bahnsteigkante beim Austritt“. Auffallend zahm zeigten sich hingegen die britischen Boulevardblätter.

Vormittag des 31. Januar: Johnson in der Brexit-Hochburg - Boris Johnson hält eine Kabinettssitzung im nordostenglischen Sunderland ab. Es ist ein symbolträchtiger Ort: Die Stadt hatte beim Referendum des Jahres 2016 mit 61 Prozent für den EU-Austritt gestimmt.

Brexit: Licht-Installation auch in Deutschland - London nimmt EU-Ausländer an der Hand

Bei Einbruch der Dunkelheit: Berliner Funkturm erstrahlt in britischen Farben -  Auch in Berlin gibt es ein sichtbares Zeichen des Brexit: Der Funkturm wird anlässlich des EU-Austritts in den Farben der britischen Flagge angestrahlt. Die blau-weiß-rote Beleuchtung bis Samstag sei ein „weithin sichtbares Zeichen der Verbundenheit“ anlässlich des EU-Austritts Großbritanniens, erklärte der Chef der Messe Berlin, Christian Göke, am Donnerstag. 

Berliner Funkturm leuchtet zu Brexit

18.00 Uhr: London startet Aktion für EU-Ausländer - Den Brexit kann das liberale London nicht mehr aufhalten, ein Zeichen für die EU-Ausländer in der Stadt will Bürgermeister Saadiq Khan aber offenbar setzen. Von 18 bis 21 Uhr deutscher Zeit öffnet die City Hall ihre Pforten. Angeboten wird kostenlose Rechtsberatung in Migrationsfragen für Bürger anderer EU-Staaten - für sie könnte der Brexit durchaus Konsequenzen haben, wie Merkur.de* berichtet. Auch „emotionale Betreuung“, ein Süßigkeitenpaket und eine Ansprache von Khan soll es geben.

Brexit: Die letzte Demonstrationen - Befürworter und Gegner treffen sich in London, Schottland und Irland

22.00 Uhr: Brexit-Kundgebung in London - Die Brexit-Befürworter der Gruppe „Leave means leave“ feiern den Brexit mit einer Kundgebung. Mit Live-Musik und Rednern wollen die Organisatoren den EU-Austritt begeben - beendet wird die Veranstaltung um 0.15 Uhr, 15 Minuten nach dem Brexit.

Auch die Brexit-Gegner formieren sich noch einmal: Am Riesenrad London Eye treffen sie sich. Die Kundgebung hat die Titel „Nicht in meinem Namen“ und „leuchtet durch unsere Dunkelheit“ bekommen. Um 0.30 Uhr deutscher Zeit soll sie beendet sein.

22.30 Uhr: Schottland „lässt das Licht an“ - Brexit-Gegner in Schottland versammeln sich unter dem Motto „lasst ein Licht für Schottland an“ in vielen Städten, mancherorts sollen etwa die Sterne der EU-Flagge von Teilnehmern mit Kerzen und Lampen nachgebildet werden. Schottland droht angesichts des Brexits mit dem Austritt aus dem UK - eine Umfrage zeigt dafür erstmals seit Jahren Zustimmung in der Bevölkerung. Demonstriert wird auch in einigen Städten an der irisch-britischen Grenze. Am Freitagabend wollten aber auch Brexit-Befürworter vor dem Regionalparlament in Belfast demonstrieren.

Brexit: Der letzte Akt - Abschiedsansprache und Countdown in der Downing Street

23.00 Uhr: Boris Johnson hält Abschiedsansprache - Den EU-Austritt wird der Premierminister laut Manuskript darin "nicht als ein Ende, sondern als einen Anfang" bezeichnen. Es sei der "Moment einer neuen Morgendämmerung" gekommen: "Der Vorhang hebt sich zu einem neuen Akt." Boris Johnson* beschreibt den Brexit auch als "Moment einer wahren Erneuerung" und des "nationalen Wandels" für das Vereinigte Königreich. Es sei seine Regierungsaufgabe, das Land zu "vereinen" und "nach vorne zu bringen".

Minuten vor dem Brexit: Countdown wird auf Downing Street 10 projiziert - Auf das Läuten der Glocken von Big Ben hat die britische Regierung (offiziell aus Kostengründen) dann doch verzichtet. Sichtbar wird der Brexit allerdings am Sitz des Premierministers in der Downing Street. Eine Uhr mit einem Brexit-Countdown wird hier auf die Häuser projiziert.

0.00 Uhr: Formaler EU-Austritt Großbritanniens - Um Mitternacht deutscher Zeit endet die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens. Beendet ist der Brexit damit allerdings bei weitem noch nicht. Den Zeitplan für die kommenden Monate finden Sie in dieser Übersicht bei Merkur.de*. Experten haben dem UK bereits den nächsten „Schock“ vorausgesagt.

Die britische Königin Elizabeth II. wird den Moment des EU-Austritts ihres Landes übrigens auf ihrem Landsitz Sandringham erleben. Ein offizielles Statement von ihrer Seite ist nicht vorgesehen.

Alle wichtigen Infos zum Brexit finden Sie bei Merkur.de*

fn/dpa/AFP

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © AFP / LINDSEY PARNABY

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