Wissenswertes für Wahlberechtigte

Bundestagswahl 2021: Wer tritt Merkels Nachfolge an? - Kandidaten, Umfragen, Termine

Abgeordnete im Bundestag stimmen über eine Reform ab.
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Am 26. September 2021 findet die Bundestagswahl statt.

Mit der Bundestagswahl 2021 endet die Ära von Angela Merkel. Wer wird ihren Posten übernehmen? Alle wichtigen Informationen zur größten Wahl des Jahres.

Berlin – Nach 16 Jahren an der Spitze der deutschen Regierung neigt sich 2021 eine Ära dem Ende entgegen. Zur Bundestagswahl am 26. September wird Angela Merkel die politische Bühne verlassen. 2005 wurde sie zur Bundeskanzlerin gewählt. 2021 wird Merkel sich nicht erneut zur Wiederwahl stellen, wie sie bekannt gab. Die Politik in Deutschland steht vor einem Umbruch. Besonders Bündnis 90/Die Grünen kann Prognosen zufolge auf einen enormen Zuwachs an Wählerstimmen hoffen und sich wohl als zweitstärkste Kraft etablieren.

Wann ist die Bundestagswahl 2021?

Die Bundestagswahl im Jahr 2021 findet am 26. September statt. Wie üblich ist der Wahltag ein Sonntag. Wählerinnen und Wähler können zwischen 8 und 18 Uhr in die Wahllokale gehen und ihre Stimmen abgeben.

Wer kann bei der Bundestagswahl gewählt werden und wer darf wählen?

Allgemein sind alle Bürgerinnen und Bürger, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben und in Deutschland wohnen, wahlberechtigt. Das Mindestalter für alle Kandidatinnen und Kandidaten beträgt ebenfalls 18 Jahre.

Im Ausland lebende Deutsche können an der Bundestagswahl 2021 teilnehmen, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und vorab einen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis stellen. Deutsche, die noch mit Wohnsitz in Deutschland gemeldet sind, müssen lediglich ihre Unterlagen zur Briefwahl beantragen.

Ablauf der Bundestagswahl: Wahlschein und Wahlbenachrichtigung 2021

  • 5. September 2021: Alle Wahlberechtigten müssen bis zu diesem Tag ihre Wahlbenachrichtigung erhalten haben. Diese wird per Post zugestellt und ist im Grunde die Einladung zur Wahl. Sie enthält wichtige Informationen. Dazu zählen unter anderem: Informationen zum Wahlzeitpunkt, Angaben zum Wahlort. Das zugeteilte Wahllokal kann nur über einen vorherigen Antrag gewechselt werden. Zudem liegt der Wahlbenachrichtigung ein Vordruck bei, mit dem Wahlberechtigte einen Wahlschein beantragen können. Dieser wird benötigt, wenn man per Briefwahl wählen möchte.
  • 24. September 2021: Bis 18 Uhr an diesem Tag können Wählerinnen und Wähler einen Wahlschein beantragen.
  • 26. September 2021: Bis 18 Uhr können Wahlberechtigte in den jeweiligen Wahllokalen ihre Stimmen abgeben. 18 Uhr ist ebenfalls der späteste Zeitpunkt für den rechtzeitigen Eingang der Wahlbriefe bei der zuständigen Stelle.
Vor der Bundestagswahl 2021 erhalten alle Wahlberechtigten eine Wahlbenachrichtigung.

Bundestagswahl 2021: Was wird gewählt?

Die Wahlberechtigten können mittels Erst- und Zweitstimme die Zusammensetzung des Parlaments bestimmen. Dabei entscheiden sie schlussendlich darüber, wie viele Abgeordnete einer Partei im Bundestag vertreten sind. Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin kann nicht direkt gewählt werden. Auch über die nächste Bundesregierung entscheiden die Wähler nicht unmittelbar. Stattdessen finden Verhandlungen der Parteien statt. Sie bilden eine Mehrheit, aus der dann schließlich für die nächsten vier Jahre eine Regierung entsteht.

Was hat es mit Erst- und Zweitstimme bei der Bundestagswahl auf sich?

Jede Wählerin und jeder Wähler verfügt bei der Bundestagswahl über zwei Stimmen:

  • Erststimme: Hiermit wird der oder die Wahlkreisabgeordnete direkt gewählt. Sie befindet sich auf der linken Hälfte des Stimmzettels.
  • Zweitstimme: Hiermit wird eine Partei gewählt. Sie wird auf der rechten Stimmzettelhälfte vergeben. Diese Stimme entscheidet letztlich auch über die genaue Sitzverteilung im Parlament.

Wer sind die Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021?

Erstmals in der Geschichte von Bündnis 90/Die Grünen hat sich die Partei bei einer Bundestagswahl für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Der Bundesvorstand kürte Annalena Baerbock am 19. April zur Kandidatin für das Amt der Regierungschefin. Baerbock verfügt noch über keinerlei Regierungserfahrung. „Ja, ich war noch nie Ministerin, Kanzlerin“, räumte sie ein. Sie fügte jedoch an: „Ich bringe einen klaren Kompass und Lernfähigkeit mit.“ Als Schwerpunkt nannte sie den Klimaschutz. Nach Angela Merkel könnte Baerbock die zweite Kanzlerin werden. Da die Grünen in den Umfragen CDU/CSU Konkurrenz machen, gilt die Kanzlerkandidatin als direkte Herausforderin der Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Annalena Baerbock ist die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen.

