Südschleswigscher Wählerverband

Überraschung bei Bundestagswahl: Mini-Partei erhält wohl Sitz - nach jahrzehntelanger Abstinenz

Stefan Seidler, Spitzenkandidat des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), lächelt auf der Wahlparty der Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen in die Kamera.
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Stefan Seidler, Spitzenkandidat des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), steht vor dem Einzug in den Bundestag.

Einer kleinen Partei aus dem Norden Deutschlands gelingt höchstwahrscheinlich nach mehreren Jahrzehnten die Rückkehr in den Bundestag. Sie profitiert von einer Sonderregelung.

Berlin - Während die Linken bis zur gefühlt letzten Sekunde um den Einzug in den Bundestag bangen müssen, bahnt sich für eine andere Partei eine Überraschung an. Die kleine Dänen-Partei Südschleswigscher Wählerverband - kurz SSW - wird aller Voraussicht nach bei der Bundestagswahl einen Sitz im nationalen Parlament erringen.

SSW-Kandidat feiert Einzug in den Bundestags

Am späten Sonntagabend feierte der SSW bereits das umjubelte Comeback. Hochrechnungen zur Bundestagswahl 2021 zufolge zieht der Flensburger Stefan Seidler als fraktionsloser Abgeordneter in den Bundestag ein. „Das ist eine Riesensensation für unsere kleine, aber fantastisch tolle Partei“, sagte Spitzenkandidat Seidler. „Das ist der reine Wahnsinn. Wir sind drin. Ein Mandat. Es muss jetzt auch mit ganz wilden Dingen zu gehen, wenn es nicht klappt.“

Ob der SSW tatsächlich ins nationale Parlament einziehen wird, wird voraussichtlich erst am frühen Montagmorgen feststehen. Die Mini-Partei war zuletzt von 1949 bis 1953 im Bundestag vertreten. Damals hatte es Hermann Clausen als bislang einziger Abgeordneter für eine Legislaturperiode ins nationale Parlament geschafft.

SSW bei Bundestags- und Landtgaswahlen von Fünf-Prozent-Hürde befreit

Der Südschleswigsche Wählerverband, der auch mit drei Mandaten im aktuellen Schleswig-Holsteinischen Landtag vertreten ist, profitiert von einer Sonderregelung im Bundeswahlgesetz. Als Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen ist der SSW von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Es braucht lediglich genug Zweitstimmen in Schleswig-Holstein, dass ihm nach dem Berechnungsverfahren ein Sitz im Bundestag zusteht. Und diese Hürde scheint erreicht.

Nach dem Erfolg 1949 trat der SSW 1957 erneut bei der Wahl zum Bundestag an, schaffte den Wiedereinzug jedoch nicht. Seit 1961 hat die Minderheitenpartei wegen mangelnder Erfolgsaussichten nicht mehr an Bundestagswahlen teilgenommen. Jetzt steht sie vor einem furiosen Comeback. Alles andere als Freude herrscht im Süden Deutschlands. Die CSU fuhr in Bayern ein historisch schlechtes Ergebnis bei der Bundestagswahl ein. (mt/dpa)

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