Wahlkreis München-Süd

Als Roter unter Roten - Sebastian Roloff kandidiert für die SPD

Rechnet sich diesmal gute Chancen aus: Sebastian Roloff.
+
Rechnet sich diesmal gute Chancen aus: Sebastian Roloff.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Bis dahin stellen wir die Kandidaten aus München vor. Heute Sebastian Roloff aus dem Wahlkreis Süd.

Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 hatte Sebastian Roloff auf der Wiesn erfahren. Die Enttäuschung war riesig. Roloff holte in seinem Wahlbezirk München-Süd zwar zehn Prozent mehr Erststimmen als die SPD zweite. Dennoch verpasste der 38-Jährige den Einzug in den Bundestag. Diesmal ist das anders. „So wie es damals eine Überraschung gewesen wäre, wenn ich von Listenplatz 35 aus in den Bundestag eingezogen wäre, wäre es jetzt eine Überraschung, wenn es nicht klappt“, sagt Roloff. Er hat Platz fünf auf der Landesliste.

Der Weg nach Berlin scheint geebnet. Für den Giesinger wäre es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er ist in Berlin geboren, hat dort bis kurz vor dem Eintritt in die Grundschule gelebt. Dann ging’s mit seiner Mutter in den Landkreis Cham im Bayerischen Wald. Dort wuchs er auf. „Ich weiß, man hört es nicht, aber ich bin von meiner Selbstwahrnehmung schon Oberpfälzer“, sagt Roloff.

Seit 1999 ist Roloff in der SPD

In der Oberpfalz wuchs aber noch etwas Anderes, Roloffs Liebe zur Politik. 1998: Wahlkampf, Schröder gegen Kohl. „Diesen Aufbruch fürs Land fand ich spannend“, erzählt Roloff. In einer Region, die von der CSU bestimmt wird, trat Roloff 1999 in die SPD ein, gründete die Jusos im Landkreis. Ein Roter unter Schwarzen.

Nach seinem Jura-Studium in Regensburg kam der Politiker vor rund zehn Jahren nach München. Des Jobs wegen. Auch wenn es ihm schwerfiel, Regensburg zu verlassen, war gleich seine erste Bewerbung bei der IG Metall in München ein Treffer. Über sieben Jahre blieb er dort, bis er eine neue Herausforderung suchte und Personaldirektor bei MAN wurde – erst für München, dann weltweit.

Als Bayern-Fan im Gebiet der Blauen

In Giesing, nahe des Grünwalder Stadions, fand er eine neue Heimat. In einer Region , die von den Blauen bestimmt wird. Er ist ein Roter, ein Bayern-Fan. „Ich bin immer der Underdog“, sagt Roloff schmunzelnd. Für den Juristen ist das aber kein Grund, sich zu verstecken. Vor ein paar Tagen postierte er sich bei einem Heimspiel der Löwen sogar vor das Stadion und verteilte (rote) Postkarten – Wahlkampf mit dem Stadionumbau.

Aber nicht nur Fußballfans will er abholen. Roloff will Dinge anstoßen. Im Wahlkampf 2017 sprach ihn eine Medizinstudentin an. Sie sei bei einem Versuch fast erblindet und beschwerte sich, dass es eine Lücke in der Unfallversicherung gebe. Roloff brachte die Studentin mit der damaligen Arbeitsministerin Andrea Nahles zusammen. Das Arbeitsversicherungsrecht ist seitdem in der Überarbeitung. Auch für seinen Wahlkreis hat er Projekte im Auge: „Ich will bei der Städtebauförderung und dem Thema bezahlbares Wohnen ran an die Kohle.“ Dringenden Bedarf gebe es auch beim Umbau des Tegernseer Platzes. „Und ich fordere den Ausbau der S-Bahn an der Großhesseloher Brücke.“ Alles, was öffentlich an Verkehr über die Isar gehe, sei ein Drama, weil man immer außen rum fahren müsse.

Arbeit, Sozial, Wirtschaft und Wohnen sind Roloffs Themen

Auf Bundesebene möchte Roloff die Themen Arbeit und Soziales beackern. Und „gerne meine Erfahrungen aus der Arbeitswelt als Anwalt einbringen“. Dazu bewegen ihn die Bereiche Wirtschaft und Rechtspolitik. Als Münchens größte Baustelle, die aber auf Bundesebene entschieden wird, bezeichnet er die Situation ums Bauen und Wohnen. „Wir brauchen eine kurzfristige Atempause, damit die Mieten aufhören, zu rennen.“

Das Wahlergebnis wird Sebastian Roloff heuer nicht auf der Wiesn erfahren. In Ermangelung einer Wiesn. Zum Trost wird sich der 38-Jährige wohl über ein besseres Ergebnis freuen dürfen–für seine Partei und ihn selbst. Viel Zeit zum Feiern bliebe aber nicht. Schon am Dienstag nach der Wahl steht die erste Fraktionssitzung in Berlin an. Ein Roter unter Roten.

Auch interessant

Kommentare