Bundestag billigt das Rettungspaket

Zypern-Rettung: Was bedeutet das für mein Geld?

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Gedränge bei der Stimmabgabe: 487 Abgeordnete stimmten - wie die Kanzlerin in der Mitte - für die Zypern-Hilfe, 101 votierten dagegen, 13 enthielten sich

Berlin - Deutschland hat endgültig grünes Licht für die Milliarden-Hilfen zugunsten Zyperns gegeben. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Rettungspaket.

Im Bundestag stimmte am Donnerstag wie angekündigt eine große Mehrheit der Abgeordneten von Union, FDP, SPD und Grünen für das umstrittene Hilfspaket. Die Linksfraktion lehnte es wie frühere Rettungsaktionen für angeschlagene Euro-Länder ab. Die Euro-Länder unterstützen Zypern mit bis zu neun Milliarden Euro, der Internationale Währungsfonds (IWF) will bis zu eine Milliarde Euro beisteuern. Für besondere Unruhe hatte die Zwangsabgabe auf zypriotische Sparguthaben gesorgt. Zwar sollen Einlagen von weniger als 100 000 Euro entgegen ersten Plänen verschont bleiben, trotzdem fragen viele Menschen: Kann das auch bei uns passieren?

Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen

In Zypern sollen Bankkunden bei der Restrukturierung des Bankensektors zur Kasse gebeten werden. Ist das Geld der Sparer bei deutschen Banken noch sicher?
Im Prinzip ja. Denn alle Experten sind sich einig, dass die Situation in Zypern nicht mit der deutscher Banken vergleichbar ist. Allerdings: Im Ernstfall wäre ein ähnliches Szenario auch hierzulande nicht ausgeschlossen. Der Finanzexperte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance erklärt: „Das Parlament könnte dies per Gesetz beschließen. Das Bundesverfassungsgericht würde jedoch die Rechtmäßigkeit überprüfen.“

Ist die Zypern-Rettung denn nun eine Blaupause für das weitere Vorgehen bei der Euro-Rettung?
Das hatte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem so gesagt, er musste seine Äußerung nach herber Kritik aber wieder relativieren. Sein Vorgänger Jean-Claude Juncker widerspricht: „Es ist keine Blaupause. Wir dürfen nicht den Eindruck geben,als ob es zukünftig so wäre, dass Spareinlagen in Europa nicht sicher wären. Wir dürfen nicht den Eindruck geben, als ob Investoren ihr Geld in Europa nicht anlegen sollen.“ Trotzdem: Die EU-Kommission plant schon bald Großanleger systematisch für die Sanierung und Abwicklung von Banken zur Kasse bitten zu können. Der Gesetzentwurf von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sieht allerdings vor, dass Sparkonten bis 100 000 Euro gesetzlich geschützt werden. Gläubiger und Einleger, die über diesem Betrag liegen, müssen sich darauf einstellen, an den Kosten einer geordneten Insolvenz beteiligt zu werden, „wenn es nicht anders geht“.

Was steht es um die gesetzlichen Einlagensicherung hierzulande?
Die deutsche Kreditwirtschaft verweist bei der Einlagensicherung gern auf einen hohen Standard. Grundsätzlich sind Kundeneinlagen bis zu 100 000 Euro pro Person voll geschützt. Die Garantie deckt das Geld auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten, Sparbüchern und Sparbriefen ab – und sie gilt EU-weit. Einige Banken versprechen zusätzlichen Schutz über eigene Sicherungssysteme –, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute versprechen sogar Schutz in unbegrenzter Höhe.

Kann dieses System auch mit größeren Bankpleiten zurecht kommen?
Es gilt als extrem unswahrscheinlich, dass Deutschland in eine solche Schieflage geraten könnte. Bei einer großen Bankpleite oder der Insolvenz mehrerer Banken müsste möglicherweise der Staat einspringen. Wie viel Geld in den jeweiligen Sicherungstöpfen lagert, ist nicht bekannt. Die Bundesregierung hat kürzlich ihre unbegrenzte Komplettgarantie des Staates auf Einlagen bekräftigt – gesetzlich fixiert ist die Garantie aber nicht.

Was ist, wenn ein Kunde mehr als 100 000 Euro sicher anlegen will?
 Wer verheiratet ist und ein gemeinsames Konto hat, kann dort auch 200 000 Euro sicher deponieren. Wer darüberhinaus auf Nummer Sicher gehen will, kann sein Vermögen auf mehrere Banken verteilen. Schließlich gilt die Einlagensicherung pro Anleger und pro Bank.

Wenn Einlagen unter 100 000 Euro abgesichert sind, warum wollte Zypern dann erst auch Geld bei Kleinsparern einsammeln?
Der Schutz des Ersparten greift bei der Insolvenz einer Bank. In Zypern sollte aber die Insolvenz einer Bank verhindert werden – das ist kein Fall für die Einlagensicherung. Trotzdem war dieser Plan politisch dermaßen brisant, dass eer am Ende keine Mehrheit finden konnte.

Sind Spar-Einlagen unter 100 000 Euro in Zukunft also vor solchen Abgaben sicher?
Zumindest ist es ein Ziel, diese Guthaben möglichst nicht anzutasten. Hauptziel ist aber, dass, wenn eine Bank in Schieflage gerät, künftig nicht mehr der Steuerzahler geschröpft werden sollte. Bundesbankchef Jens Weidmann: „Diejenigen, die unternehmerische Verantwortung tragen (Anm. d. Red.: die Eigenkapitalgeber) sollten in der Haftungsreihenfolge am Anfang stehen. Und erst ganz am Schluss sollten die Einleger beispielsweise stehen und die Einlagen, die unter 100 000 Euro fallen sollten möglichst nicht angetastet werden.“

Was ist mit Aktien und Gold?
Mit Aktien sichert sich der Anleger einen Teil des Unternehmens. Sie gehören dem Anleger, nicht der Bank, deshalb gehen sie bei einer Banken-Pleite auch nicht in die Insolvenzmasse. Gleiches gilt für Gold, das im Schließfach einer Bank gelagert wird. Es gehört dem Kunden.

Mk

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