CSU-Spitzenkandidat im Interview

Herrmann: „AfD? Das hat mit der CSU nichts zu tun“

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Will „bayerische Sicherheitsstandards in ganz Deutschland verbreiten“: CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann.

Der Spitzenkandidat der CSU-Joachim Herrmann, bleibt vor der Bundestagswahl 2017 bei seiner Forderung nach straffen Grenzkontrollen. Von der AfD grenzt er sich im Interview ab.

Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl liegt die CSU in Umfragen bei 48 (Sat.1) bzw. 47 Prozent (BR), die Bayern-SPD abgeschlagen bei 19 bzw. 17 Prozent. Es läuft also ganz gut für den Spitzenkandidaten der CSU, Joachim Herrmann – wenn da nicht die Furcht wäre, dass die AfD der CSU doch mehr Stimmen abspenstig macht, als die Umfragen verraten. Und wenn da nicht die Sorge wäre, dass Joachim Herrmanns Karriere-Option Bundesinnen­minister von der Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs gestört werden könnte. Die tz sprach mit dem bayerischen Innenminister in seinem Büro am Odeonsplatz über seine Zukunft, über die Flüchtlingspolitik – und über zu Guttenberg.

Wenn Sie nach Berlin gehen werden, was nehmen Sie dann aus Bayern gegen mögliches Heimweh mit?

Joachim Herrmann: Sehen wir erst mal, wie die Wähler entscheiden… Aber das Kreuz, das hinter mir an der Wand hängt, werde ich sicher mitnehmen, auch meine Büste vom Staats-Reformer Montgelas und Fotos meiner Familie.

Berlin verkörpert ja all das, wogegen Sie als Minister kämpfen: Graffiti, Multikulti, mehr Kriminalität… Graust’s Ihnen nicht ein bisserl vor dem Umzug in die Hauptstadt?

Ich habe ja nicht vor auszuwandern, bleibe weiter in Bayern wohnhaft. Berlin ist eine faszinierende Stadt – aber unsere Wahlkampf-Botschaft ist ja ohnehin, unseren bayerischen Sicherheitsstandard in ganz Deutschland zu verbreiten.

Derzeit scheint Karl-Theodor zu Guttenberg den CSU-Wahlkampf zu beherrschen. Wenn der Ex-Verteidigungsminister ein Schlüsselressort wie das Außenministerium bekommt, dann könnten Sie ja nicht mehr wie geplant Bundesinnenminister werden, oder?

Ich beteilige mich nicht an diesen Postenspekulationen. Aber ich freue mich, dass KT Guttenberg unseren Wahlkampf unterstützt, bei vielen Menschen Zuspruch hat. Er hat sich ja noch gar nicht entschieden, ob er nach Deutschland zurückkehren wird, er hat ja gesagt, er sei am Wahlabend wieder in den USA. Aber ich sehe da keine Probleme, dass nicht für alle Beteiligten Platz wäre.

Herrmann: „Ich war immer ein Freund von Schengen, aber...“

An der bayerisch-österreichischen Grenze gab es in diesem Jahr 8750 illegale Einreisen – im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl deutlich zurückgegangen. Macht die Verlängerung der Grenzkontrollen da überhaupt Sinn?

Ja, weil die Grenzkontrollen, auch in Österreich oder Kroatien, ganz wesentlich dazu beitragen, dass die Zahlen zurückgegangen sind. Die Balkan-Route ist weitgehend geschlossen worden. Es geht mir dabei nicht nur um die Flüchtlinge: Bei den Grenzkontrollen wurde auch Tausende Kriminelle festgenommen, die mit Haftbefehl gesucht wurden!

Aber so gesehen müsste man das Schengen-Abkommen kündigen und generell wieder Grenzkontrollen einführen, oder?

Was wir brauchen, ist ein klarer Schutz der EU-Außengrenzen – und das ist bei einem Teil der EU-Staaten derzeit nicht gewährleistet. Ich war immer ein Freund des Schengen-Abkommens. Aber die Sicherheit der Menschen steht im Vordergrund.

Reicht dafür die Schleierfahndung nicht aus?

Doch, an der Grenze zu Tschechien haben wir keine Kontrollen, sondern nur die Schleierfahndung. Und die Kriminalität in der ostbayerischen Grenzregion ist dadurch in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen. Die Schleierfahndung wird natürlich weitergeführt. Wir brauchen aber an der österreichischen Grenze die Kontrollen weiter.

Die Redakteure Johannes Welte und Klaus Rimpel beim Interview mit Joachim Herrmann.

Die AfD verkauft sich als Partei, „die hält, was die CSU verspricht“. Ärgert Sie das?

Ich weiß nicht, was sie damit meint. Sie macht große Sprüche und duldet radikale Leute wie den Herrn Höcke bei sich. Was der zu Juden in unserem Land sagt, ist völlig indiskutabel. Die Vorsitzende hat versucht, einen klaren Trennungsstrich zu ziehen und ist dabei gescheitert. Und heute stehen Weidel und Gauland an der Spitze, die die Abgrenzung auf dem Parteitag verhindert haben. Der bayerische Landeschef Petr Bystron hat Begeisterung für die identitäre Bewegung geäußert, die Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes ist. Die AfD versucht freilich, sich verbal an die CSU anzulehnen, um von den radikalen Tendenzen abzulenken. Wer genau hinschaut, was die AfD will: Das hat mit der CSU nichts zu tun.

Mit wem wird die Union regieren, wenn wir mal davon ausgehen, dass sie stärkste Kraft wird? War es nicht ein bisschen voreilig von Horst Seehofer, eine Koalition mit den Grünen auszuschließen, wenn es am Ende keine Alternative dazu gibt?

Wir führen keinen Koalitionswahlkampf. Traumpartner können die Grünen nicht sein. Wie soll ich mit einem Herrn Hofreiter in Fragen der inneren Sicherheit auf einen Nenner kommen? Das geht weiter mit dem grünen Ansinnen, alle Dieselbesitzer mit Fahrverboten zu ärgern! Wie soll da eine Zusammenarbeit mit den Grünen aussehen?

Wie die Bundestagswahl ausgeht, können Sie am Wahlabend live im TV verfolgen - hier erfahren Sie, was wann wo läuft.

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