Buch "Vermächtnis" zeigt

So lästert Kohl über Merkel & Co.

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Altbundeskanzler Helmut Kohl (vorne rechts) besucht im September 2012 im Reichstag in Berlin die Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht neben ihm.

Berlin - Das Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" enthüllt, was Ex-Kanzler Helmut Kohl u. a. von Angela Merkel und Richard von Weizsäcker, von Strauß und Lothar Späth wirklich hielt.

Angela Merkel folgte Kohl 2000 direkt an der CDU-Spitze und 2005 als CDU-Kanzlerin. Den Vertrauensbruch des „Mädchens“, ihren Beitrag in der FAZ zur Schwarzgeldaffäre, bezeichnete ihr Mentor Kohl in seinem Tagebuch (2000) als „offene Kampfansage“. Der Spendenskandal und die in seinen Augen mangelnde Loyalität in dieser Zeit ist für Kohl das Kriterium für die Trennung seines Umfeldes in Freund und Feind. Mit Feinden rechnet er bei Schwan drastisch ab, auch mit Peinlichkeiten: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste.“

Den SPD-Mann Wolfgang Thierse – auch er ein Kritiker der Spendenaffäre – bezeichnet Kohl als „Volkshochschulhirn“, der in der Vorstellung gelebt habe, es seien die Revolutionäre im Osten gewesen, die den Zusammenbruch des Regimes erkämpft hätten. Kohl schrieb dieses Ende vielmehr der wirtschaftlichen Schwäche der UdSSR zu.

Seinen „Freund“ Michail Gorbatschow steckt Kohl eiskalt in die Rubrik „gescheitert“.

Franz Josef Strauß, Chef der Schwesterpartei CSU, war ein früher Rivale des Pfälzers Kohl. Als Kohl dann im Kanzleramt saß, ätzte er einmal über seinen einflussloser werdenden Kritiker aus München: „Wenn der bayerische Löwe brüllt, dann verbreitet er nur noch Mundgeruch.“ Das Überraschende in Schwans Aufzeichnungen ist Kohls Respektbezeugung für den 1988 verstorbenen Kollegen: „Er war ein origineller Denker. Er war keine Reproduktionsnatur, sondern stand auf eigenen Füßen mit eigener Statur.“

Wolfgang Schäuble war Kohls Kronprinz. Eigentlich hatte Kohl in der Mitte der Legislaturperiode 1998 zurücktreten und das Amt an Schäuble übergeben wollen. Schwan und sein Co-Autor Tilman Jens vermuten, dass Kohl die Durchsetzung des Euro dann aber doch nur sich selbst zugetraut habe. Das Verhältnis zu Schäuble ist aber erst im Zusammenhang mit der Spendenaffäre endgültig zerbrochen. Schäuble habe, „ob durch Unfähigkeit oder Absicht in der Spendengeschichte alle Feinde eingeladen zu diesem Vernichtungsfeldzug, der dann alle mitgerissen hat“, sagt Kohl verbittert über seinen früheren Vertrauten.

Lothar Späth, als „Cleverle“ bekannter Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs, war Anführer der Truppe, die Kohl auf dem CDU-Parteitag im September 1989 in Bremen stürzen wollte. Kohl nennt sie abfällig „Bremer Stadtmusikanten“: Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Generalsekretär Heiner Geißler & Co. „In der Sympathiefrage sauber war Rühe, hinterfotzig war Blüm.“

Christian Wulff für Kohl "eine Null"

Wie Blüm sei auch Christian Wulff „ein ganz großer Verräter“. Und: „Gleichzeitig ist er auch eine Null.“ Bei all den Leuten, die ihm in den Rücken fielen, erinnerte sich Kohl an den Satz seiner Mutter: „Die Hand, die segnet, wird zuerst gebissen“. Er fand: „Das kann man als Motto für das Kapitel nehmen. Das ist natürlich gemein. Aber es ist gut.“ Was Kohl damals vor dem „Galgen“ rettete, war die Zusage Ungarns, den in der deutschen Botschaft wartenden DDR-Bürgern die Ausreise zu erlauben – das Ereignis jährte sich gerade zum 25. Mal.

Richard von Weizsäcker, von 1984 bis 1994 Bundespräsident, nervte Kohl: „Mir war klar, dass Richard sich selbst für den Klügsten, Besten und Allermoralischsten hält. Nie hat er Zweifel aufkommen lassen, dass er einer der bedeutendsten Männer der Gegenwart war. Und dass sonst nur Dummköpfe unterwegs sind. Dass er auch den Kanzler gemacht hätte, versteht sich.“ Darin zeigte sich auch, wie sehr sich Kohl während seiner ganzen Kanzlerschaft an der „Voreingenommenheit“ der Opposition, der Medien, aber auch eigener Parteifreunde störte, die ihn als provinziellen Strickjackenträger sahen. „Die Ruhe kommt erst, wenn ich im Grabe liege“, wird er in einem Gespräch vom Oktober 2001 zitiert.

2008 erlitt Kohl ein Schädel-Hirn-Trauma. Er kann sich nur noch schlecht artikulieren. Laut Focus will er jetzt die Veröffentlichung von Schwans Buch gerichtlich stoppen lassen.

Das war die Ära Helmut Kohl

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BW

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