Kommentar zur Bundestagswahl

München wählt anders

Eines steht fest: So spannend wie heuer war eine Bundestagswahl auch in München schon lange nicht mehr. In den Münchner Wahlkreisen hatten jeweils drei Kandidaten realistische Chancen auf das Mandat – das hat dem politischen Wettbewerb durchaus gutgetan. Schlussendlich ist die CSU mit einem blauen Auge davon gekommen und konnte immerhin drei der vier Direktmandate erringen – allerdings nur im Osten mit einem wirklich deutlichen Vorsprung.

Dabei kam die Union . Und auch besonders der Blick auf die Zweitstimmenergebnisse zeigt einen klaren Trend: München wählt anders. Die Probleme in der extrem verdichteten, für den Normalverdiener kaum noch bezahlbaren Großstadt sind ganz offensichtlich andere als jene, die Menschen in vielen anderen Landesteilen bewegen. Und so lässt sich auch erklären, dass der Scholz-Effekt in München nicht so deutlich ausfällt wie im Bund. Die SPD, die sich gerne auch als „München-Partei“ bezeichnet, kann ihr desaströses Ergebnis der Bundestagswahl 2017 zwar verbessern – ein Ergebnis von ungefähr 19 Prozent ist aber auch nicht gerade ein vollumfänglicher Vertrauensbeweis.

In München, so der zweite Befund, lösen sich die angestammten Parteibindungen noch schneller auf als anderswo. Die Stadt lebt vom Zu- und Wegzug, wodurch die Erosion der Stammwählerschaft der beiden traditionellen Volksparteien sich besonders schnell vollzieht. Diesen Effekt bekommt heuer besonders die CSU zu spüren. Anders als die Genossen sind die Christsozialen nicht mit Rückenwind aus dem Bund angetreten, ihre Verluste sind schmerzhaft. Gut sechs Prozentpunkte geht es für die CSU nach unten, einen ähnlichen Verlust hatte die Partei bereits 2017 im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 hinnehmen müssen.

Nach acht Jahren gemeinsamer Regierung in Berlin scheinen die Münchner den beiden traditionellen Volksparteien die Lösung der speziellen Probleme dieser Stadt nicht mehr zuzutrauen. Und so wurden die Grünen auch bei dieser Bundestagswahl zur stärksten Kraft in der Stadt. Sie gewannen fast neun Prozent hinzu und konnten die Spitzenposition, die sie bei der Kommunalwahl erobert haben, bei dieser Wahl bestätigen. Dieser Erfolg ist aber auch ein Auftrag, denn die Münchner werden die Partei auch daran messen, was sie bei einer möglichen Regierungsbeteiligung für sie herausholt.

Da dürften sich die Grünen durchaus schwertun, weil sie es in jeder denkbaren Koalition in Berlin mit der FDP zu tun bekommen werden, die in München ebenfalls stark – wenn auch mit leichten Verlusten im Vergleich zu 2017 – abgeschnitten hat. Bei der zentralen Frage, wie bezahlbarer Wohnraum in Städten wie München geschaffen werden kann, sind diese beiden Parteien weit auseinander. Von einer überzeugenden Antwort auf diese Frage wird aber auch der Erfolg bei großstädtischen Wählermilieus abhängen.

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