Ein öffentliches Tauziehen um die Kanzlerkandidatur gab es zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU. Mehr als eine Woche lang hatten sich Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) einen offenen Machtkampf geliefert. Erst am 20. April fiel die Entscheidung. Bei einer digitalen Abstimmung des CDU-Vorstandes stimmten 31 der 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern für Laschet als Kanzlerkandidaten. „Die Würfel sind gefallen. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union“, sagte der geschlagene Söder anschließend.

Seit 20. April steht fest: Armin Laschet (CDU) führt die Union in die Bundestagswahl.

Allen voraus - zumindest in Bezug auf die Ernennung ihres Spitzenkandidaten - war die SPD. Bereits im August 2020 ernannte die Partei Finanzminister Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten.

Olaf Scholz ist Kanzlerkandidat der SPD.

Weitere Spitzenkandidaten in der Übersicht:

  • Spitzenkandidat der FDP: Christian Lindner.
  • Spitzenkandidat der Freien Wähler: Hubert Aiwanger.
  • Spitzenkandidaten der Linken: Janine Wissler und Dietmar Bartsch.
  • Spitzenkandidaten der AfD: Tino Chrupalla und Alice Weidel.

Sonntagsfrage: Was sagen die Umfragen vor der Bundestagswahl 2021?

Wie würden die Wahlberechtigten wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre? Regelmäßig stellen große Meinungsforschungsinstitute die Sonntagsfrage, um die Stimmung auszuloten. 2021 könnte es zu einer deutlichen Verschiebung der Kräfteverhältnisse kommen, wenngleich voraussichtlich dieselben Parteien in den Bundestag einziehen dürften wie 2017. Damals setzte sich die Union mit 32,9 Prozent als stärkste Kraft durch. Darauf folgten die SPD (20,5 Prozent), die AfD (12,6 Prozent), die FDP (10,7 Prozent), die Linken (9,2 Prozent) und die Grünen (8,9 Prozent).

Nach Bekanntgabe der Kandidatur von Annalena Baerbock schnellten die Grünen-Werte in die Höhe, die CDU/CSU wurde auf Platz zwei verwiesen. Doch die Euphorie ließ zuletzt spürbar nach. Im Vergleich zu 2017 könnten die Grünen dennoch den größten Zuwachs an Wählerstimmen erhalten. Hier eine Übersicht der Umfragen seit Januar 2021:

Wann gibt es ein Ergebnis der Bundestagswahl 2021?

Kurz nach 18 Uhr - und dem Schließen der Wahllokale - wird ein vorläufiges Wahlergebnis durch den Bundeswahlleiter bekannt gegeben. Dabei handelt es sich um eine Prognose. Um 18 Uhr beginnt das Auszählen der Stimmzettel. Liegen erste Ergebnisse vor, werden diese in die Prognosen mit eingerechnet. So wird das vorläufige Wahlergebnis mit fortlaufender Zeit immer genauer. Das vorläufige Endergebnis wird noch am Wahlabend verkündet. Das offizielle Endergebnis wird dann einige Tage später folgen.

Bundestagswahl 2021: Welche Koalitionen sind möglich?

Wie den Umfragen der Meinungsforschungsinstitute zu entnehmen ist, darf die Union der beiden Schwesterparteien CDU und CSU hoffen, erneut als stärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen.

Mögliche Koalitionen im Überblick:

  • CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen: Dieses Bündnis würde Umfragen zufolge die größte Mehrheit erlangen.
  • Auch für CDU/CSU, SPD und FDP könnte es für eine Mehrheit reichen.
  • Eine Fortführung der Schwarz-Rot-Koalition könnte ebenfalls noch zu einer Mehrheit führen.
  • Grün-Rot-Rot: Die Einbindung der Linken wäre ein Novum. Rechnerisch schien das im März möglich. Aktuellen Umfragen zufolge sieht es für eine Mehrheit eines Bündnisses aus Grünen, SPD und Linken eher schlecht aus.
  • Auch eine Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP würde keine Mehrheit erreichen können.
  • Eine Koalition mit der AfD strebt keine Partei, die voraussichtlich in den Bundestag einzieht, an.

Bundestagswahl: Gibt es 2021 einen Wahl-O-Mat?

Seit 2002 gibt es den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Auch 2021 dürfen sich Wählerinnen und Wähler darauf freuen. Wie die bpb ankündigte, wird der Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl circa drei bis vier Wochen vor dem 26. September veröffentlicht.

Anhand von 38 Thesen, die mit „Ich stimme zu“ oder „Ich stimme nicht zu“ zu beantworten sind, errechnet das Online-Tool den Grad der persönlichen Übereinstimmung mit den jeweiligen Parteien. Wählerinnen und Wähler erhalten so eine Hilfestellung, wie sie ihre Stimmen vergeben können.

Alle Infos zur Bundestagswahl 2021 in München: Den Zuschnitt der Wahlkreise, die Parteien, Kandidaten und Ergebnisse, finden Sie hier*. (mbr/dpa)

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