Brot-Skandal: Söder weiß schon lange Bescheid

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Der Ex-Gesundheitsminister Markus Söder weiß schon lange von Schaben, Mäusen und Dreck im Brot-Skandal

München - Einen dürfte der Brot-Skandal kaum überraschen: Der ehemalige Gesundheitsminister Markus Söder weiß schon lange von Schaben, Mäusen und Dreck. Nur die Kunden durften nichts wissen.

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Auch wenn Müller-Brot Pleite angemeldet hat, der Skandal ist noch lange nicht ausgestanden – weder für das Unternehmen, noch für Staatsregierung und Behörden. Nach tz-Informationen will die Staatsanwaltschaft weitere Bäckerei-Mitarbeiter ins Visier nehmen. Einen dürfte das kaum überraschen: Auch der ehemalige Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) weiß schon lange von Schaben, Mäusen und Dreck. Nur die Kunden durften nichts wissen.

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Im Dezember 2010 sei das Ministerium benachrichtigt worden, sagte der Leitende Ministerialrat Gerhard Zellner am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Landtags. Zellner muss es wissen, er leitet das Referat für Lebensmittel- und Veterinärrecht und als Vize sogar die Abteilung für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Von dessen Büro ist es im Ministerium nicht weit bis zum Chef.

Der war bis November vergangenen Jahres Markus Söder. 2008 rückte er ins Amt, seit 2009 beschäftigt Müller-Brot die Gesundheitsbehörden. SPD und Grüne sind sich sicher, dass Söder gleich im Dezember 2010 informiert wurde – schließlich handelt es sich bei Müller um einen der größten Bäcker der Republik. Je eine Million Semmeln und Brezn landeten täglich auf den bayerischen Tischen. Wann genau Söder persönlich davon erfuhr, will das Ministerium nicht sagen, weder den Abgeordneten, noch auf Nachfrage der tz. Dazu werde es einen Bericht geben. Während Söder jetzt im Finanzministerium gegen den Länderfinanzausgleich wettert, muss der neue Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) das harte Brot seines Vorgängers essen.

Der Minister verteidigte die Behörden. „Es gibt kein Kontrolldefizit, es gibt ein verantwortungsloses Handeln eines Einzelunternehmens.“ Das Ministerium hätte die Bevölkerung nicht informieren dürfen. „Wenn keine Gesundheitsgefahr besteht, kann eine Information nur nach einer Abwägung erfolgen.“ Dann gehe es um die Interessen der Verbraucher und um die der 1100 Angestellten samt Familien.

„Was gibt es da abzuwägen?“, empörte sich die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar angesichts von 69 000 Euro Bußgeld und sechs Rückrufen – darunter sechs 400 Kilo-Behälter Teig für Brot und Brezn, Lebkuchen und tiefgekühlte Teiglinge für 18 000 Ciabatta-Semmeln. „Hier wurde ein Unternehmen vor dem Verbraucher geschützt!“ Der Freisinger Abgeordnete Christian Magerl (Grüne) polterte: „Die Gelbe und die Rote Karte hätte wesentlich früher kommen müssen.“ Opposition und Verbraucherschützer sind sich einig: Das Gesetz hätte eine Information hergegeben.

Dafür kümmert sich die Staatsanwaltschaft Landshut um die Verantwortlichen. Derzeit klären die Strafverfolger die Vorgänge auf. Bei den Ermittlungen gegen fünf leitende Müller-Mitarbeiter wird es nicht bleiben. Oberstaatsanwalt Markus Kring sagte der tz: „Ich gehe davon aus, dass sich der Kreis Beschuldigten noch erweitern wird.“

David Costanzo

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