Diplomatisches Missgeschick

Britische Diplomaten lösen Verwirrung in Libyen aus

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Ein diplomatisches Missgeschick passierte Großbritannien: Weil ein Verhandlungsteam bewaffnet bei den Gaddafi-Gegnern erschien,  wurde es festgenommen.

London - Großbritannien schickt ein Team nach Libyen, um mit den Regimegegnern zu sprechen. Doch Medienberichten zufolge kamen die Briten bewaffnet - und verärgerten damit die Aufständischen.

Ein von Aufständischen in Libyen festgehaltenes britisches Diplomatenteam ist am Sonntagabend wieder freigelassen worden. Die Gruppe, darunter angeblich sechs Elitesoldaten der Kommandotruppe SAS, sollte britischen Medienberichten zufolge Gespräche mit den Gegnern des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi aufnehmen.

Kurz nach ihrer Ankunft am Freitag waren die Männer jedoch festgenommen worden. Das Diplomatenteam habe “Schwierigkeiten erfahren, die nun aber befriedigend gelöst sind“, sagte der britische Außenminister William Hague am Sonntag nach der Freilassung. Die von britischen Offiziellen als “kleines Diplomatenteam“ bezeichnete Gruppe war laut BBC am frühen Freitagmorgen mit einem Hubschrauber in Nähe der Stadt Bengasi gelandet.

Augenzeugen berichteten, die Männer hätten bestritten, Waffen bei sich zu tragen. Nach einer Überprüfung habe sich aber herausgestellt, dass sie sehr wohl Waffen trugen - und zudem Pässe aus mindestens vier Nationen. Die “Sunday Times“ berichtete, mehrere britische Elite-Soldaten seien bei dem Versuch festgenommen worden, einen Diplomaten durch das von den Aufständischen kontrollierte Gebiet im Osten des Landes zu eskortieren. Die Rebellen hätten äußerst verärgert auf die Kontaktversuche reagiert.

Sie hätten befürchtet, dass Gaddafi den Vorfall als Beweis für eine militärische Einmischung des Westens nutzen könnte, um damit patriotische Libyer auf seine Seite zu ziehen. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sorgte in einem Fernsehinterview für weitere Verwirrung. Es gebe britische Diplomaten, die in Bengasi Gespräche mit den Rebellen aufgenommen hätten. Die Regierung stehe im Kontakt mit dem Team. “Aber ich werde dazu keinen weiteren Kommentar abgeben.“

Auch andere offiziellen Stellen erklärten, sie könnten weder dementieren noch bestätigen, dass britische Soldaten festgehalten würden. Augenzeugen berichteten von einem recht ungeschickten Verhalten der britischen Unterhändler. Das libysche Staatsfernsehen strahlte am Nachmittag die Aufnahme eines angeblichen Telefonates des britischen Botschafters in Libyen mit einem Sprecher der Rebellen aus. Darin bat der Botschafter den Oppositionsführer, das “Missverständnis“ aufzuklären. Das Team sei in Libyen, um humanitäre Hilfsaktionen vorzubereiten. Ein BBC-Korrespondent in Bengasi bezeichnete die Aktion als “beschämende Fehleinschätzung“.

Der Briten hätten offenbar nicht damit gerechnet, dass es provozierend wirken könne, wenn mitten in der Nacht ein Hubschrauber mit einer Gruppe bewaffneten Männer ankomme.

dpa

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