Bundesregierung: Weitere Hilfen für Ostafrika 

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Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel.

Berlin - Die Lage am Horn von Afrika wird immer dramatischer. Entwicklungshilfeminister Niebel will daher weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Die somalischen Islamisten negieren die Hungersnot.

Die Bundesregierung prüft nach Angaben von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel die Aufstockung ihrer Hilfen für die hungernden Menschen in Ostafrika. “Die internationale Gemeinschaft setzt alles daran, diese Katastrophe noch abzuwenden“, sagte der FDP-Politiker der “Saarbrücker Zeitung“ (Freitag). Die Bundesregierung prüfe daher derzeit, “welche weiteren Mittel wir bereitstellen können“.

Die Regierung hatte vor wenigen Tagen ihre Soforthilfe auf 14 Millionen Euro erhöht. Niebel betonte, man stehe im engen Kontakt zum Welternährungsprogramm, das die Hilfeleistung koordiniere. Die Vereinten Nationen hätten vor einigen Tagen den Bedarf auf 1,6 Milliarden Dollar geschätzt. Da habe es schon Zusagen der internationalen Gemeinschaft für 880 Millionen Dollar gegeben. “Und natürlich bemühen sich nun alle, einschließlich der Bundesregierung, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen.“

Somalische Islamisten negieren Hungersnot: "Pure Propaganda"

Die somalische Al-Shabaab-Miliz will voraussichtlich doch keine Hilfslieferungen an die hungernden Menschen in den von ihnen kontrollierten Gebieten zulassen. Der britische Sender BBC zitierte am Freitag Islamisten der Gruppe mit den Worten, die Berichte der Vereinten Nationen über die Hungersnot in der Region seien “pure Propaganda“. Ein Sprecher von Al-Shabaab warf Hilfsorganisationen vor, “politisch“ zu agieren.

Die Miliz hatte erst Anfang Juli erklärt, sie werde angesichts der katastrophalen Lage erstmals seit zwei Jahren wieder internationale Organisationen in Südsomalia zulassen - “ob muslimisch oder nicht-muslimisch“, wie es hieß.

Die 1998 gegründete Gruppe hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und will am Horn von Afrika einen islamischen Staat errichten. In der Vergangenheit hatten die Rebellen immer wieder Hilfsgüter zerstört, geplündert oder weiter veräußert und unter anderem “Sicherheitsgebühren“ von UN-Organisationen gefordert.

Kritik: "Eigentlich ist es schon fast zu spät"

Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, kritisierte die Zögerlichkeit der internationalen Gemeinschaft. Ost-Afrika stehe vor einer humanitären Katastrophe, sagte sie den Dortmunder Ruhr Nachrichten (Freitag). “Es sind elf Millionen Menschen betroffen. Die Hilfe setzt wieder einmal erst ein, wenn es eigentlich schon fast zu spät ist.“

Dieckmann kritisierte, dass die Hungersnot bei der Afrika-Reise von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vergangene Woche nur am Rande eine Rolle gespielt habe. “Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundeskanzlerin einen noch stärkeren Fokus auf die Hungerkrise am Horn von Afrika gelegt hätte“, sagte die frühere SPD-Politikerin. “Stattdessen lag die Aufmerksamkeit auf dem Verkauf von militärischen Patrouillenbooten an Angola.“

Merkel hatte Kenia bei ihrem Besuch in der vergangenen Woche eine Million Euro Direkthilfe für das weltgrößte Flüchtlingscamp Dadaab zugesagt.

dpa

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