Union bei Wahl-Neulingen gerade so zweistellig

Überraschung unter Erstwählern: Grüne liegen nicht allein vorn - Twitter-Frotzelei über Gratis-Bausparvertrag

Wirkliche Volksparteien gibt es in Deutschland nicht mehr. Das hat diese Bundestagswahl gezeigt. Diese Entwicklung wird sich wohl fortsetzen, wie der Blick auf die Erstwähler vermuten lässt.

München - Das nackte Ergebnis steht. Die wichtigsten Zahlen der Bundestagswahl werden seit Sonntagabend rauf- und runtergespielt. Mit 25,7 Prozent der abgegeben Stimmen stellt die SPD die größte Fraktion im Bundestag und löst damit erstmals seit der Wahl 2002 wieder die Union an der Spitze ab. Dahinter reihen sich mit Respektsabstand Grüne, FDP und AfD auf, die Linke bleibt dem erlauchten Kreis nur dank dreier gewonnener Direktmandate erhalten.

Hinter der Wahl des 20. Bundestags, der der größte in der Geschichte des Parlaments sein wird, stecken aber noch Unmengen an weiteren Zahlen. Einige können einen Fingerzeig für die nahe oder auch fernere Zukunft geben. So waren unter den 60,4 Millionen Wahlberechtigten laut Bundeswahlleiter 2,8 Millionen Erstwähler. Das entspricht einem Anteil von 4,6 Prozent. Genauer gesagt handelt es sich um deutsche Staatsbürger, die zwischen dem 25. September 1999 und dem 26. September 2003 geboren wurden. Ältere Bürger, die erst in den vergangenen vier Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben, werden also nicht dazugezählt.

Bundestagswahl: Union bei Erstwählern nur mit zehn Prozent und damit viertstärkste Kraft

Auch die jungen Frauen und Männer haben der Union mehrheitlich die Rote Karte gezeigt. Oder sich zumindest für eine andere Partei entschieden. So ergab eine Umfrage von „Infratest dimap“ im Auftrag der „Tagesschau“ vor Wahllokalen, dass sich nur jeder zehnte Erstwähler für CDU respektive CSU entschied. Die SPD ergatterte hier immerhin 15 Prozent Zustimmung. Es ist ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr verfestigt: In der jungen Generation sind die beiden ehemaligen Volksparteien keine großen Nummern.

An der Spitze liegen hingegen die beiden Parteien, die sehr wahrscheinlich über den künftigen Kanzler entscheiden werden. FDP und Grüne kommen jeweils auf 23 Prozent der Stimmen. Für eine Mehrheit abseits einer GroKo-Neuauflage werden deren Abgeordnete im Bundestag bekanntlich benötigt.

Im Hinblick auf das gute Abschneiden der Liberalen frotzelte ein Twitter-User: „Haben die ganzen Millionäre vorher nicht wählen können oder was?“ Ein anderer fragte: „Warum wählt man, insbesondere als junger Mensch, die FDP? Gab es einen Bausparvertrag gratis?“ Auch hier regiert das Unverständnis: „Angst, dass das Erbe besteuert wird?“

Spricht auch Erstwähler erfolgreich an: Christian Lindner bekam mit seiner FDP viel Zuspruch unter den jungen Erwachsenen.

Bundestagswahl: Bei Erstwählern schneidet die Linke besser ab als die AfD

Ebenfalls besser als im allgemeinen Ergebnis kommt die Linke weg, die acht Prozent der Erstwähler von sich überzeugte. Die AfD kommt hingegen nur auf sechs Prozent.

Auffällig aber auch: Es verbleiben weitere 15 Prozent, deren Präferenz nicht genannt wird. Entweder wollten diese sich nicht äußern. Oder aber sie stimmten für eine andere Partei. Letzteres wiederum könnte darauf hindeuten, dass künftig noch mehr Fraktionen ins Parlament einziehen werden.

Bei den Unter-25-Jährigen verschiebt sich das Bild nur minimal. Hier rutscht die FDP mit 21 Prozent auf Rang zwei ab, die AfD kommt auf sieben Prozentpunkte.

Bundestagswahl: Nur Union und SPD schneiden bei Wählern ab 60 besser ab als bei Jüngeren

Deutlich wird auch, dass nur die SPD und Union bessere Werte bei den Wählern ab 60 haben als bei den jüngeren Generationen. Alle anderen Parteien schneiden bei den Unter-60-Jährigen besser ab. Bei der SPD beträgt der Unterschied 13 Prozent (34 zu 21), bei CDU und CSU sogar 15 (33 zu 18).

Die Union kann sich vor allem auf Wählende ab 70 verlassen. Hier bekam sie 38 Prozent der Stimmen und schnitt am besten ab. Die SPD liegt bei 35 Prozent, die übrigen Parteien sind einstellig.

Bundestagswahl: In jüngeren Altersgruppen verlor die Union Stimmanteile in zweistelliger Prozenthöhe

Allerdings verloren CDU und CSU beim gesamten Überblick in jeder Altersgruppe Stimmanteile. Besonders eklatant war das bei den 18- bis 24-Jährigen mit minus 14 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen lag der Verlust bei zwölf Prozent, bei den 35- bis 44-Jährigen immer noch bei elf Prozent.

Die SPD verzeichnete den größten Zuwachs bei den Wählern ab 70 - hier gewannen die Sozialdemokraten zehn Prozent Stimmanteile hinzu. Verluste waren bei den beiden jüngsten Gruppen zu verzeichnen - minus vier respektive minus ein Prozent.

Grüne Enttäuschung: Nicht einmal bei den Erstwählern behauptete sich die Partei von Annalena Baerbock als klare Nummer eins.

Bundestagswahl: Grüne gewinnen bei jüngeren Altersgruppen deutlich hinzu

Als einzige Partei im Bundestag gewannen die Grünen überall hinzu. Am deutlichsten fiel der Zuwachs prozentual erwartungsgemäß in den jüngeren Gruppen aus. Bei den 18- bis 24-Jährigen stieg der Stimmanteil um zehn auf die bereits erwähnten 23 Prozent, sogar um elf Prozent verbesserte sich die Ökopartei bei den 25- bis 34-Jährigen und kam hier auf 21 Prozent Zustimmung.

Derweil punktete die FDP vor allem bei den 18- bis 24-Jährigen, verbesserte sich hier von zwölf auf die schon thematisierten 21 Prozent. Die Liberalen verloren lediglich bei den beiden ältesten Gruppen, bei den 60ern ein Prozent, bei allen ab 70 zwei Prozent.

Bundestagswahl: AfD und Linke büßen in jeder Altersgruppe Stimmanteile ein

Wie die Union büßte auch die AfD in jeder Altersgruppe Stimmanteile ein. Am stärksten bleibt sie bei den 35- bis 44-Jährigen mit 15 Prozent. Das gleiche Leid hat die Linke zu beklagen, hier waren die acht Prozent unter den 18- bis 24-Jährigen das Höchste der Gefühle.

Auch wenn es nicht für den Einzug ins Parlament reichte, gewannen auch die Freien Wähler in allen Altersgruppen hinzu. Das Gesamtergebnis von zwei Prozent wurde in den Altersgruppen bis einschließlich 59 Jahre jeweils um einen Prozentpunkt überboten. Am schwächsten schnitt die Partei bei den Ab-70-Jährigen mit einem Prozent Stimmanteil ab. (mg)

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/afp

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